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Stadtplanung: Mehr Lebensqualität aus dem Computer

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28.06.2018
  • Von Stefan Thaler / APA-Science

  • Wien (APA-Science) - Ein Gebäude oder einen ganzen Stadtteil zu sanieren und zu optimieren, ist eine komplizierte Sache. Je mehr Faktoren und deren Wechselwirkungen dabei berücksichtigt werden - von Energie über Licht bis zu Luft und Schall - desto besser das Ergebnis. Wie man diese Puzzle-Stücke sinnvoll zusammenfügt, hat das Österreichische Institut für Baubiologie und -ökologie (IBO) erforscht, ein Mitglied des Forschungsnetzwerks ACR – Austrian Cooperative Research.

  • "Ohne Simulation geht da praktisch gar nichts", erklärte IBO-Geschäftsführer Bernhard Lipp im Gespräch mit APA-Science. Denn das nach wie vor bestehende Hauptproblem sei das Zusammenführen der verschiedenen Daten. In der Praxis achte jeder nur auf seinen Bereich: "Wer sich um die Akustik im Innenraum kümmert, den interessiert das thermische Verhalten wenig. Und für einen Bauphysiker, der Energie im Fokus hat, ist ausreichendes Tageslicht nachrangig", sagte Lipp. So bleiben im Planungsalltag die Möglichkeiten, einen Stadtteil zukunftsfähig zu gestalten, oft unerkannt und ungenutzt. Und genau hier kommt die Simulation ins Spiel.

  • Im Rahmen des kürzlich abgeschlossenen Projekts "Smart City Mikroquartiere" wurde versucht, ein Instrument zu schaffen, mit dem man einfach und schnell die Verbesserungspotenziale eines Stadtquartiers in Bezug auf energetische, ökologische, gesellschaftliche, ökonomische und städtebauliche Kriterien abschätzen kann. Nicht vergessen sollte man dabei auf die "Nebenwirkungen". Wird beispielsweise der Bestand horizontal nachverdichtet, gehen Freiräume und Vegetation verloren. Baut man in die Höhe kann es zu Verschattungen kommen - Widerstand der Nachbarn ist vorprogrammiert.

  • "Man weiß ja, dass Gebäude mit der unmittelbaren Umgebung in Wechselwirkung stehen. Was sich im Innenhof abspielt, beeinflusst die Wohnqualität", so Lipp. Deshalb sei man bei diesem Projekt bei den zu untersuchenden Parametern über das Gebäude hinausgegangen. Da dies sehr dynamisch sei, komme man ohne Simulation nicht weit. "Wir haben uns beispielsweise angesehen, wie das Licht bei einer zusätzlichen Bebauung fällt oder welche Bepflanzung sinnvoll ist, wenn man den Innenhof kleiner macht", sagte Lipp.

  • Mehrere Optimierungsschritte gleichzeitig setzen

  • Ziel des im Rahmen der Programmlinie "Stadt der Zukunft" des Technologieministeriums (BMVIT) geförderten Projekts sei, dass eine Gemeinde oder Stadt, die mehrere zusammen gehörende Gebäude saniert, alle Möglichkeiten ausschöpfen kann. "Es geht ja meistens nicht nur um eine thermische Sanierung, sondern auch um eine Verdichtung, um Energiesysteme, die über mehrere Gebäude hinweg gehen, oder Mobilitätskonzepte für dieses Mikroquartier", erklärte der Experte. So könne man mehrere Optimierungsschritte gleichzeitig setzen.

  • Würden wichtige Fragen bereits im Vorfeld beantwortet, würde die Qualität deutlich steigen: "Was ist mit Carsharing, Ladestationen und Fahrradwegen? Können mehrere Gebäude eine Wärmepumpe gemeinsam nutzen? Wie kann man Freiflächen verträglich verdichten?" Die entwickelten Modell-Mikroquartiere könnten darauf Antworten bieten, so Lipp.

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