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Neurowissenschafter Peter Jonas erhält Wittgenstein-Preis

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17.05.2016

Der deutsche Neurowissenschafter Peter Jonas (55) vom Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg erhält den Wittgenstein-Preis 2016. Das gab der Wissenschaftsfonds FWF in Wien bekannt. Die als "Austro-Nobelpreis" geltende Auszeichnung ist mit 1,5 Mio. Euro dotiert und damit der höchste Wissenschaftsförderpreis in Österreich.

Zudem erhielten sechs Nachwuchsforscher Start-Preise, die mit jeweils bis zu 1,2 Mio. Euro dotiert sind. Den sieben ausgezeichneten Wissenschaftern steht die jeweilige Fördersumme in den kommenden sechs Jahren für ihre Arbeit zur Verfügung. Ausgewählt wurden die Preisträger von einer aus ausländischen Wissenschaftern zusammengesetzten Jury.

Mit dem Wittgenstein-Preis werden hervorragende und international anerkannte Wissenschafter ausgezeichnet. Die vom Wissenschaftsministerium finanzierte Förderung soll ihnen "ein Höchstmaß an Freiheit und Flexibilität bei der Durchführung ihrer Forschungstätigkeit garantieren, um eine außergewöhnliche Steigerung ihrer wissenschaftlichen Leistungen zu ermöglichen", wie es seitens des FWF heißt.

Hippocampus im Fokus
Jonas gilt als ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet der Hirnforschung. Sein Hauptinteresse gilt der Übertragung von Information von Nervenzellen (Neuronen) an deren Kontaktstellen - den Synapsen - sowie der Analyse von Veränderungen dieser Strukturen, die die Grundlage für die Speicherung von Information und somit des Lernens darstellen. Besonderes Augenmerk legt der am 10. Mai 1961 in Darmstadt (Deutschland) geborenen Wissenschafter daher auf den Teil des Gehirns, der für Gedächtnis, Lernen, Erinnerung und Raumorientierung zuständig ist, den Hippocampus. Jonas konnte entscheidende Beiträge zum Verständnis des Zusammenspiels verschiedener an der neuronalen Kommunikation beteiligter Membrankanäle und Transmitterstoffe liefern und publiziert regelmäßig in renommierten Wissenschafts-Zeitschriften.
 
Jonas ist einer von wenigen Forschern, die bereits zwei Mal einen mit jeweils um die 2,5 Mio. Euro dotierten "Advanced Grant" des Europäischen Forschungsrats (ERC) erhalten haben. Darüber hinaus wurde er unter anderem 2006 mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ausgezeichnet und ist Mitglied der deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Academia Europaea.
 
2010 beim IST Austria angedockt
Sein Studium der Humanmedizin an der Universität Gießen schloss Jonas 1990 ab. Während seiner Zeit am Max-Planck-Institut für Medizinische Forschung in Heidelberg habilitierte er sich 1992 an der dortigen Universität. Über Stationen an der Technische Universität München und der Universität Freiburg, wo er das physiologische Institut leitete, kam der Jonas schließlich 2010 an das IST Austria. Für das erst 2009 gegründete Institut ist es der zweite Wittgenstein-Preis: 2012 teilte sich der Informatiker und IST Austria-Präsident Thomas Henzinger die Auszeichnung mit dem Solarzellen-Pionier Serdar Sariciftci von der Universität Linz.
 
Die Verleihung des Wittgenstein-Preises und der Start-Preise am Abend des 13. Juni nehmen Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner, Staatssekretär Harald Mahrer (beide ÖVP) und FWF-Interimspräsidentin Christine Mannhalter vor. ORF III zeichnet die Zeremonie auf, die Ausstrahlung erfolgt am 15. Juni.