Verbindliche Übung in der Sekundarstufe 1 © Koppstraße II (Gergely)
Verbindliche Übung in der Sekundarstufe 1

APA

Mehr "digitale Grundbildung" für 6- bis 14-Jährige ab Herbst

Jan 26, 2017

Mehr als 500 Schulen setzen schon jetzt digitale Medien als Teil der Schulentwicklung ein, ab Herbst soll "digitale Grundbildung" an allen Schulen verankert werden: An den Volksschulen wird diese Teil der Lehrpläne, in der Sekundarstufe 1 (NMS, AHS-Unterstufe) wird sie als "verbindliche Übung" eingeführt, gab Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) bekannt.

"Ziel ist, dass kein Kind, kein Jugendlicher das Schulsystem ohne digitale Kompetenzen verlässt", betonte sie bei der Präsentation von "Schule 4.0". Durch die stärkere Verankerung digitaler Medien sollen die Schüler nicht nur auf neue Herausforderungen in der Arbeitswelt vorbereitet werden, sie sieht auch ganz neue Möglichkeiten für Individualisierung, Förderung von Talenten und Teamarbeit im Unterricht.

"Digitale Bildung" in die Lehrpläne

An den Volksschulen sollen sich die Kinder (vor allem in der 3. und 4. Klasse) spielerisch mit Technik und Problemlösung beschäftigen, die erworbenen Kompetenzen sollen sie in einem Sammelpass dokumentieren. Im allgemeinen Teil der Lehrpläne wurde die digitale Grundbildung bereits verankert, schrittweise soll das nun auch in den einzelnen Fächern (Deutsch, Mathematik etc.) passieren.

In der Sekundarstufe 1 sollen die Schüler im Umfang von zwei bis vier Wochenstunden innerhalb von vier Jahren informatische Grundkenntnisse, den Umgang mit Standardprogrammen und den kritischen Umgang mit sozialen Netzwerken, Information und Medien erlernen. Passieren soll das in einer verbindlichen Übung, die zwar verpflichtend besucht werden muss, bei der es aber - anders als bei einem Unterrichtsfach - keine Benotung gibt. Beispiele für verbindliche Übungen sind etwa lebende Fremdsprachen in der Volksschule oder Berufsorientierung in der Sekundarstufe 1. Die Schulen sollen selbst entscheiden, ob sie "Digitale Grundbildung" integrativ im Fachunterricht, in speziellen Stunden oder als Mischform anbieten. Ob die geforderten Kompetenzen erreicht wurden, wird in der achten Schulstufe in einem Online-"digi.check" überprüft.

Fort- und Weiterbildung für Pädagogen

Hammerschmids "Digitalstrategie" betrifft auch die Pädagogen: Es wird ab Herbst ein Lehrgang von 6 ECTS (30 ECTS entsprechen dem Aufwand eines Semesters) eingeführt, der in den ersten drei Jahren ab Schuleintritt absolviert werden muss. Zeitgleich wird auch in der Fort- und Weiterbildung das Angebot ausgebaut. Außerdem eröffnet an der Pädagogischen Hochschule (PH) Oberösterreich Anfang Februar ein Bundeszentrum zur Förderung des digitalen Lernens, an der PH Wien sollen unterdessen im ersten österreichischen "Future Learning Lab" angehenden Lehrer mit digitalen Tools experimentieren können.

Gemeinsam mit dem Infrastrukturministerium plant Hammerschmid außerdem eine Breitbandoffensive an den (in der Regel von den Gemeinden erhaltenen) Pflichtschulen. Dort haben laut einer flächendeckenden Erhebung des Bildungsministeriums derzeit 31 Prozent der Standorte WLAN und 78 Prozent der Klassen einen Internetzugang. Zum Vergleich: An den Bundesschulen (AHS, BMHS) sind es 50 bzw. 96 Prozent. Mit der sogenannten "Eduthek" soll auch ein Portal eingerichtet werden, auf dem Lehrer digitale Lehr- und Lernmaterialien, pädagogisch empfohlene Apps und Spiele finden.

Für jedes Kind ein Tablet oder Notebook

Mittelfristiges Ziel sei außerdem, wie von Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) angekündigt, jedes Kind nach der Volksschule mit einem Tablet und nach der Unterstufe mit einem Laptop auszustatten.

Die Umsetzung der digitalen Strategie soll mit Schuljahr 2017/18 starten. Den Anfang machen in der Sekundarstufe Pilotprojekte an Schulen des eEducation-Netzwerks, nach Nachjustierungen soll dann ein breiter Ausbau folgen. Bis 2020 sollen außerdem möglichst alle Schulen an das Breitband angeschlossen sein. Die Kosten laut Hammerschmid: 2,4 Mio. Euro steckt das Bildungsministerium in die Umsetzung von digitaler Grundbildung, Lernplattformen, Lehrerausbildung und das neue Bundeszentrum an der PH Oberösterreich. 2,2 Mio. Euro kommen aus dem Staatssekretariat für die Umsetzung der "Eduthek" und den Ausbau des an den Volksschulen schon laufenden Mobile Learning Projekts. "Die Tablets, Laptops, die sind zu verhandeln", räumte Hammerschmid ein. "Aber wir werden alles daran setzen, dass wir diese Vision unseres Herrn Bundeskanzlers umsetzen können."

Verwirrung um Kostenübernahme

Trotz Unterstützung für den Plan lehnte Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer eine teilweise Kostenübernahme ab. "Die Gemeinden als Schulerhalter können mit Sicherheit nicht Tablets oder Laptops für alle Schüler bezahlen. Das geht weit über unsere Möglichkeiten und auch über unsere Verpflichtungen bei der Ausstattung hinaus", erklärte er.

Das Bildungsministerium stellte daraufhin klar, dass die Geräte im Falle der Umsetzung dieses Plans nicht von den Gemeinden, sondern vom Bund finanziert werden. "Die Ausstattung der Schülerinnen und Schüler mit Tablets und Laptops ist ein Projekt, das wir in der Bundesregierung verhandeln werden. Auch die Kosten sind auf Bundesebene zu tragen", heißt es in einer Stellungnahme. Das stehe auch in Kerns "Plan A". "Es war nie vorgesehen, dass die Gemeinden auch nur ein Tablet zahlen sollen."

Mehr zum Thema:

Jugendliche schätzen digitale Fähigkeiten sehr hoch ein