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Wissenschaftliche Exzellenz vor den Vorhang

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09.03.2017
Es ist eine beinharte Selektion: Über 63.000 Projekte wurden seit 2007 beim Europäischen Forschungsrat ERC eingereicht, knapp 7.000 davon tatsächlich gefördert. Verbunden damit ist nicht nur eine Förderung von jeweils bis zu 2,5 Mio. Euro, sondern auch eine Art Stempel als "Europäischer Top-Forscher". In den kommenden Wochen wird das zehnjährige Bestehen des ERC gefeiert.
 

Bis 2006 unterstützte die EU nur grenzüberschreitende wirtschaftsnahe Forschung, primär um die Wettbewerbsfähigkeit Europas und seiner Wirtschaft zu fördern. Erst mit Beginn des 7. Forschungsrahmenprogramms (2007-2013) begann die Union, über den neu geschaffenen ERC auch Grundlagenforschung in Europa zu fördern und stellte dafür 7,5 Mrd. Euro bereit. Im Nachfolgeprogramm "Horizon 2020" (2014-2020) stehen für den ERC (European Research Council) insgesamt 13 Mrd. Euro zur Verfügung.

"Qualitativ höchstwertige Forschung"
Der ERC sieht seine Aufgabe darin, "qualitativ höchstwertige Forschung in Europa zu fördern und Pionierforschung in allen Fachbereichen zu unterstützen", wie es auf der Website des Rats heißt. Die ERC-Förderungen (engl. grants) sind offen für Wissenschafter jeden Alters und Fachbereichs sowie jeder Nationalität, die in Europa an bahnbrechenden, wegweisenden Projekten mit hohem Risiko forschen wollen. Das einzige Selektionskriterium dabei ist "wissenschaftliche Exzellenz", wie es seitens des ERC heißt.

ERC-Grants hätten zu zahlreichen wissenschaftlichen Durchbrüchen geführt, erklärte ERC-Präsident Jean-Pierre Bourguignon in einer Aussendung. Für ihn "gibt es genügend Belege dafür, dass der ERC seine Mission erfüllt, Europa zu einem Ort für die besten Köpfe der Welt zu machen".

Nowotny: "Einzigartige europäische Erfolgsgeschichte"
Auch die österreichische Wissenschaftsforscherin Helga Nowotny, die Gründungsmitglied und von 2010 bis 2013 Präsidentin des ERC war, bezeichnete im Gespräch mit der APA die ersten zehn Jahre des ERC als "einzigartige europäische Erfolgsgeschichte". Forscher auf der ganzen Welt würden Europa für dieses Förderinstrument beneiden.

Der ERC vergibt Förderpreise für verschiedene Phasen wissenschaftlicher Karrieren: "Starting Grants" (1,5 Mio. Euro) und "Consolidator Grants" (2 Mio. Euro) für Nachwuchswissenschafter, "Advanced Grants" (2,5 Mio. Euro) für etablierte Forscher. Zudem werden "Proof of Concept Grants" (150.000 Euro) vergeben, um das Innovationspotenzial eines mit ERC-Mitteln erzielten Forschungsergebnisses zu erkunden. 2012 und 2013 gab es zudem "Synergy Grants" (bis zu 15 Mio. Euro) für kleine Gruppen von Forschern. Diese Förderschiene soll 2018 wieder ausgeschrieben werden.

Teams mit 50.000 Wissenschaftern
In den vergangenen Jahren wurden so in Summe knapp 7.000 Spitzenforscher - großteils jünger als 40 Jahre - mit zwölf Mrd. Euro gefördert. In den von den Preisträgern aufgebauten Teams arbeiten insgesamt rund 50.000 Wissenschafter, das Gros davon Doktoranden und Post-Docs.

Es sind aber nicht nur die hohen Fördermittel, die locken. Ein ERC-Grant hat Mehrwert: "Es ist fast wie ein Stempel 'Europäischer Top-Forscher', sagte Thomas Henzinger, Präsident des Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg (NÖ) und selbst ERC-Preisträger, zur APA. Und Nowotny hebt die Karrierenchancen für den wissenschaftlichen Nachwuchs hervor, die dieser ohne ERC nie gehabt hätte.

100.000 wissenschaftliche Arbeiten
Beim ERC verweist man u.a. auf sechs Nobelpreis-, vier Fields-Medaillen- und fünf Wolf-Preis-Träger, die aus den bisherigen Förderempfängern hervorgegangen sind. In Summe seien von den Preisträgern 100.000 wissenschaftliche Arbeiten publiziert worden, 5.500 davon in den am meisten zitierten Fachjournalen. 180 Forscher kamen mit einem ERC-Grant nach Europa - der Großteil davon waren Europäer, die wieder in ihren Heimatkontinent zurückkehrten. Auch wenn der ERC Grundlagenforschungsprojekte fördert, haben ERC-Projekte bereits zu über 800 Patenten und mehr als 75 Unternehmensgründungen geführt.

Einfach ist es nicht, an den ERC-Trog zu kommen, die Entscheidungen werden auf Basis von Gutachten internationaler Fachkollegen ("peer-review") getroffen: Am schärfsten ist die Konkurrenz bei den "Starting Grants": Bei den bisher neun Ausschreibungen gab es knapp 36.000 Anträge, 3.381 davon wurden gefördert, was einer Genehmigungsrate von 9,7 Prozent entspricht. Bei den vier Ausschreibungsrunden für "Consolidator Grants" bewarben sich rund 10.500 Forscher, 1.300 erhielten den Förderpreis (13,1 Prozent). Bei den acht Ausschreibungen für "Advanced Grants" gingen 17.000 Bewerbungen ein, 2.178 bekamen die Förderung (13,3 Prozent). Im Schnitt beträgt die Genehmigungsrate elf Prozent.

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