Medizin & Biotech

v.li.: Clemens Schödl, Peter Schuster, Christoph Zielinski, Norbert W. Bischofberger, Georg Stingl, Josef Smolen, Christian Noe © APA-Fotoservice
v.li.: Clemens Schödl, Peter Schuster, Christoph Zielinski, Norbert W. Bischofberger, Georg Stingl, Josef Smolen, Christian Noe © APA-Fotoservice

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Personalisierte Medizin: Chancen und Herausforderungen

07.12.2017

Schon heute profitieren Patient/innen von individuellen, zielgerichteten Therapieansätzen in der Medizin. Dabei stehen wir erst am Anfang einer weitreichenden Entwicklung: In Zukunft werden Fortschritte in Bereichen wie der Gentherapie und Immuntherapie, kombiniert mit technologischen Innovationen in Prognose, Diagnostik und Datenanalyse, derzeit noch ungeahnte Möglichkeiten der Behandlung eröffnen. Doch wo sind am ehesten Erfolge durch personalisierte Arzneimittel zu erwarten? Und wo liegen die Grenzen in der Anwendung? Diesen Fragen gingen hochkarätige Experten im Rahmen der Veranstaltung "Personalisierte Me-dizin: Chancen und Herausforderungen" am 6. Dezember 2017 nach.

Auf Einladung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Kooperation mit Gilead Sciences GesmbH diskutierten Norbert W. Bischofberger, Christian R. Noe, Josef Smolen, Georg Stingl und Christoph Zielinski (detaillierte Rednerliste siehe unten). Als Einführung ins Thema beleuchtete Norbert W. Bischofberger wesentliche Aspekte in seinem Vortrag "The future of medicine: Technology and personalized therapy" - eine Zusammenfassung davon finden Sie im nächsten Absatz. Zitate aus der anschließenden Podiumsdiskussion auf der nächsten Seite.

"The future of medicine: Technology and personalized therapy"

Unter dem Titel "The future of medicine: Technology and personalized therapy" spannte Norbert Bischofberger, Chief Scientific Officer bei GILEAD Sciences, einen Bogen vom Humangenom-projekt der neunziger Jahre zur personalisierten Medizin in der Onkologie von heute.

Im Jahr 1990 wurde das "Human Genome Project" gegründet, das darauf abzielte, das menschliche Genom zu entschlüsseln. Das Genom des Menschen enthält die Gesamtheit der vererbbaren Informationen, und eine vollständige Sequenzierung des Genoms bildet die Grundlage für die Erforschung vieler biologischer Prozesse. 2003 fand das Projekt seinen Abschluss.

Heute gilt die personalisierte Medizin als ein Behandlungskonzept, das Patienten schneller zu einer für sie geeigneten Therapie verhelfen kann. Sie beruht in hohem Maße auf den Möglichkeiten der modernen Diagnostik, die durch das Humangenomprojekt eröffnet wurden.

Begriffe wie maßgeschneidert und zielgerichtet sind dabei in aller Munde - insbesondere in Zusammenhang mit moderner Krebstherapie. Ein möglicher Ansatz ist CAR-T, wie Norbert Bischofberger erläuterte. Er bot Einblicke in die Welt der chimären Antigenrezeptor-T-Zell-Therapien. In der CAR-T-Zell-Therapie werden T-Zellen aus dem Blut des Patienten im Labor gentechnisch so verändert, dass sie patienten-spezifische Tumorantigene erkennen und so die Krebszellen effektiv zerstören können.

Zitate aus der Podiumsdiskussion

"Wir leben in einer aufregenden Zeit. Die analytischen Möglichkeiten von Big Data und Artificial Intelligence sind die Megatrends der Zukunft."

Norbert Bischofberger

"In der Zukunft werden wir nicht sporadisch und reaktiv Erkrankungen behandeln, sondern unseren Gesundheitszustand kontinuierlich und proaktiv monitoren - auf der Basis von Artificial Intelligence, mit modernsten Devices."

Norbert Bischofberger

"Wenn Sie einen Medizinstudenten dazu ausbilden wollen, 2.032 Erkrankungen zu diagnostizieren, dauert dies lange. Ein Computer kann das in kurzer Zeit erlernen."

Norbert Bischofberger

"Es ist unglaublich beeindruckend, was wir an Wissen gewinnen. Doch die Frage ist, wie wir das umsetzen. Es braucht eine neue Infrastruktur - breit aufgestellt, in allen Ländern, nicht nur in wenigen Zentren, über den Globus verteilt."

Christian Noe

"Wir erleben den Zerfall von Krankheiten wie Brustkrebs in viele Entitäten. Das gleiche gilt für Lungenkrebs. Das heißt, wir können nicht mehr wie bisher nach "one fits all" behandeln."

Christoph Zielinski

"Wir brauchen auch in Österreich Mediziner mit einer soliden naturwissenschaftlichen Ausbildung, denn nur diese können verstehen, worum es bei der personalisierten Medizin überhaupt geht. Ich habe manchmal den Eindruck, dass sowohl in der studentischen, als auch der ärztlichen Ausbildung dieser wissenschaftsbasierte Aspekt nicht genug betont wird. Das führt bei Arzt und Patient zu Unsicherheit und Skepsis gegenüber einer so komplexen Materie, wie es die personalisierte Medizin nun einmal ist. Im ungünstigsten Falle bedeutet das, dass Patienten einer potentiell kurativen Therapiemöglichkeit beraubt werden."

Georg Stingl

"Die Health Kompetenz der Patienten ist viel zu wenig entwickelt. Sie googeln, können die Information aber nicht einordnen. Da haben wir Handlungsbedarf."

Christian Noe

"In der Rheumatologie und bei den chronisch entzündlichen Erkrankungen im Allgemeinen bin ich derzeit weniger optimistisch. Wir haben zwar mittlerweile für sie alle sehr effektive Therapien, aber wir haben noch nicht herausfinden können, welche Person von welchem Entstehungsweg regiert wird. Wir können auch etwaige Subformen der Erkrankungen noch nicht erkennen."

Josef Smolen

Fotos von der Veranstaltung finden Sie hier:

http://www.apa-fotoservice.at/galerie/11106

Programm

Begrüßung

Peter Schuster | zuletzt Vorstand des Instituts für Theoretische Chemie der Universität Wien, Mitglied der ÖAW

Vortrag

"The future of medicine: Technology and personalized therapy"

Norbert W. Bischofberger | Executive Vice President, Research and Development and Chief Scientific Officer, Gilead Sciences, Inc.

Podiumsdiskussion:

Norbert W. Bischofberger | Gilead Sciences, Inc.

Christian R. Noe | zuletzt Dekan der Fakultät für Lebenswissenschaften der Universität Wien, Mitglied der ÖAW

Josef Smolen | Leiter der Univ. Klinik für Innere Medizin III und der Klin. Abt. f. Rheumatologie an der Medizinischen Universität Wien/AKH Wien, Abteilungsvorstand der 2. Medizinischen Ab-teilung des Krankenhaus Hietzing, Mitglied der ÖAW Georg Stingl | zuletzt Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie der Medizinischen Univer-sität Wien, Mitglied der ÖAW Christoph Zielinski | Leiter des Comprehensive Cancer Center an der Medizinischen Universi-tät Wien/AKH Wien, Wissenschaftlicher Direktor des Vienna Cancer Center

Moderation: Peter Schuster | zuletzt Vorstand des Instituts für Theoretische Chemie der Univer-sität Wien, Mitglied der ÖAW

Rückfragen bitte an

Gilead Sciences
DI Alexander Preuss
+43 (1) 26083 - 29
alexander.preuss@gilead.com
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