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Überleben ohne chronische Behinderung in vielen Fällen möglich © APA (dpa)
Überleben ohne chronische Behinderung in vielen Fällen möglich © APA (dpa)

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Schlaganfallbehandlung als Erfolgsgeschichte

20.03.2017

Zwischen 20.000 bis 24.000 Menschen erleiden jedes Jahr in Österreich einen Schlaganfall. Bei Gerinnseln in großen Gehirngefäßen ist die mechanische Entfernung des aufgetretenen Thrombus die optimale Therapie. Diese gibt es jetzt praktisch flächendeckend in ganz Österreich, hieß es bei einer Pressekonferenz in Wien.

Seit Jahren existiert die Möglichkeit der medikamentösen Auflösung des beim sogenannten ischämischen Schlaganfall in einem Gehirngefäß aufgetretenen Blutgerinnsels, das die Sauerstoffversorgung beeinträchtigt. Möglichst früh nach Auftreten der Symptome, das Zeitfenster beträgt rund viereinhalb Stunden, kann dabei nach erfolgter Diagnose per Infusion des Biotech-Medikaments rt-PA der Thrombus "lysiert" werden.

Doch bei sehr großen Schlaganfällen mit einem Thrombus in einem großen Gehirngefäß klappt das oft nicht. Seit wenigen Jahren gibt es hier die Möglichkeit, per Kathetereingriff den Thrombus mechanisch aus dem Blutgefäß zu entfernen. "Das betrifft rund zehn Prozent der Schlaganfallpatienten. Es dürften pro Jahr in Österreich zwischen 2.000 und 2.500 sein", sagte Elisabeth Fertl, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN).

Für die Behandlung von Patienten mit akutem Schlaganfall muss aber eine optimal funktionierende Diagnose- und Therapiekette gegeben sein: Der Patient oder seine Angehörigen müssen möglichst sofort Verdacht schöpfen, wenn Symptome auftauchen. Dann sollte sofort der Notarzt alarmiert werden. Schließlich muss der Transport in eine von 38 in Österreich flächendeckend und rund um die Uhr tätigen Stroke Units erfolgen. Dort wird per CT-Untersuchung die Diagnose eines Schlaganfalls gestellt und - so möglich - gleich eine Thrombolyse eingeleitet. Im Bedarfsfall aber muss dann auch der Transport in ein interventionelles Zentrum (24 Stunden an sieben Tagen der Woche im Einsatz) für die Katheterbehandlung sichergestellt sein.

Zentren in jedem Bundesland

"Wir haben jetzt in jedem Bundesland zumindest ein solches interventionelles Zentrum außer im Burgenland und in Vorarlberg. Die Versorgungsmöglichkeiten für Patienten sind damit vorbildlich. 2011 hatten wir in Österreich rund 300 interventioneller Eingriffe, vergangenes Jahr waren es bereits mehr als 1.000", sagte die Expertin. Vorarlberg und das Burgenland werden via Tirol bzw. Wien versorgt. In ganz Österreich gibt es zehn solcher Katheterlabors für die Schlaganfalltherapie, fünf davon in Wien und Niederösterreich.

Die Erfolge können enorm sein. "Man muss 2,6 Patienten behandeln, um bei einem ein Überleben ohne chronische Behinderung sicherzustellen", sagte die Neurologin. Eine solche Relation zwischen Aufwand und Gewinn für die Patienten finde sich in der Medizin sonst selten.

Bei leichteren bis mittleren Schlaganfällen gelingt die Gerinnselauflösung per herkömmlicher Thrombolyse bei 65 bis 70 Prozent der Patienten, bei großen Schlaganfällen aber nur in zehn bis 20 Prozent der Fälle. Mit der mechanischen Entfernung des Thrombus kann man bei 80 bis 85 Prozent der Patienten mit einem großen Schlaganfall einen Erfolg erzielen. Die Rate der Patienten ohne bleibende Schäden beträgt dann 45 Prozent. Man rechnet mit der Notwendigkeit eines solchen Labors für eine Million Einwohner bei dort dann 50 bis 100 derartigen Eingriffen pro Jahr.

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