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Kreislaufwirtschaft in der EU: Wie zirkulär ist Europa eigentlich?

10.10.2018

Kreislaufwirtschaft bezeichnet eine Wirtschaft, in welcher der Wert von Produkten, Stoffen und Ressourcen innerhalb der Wirtschaft so lange wie möglich erhalten bleibt und damit CO2 Emissionen eingespart werden. Um erfolgreich Maßnahmen setzen zu können ist eine laufende Beobachtung der Ressourcennutzung entscheidend. Forscher des Instituts für Soziale Ökologie an der Universität für Bodenkultur Wien haben gemeinsam mit dem Joint Research Center einen Überwachungsrahmen entwickelt, der aktuell im Journal of Industrial Ecology veröffentlicht wird.

Die Europäische Union forciert einen Übergang hin zu einer Kreislaufwirtschaft mit dem Ziel, Abfälle und Emissionen zu verringern, Ressourcen zu schonen, und dabei lokale Wertschöpfung zu erhöhen und Arbeitsplätze zu schaffen. Das 2018 von der Europäischen Kommission veröffentlichte "Circular Economy Package" baut auf einer gemeinsamen Studie des BOKU-Instituts für Soziale Ökologie und dem Joint Research Centre der Europäischen Kommission in Ispra (Italien) auf.

Mitautor Haas erklärt: "Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft darf nicht auf einzelne problematische Materialen, wie z.B. Plastik, oder Sektoren, etwa die metallverarbeitende Industrie, beschränkt bleiben, sondern benötigt einen tiefgreifenden Systemwandel, welcher die gesamte Wirtschaft umfasst." 60% der genutzten Ressourcen gehen in Aufbau und Erhalt von Beständen wie Gebäuden, Straßen oder Brücken. Diese brauchen teilweise nicht nur viel Energie bei Betrieb oder Nutzung, sondern müssen vor allem aus primären Baumaterialien erhalten und erweitert werden, da es wenig geeignete Abbruchmaterialien gibt. Der hohe Einsatz von fossilen Energieträgern und nicht-nachhaltig genutzter Biomasse sind weitere große Probleme, welche die Zirkularität trotz hoher Recyclingraten z.B. bei Metallen niedrig halten.

Mayer und Kollegen zeigen in ihrem Artikel, dass im Jahr 2014 in den 28 Ländern der EU 7,4 Milliarden Tonnen Ressourcen verbraucht wurden, von denen weniger als ein Zehntel aus sekundären Rohstoffen stammen. Rund ein Fünftel der verbrauchten Ressourcen besteht aus fossilen Energieträgern. Diese können nicht wiederverwertet werden, weil sie nach der Verbrennung vor allem in Form von klimaschädlichem CO2 emittiert werden. Dazu Studienautor Mayer: "Eine deutliche Verringerung des Verbrauchs von Rohstoffen und Energie sind wichtige Maßnahmen hin zu mehr Kreislaufwirtschaft, und sind auch ein wichtiger Beitrag um das 1.5 Grad-Ziel von Paris zu erreichen." Der ganzheitliche Bezugsrahmen des Überwachungsrahmens erlaubt auch nachteilige Effekte von Recycling aufzuzeigen, wenn z.B. Plastikrecycling zwar primäres Plastik einspart, aber durch einen höheren Energieverbrauch für Sammlung und Aufbereitung den Ressourcenverbrauch wieder ansteigen lässt.

Entgegen der aktuell noch niedrigen Zirkularität von weniger als 10% in den EU28 gibt es auch ermutigende Anzeichen. Die Zunahme von thermischen Gebäudesanierungen reduziert den Verbrauch von fossilen Energieträgern, der Bau von langlebigen Infrastrukturen und Produkten mit niedriger Wartungsintensität und sparsamen Betrieb reduziert den Ressourcenverbrauch. Weiters wird die Recyclierbarkeit von Produkten immer häufiger schon im Design überlegt, und KonsumentInnen beginnen langsam Reparaturen statt Neukauf zu bevorzugen. Um hier tatsächlich einen für die Umwelt deutlich positiven Effekt zu erreichen, braucht es allerdings entschiedene Maßnahmen - wie etwa eine Steuerreform, die Arbeit steuerlich entlastet und Ressourcenverbrauch belastet.

Die im Journal of Industrial Ecology veröffentliche Studie bietet ein laufend aktualisierbares Monitoringsystem von Materialflüssen, um dem herausfordernden Umbau in eine Kreislaufwirtschaft eine zuverlässige Orientierung zu bieten.

Mayer, A., W. Haas, D. Wiedenhofer, F. Krausmann, P. Nuss, and G.A. Blengini. 2018. Measuring Progress towards a Circular Economy: A Monitoring Framework for Economy-wide Material Loop Closing in the EU28: Progress towards a Circular Economy in the EU28. Journal of Industrial Ecology. http://doi.wiley.com/10.1111/jiec.12809.

Kontakt / Rückfragen: 
DI Dr. Willi Haas und Mag. Dr. Andreas Mayer
+43 1 5224000 422
mailto:Willi.Haas@boku.ac.at 
mailto:Andreas.Mayer@boku.ac.at
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