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Hemmung bestimmter Nervenzellen macht Tiere zu Hasardeuren © APA (Techt)
Hemmung bestimmter Nervenzellen macht Tiere zu Hasardeuren © APA (Techt)

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Hemmungsloses Zocken oder Sicherheit - Forscher beeinflussen Ratten

07.12.2018

Ein Team von Neurowissenschaftern aus Wien und den USA fand im Gehirn von Ratten eine Gruppe von Nervenzellen (Neuronen), deren Aktivität vorhersagt, ob die Tiere eine sichere oder risikoreiche Entscheidung treffen werden. Unterdrückten sie die Aktivität dieser Neuronen gezielt, wurden die Ratten im Experiment zu hemmungslosen Zockern, so die Forscher im Fachblatt "Neuron".

Die Wissenschafter von der Medizinischen Universität (MedUni) Wien und der NYU School of Medicine (USA) ließen Ratten im Rahmen eines Experiments zwei Wahloptionen: Der eine Weg führte sie mit Sicherheit zu einer kleineren Portion Futter, am anderen Pfad winkte entweder die vierfache Menge oder sie gingen leer aus. Als die Forscher um Johannes Passecker die Chancen auf dem Risiko-Weg immer wieder veränderten, passten die Tiere ihre Strategien und somit ihren Hang zum Risiko an.

Dass der Frontallappen (präfrontaler Cortex) eine wichtige Rolle bei der Handlungsplanung spielt, ist schon lange bekannt. Bei ihren nunmehrigen Untersuchungen erkannten die Wissenschafter aber, dass sich anhand der Aktivität spezieller Neuronen zeitversetzt ablesen ließ, welche Entscheidung die Ratten treffen werden - und zwar auch dann, wenn sich ein Tier nicht erwartungsgemäß und entgegen der vorangegangenen Erfahrungen verhielt, heißt es in einer Aussendung der MedUni.

"Außerdem konnten wir durch selektive Manipulation der Gehirn-Aktivität sogar die Entscheidungen der Tiere derart beeinflussen, sodass sie ein höheres Risiko bei ihren Spekulationen eingingen", so Passecker, der die Studie in Wien durchführte und nun an der Columbia University (USA) forscht. Die Wissenschafter brachten dafür spezielle Proteine in die entscheidenden Nervenzellen ein, die sich mit Laserlicht aktivieren lassen. Damit konnten sie beeinflussen, ob die Zellen aktiv werden oder nicht.

Volles Risiko trotz Misserfolgen

Zu Hasardeuren wurden die Ratten, wenn die Hirnforscher die dortige Aktivität gezielt unterdrückten. Unter dieser Voraussetzung gingen die Tiere volles Risiko und zwar auch, wenn sie vorher mit der Strategie anhaltend nicht erfolgreich waren. Stieg die Aktivität stark an, wurde die Sicherheitsvariante gewählt.

Der Entwicklung dieses Prozesses im Gehirn wollen Passecker und Kollegen in weiteren Untersuchungen nachgehen, da diese Abläufe mit Erkrankungen wie Depression oder Spielsucht in Verbindung stehen. "Bei Depression liegt es nahe, dass hier eine zu starke Inaktivität der Neuronen vorliegt", so der Wissenschafter: "Selbst morgens aus der Sicherheit des Bettes zu kommen, wird zu einer oft unüberbrückbaren Herausforderung. Bei Spielsucht scheint die Neuronenaktivität im präfrontalen Cortex ebenfalls sehr gering, die Betroffenen verharren im gleichen Muster und sind nicht mehr in der Lage, adäquat massive Spekulationsverluste richtig einzuschätzen und dementsprechend auf die Variante 'Sicherheit' umzuschalten."

Service: https://doi.org/10.1016/j.neuron.2018.10.050

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