Medizin & Biotech

Die Forschungsgruppe um Daria Siekhaus © IST Austria/Reiner Riedler
Die Forschungsgruppe um Daria Siekhaus © IST Austria/Reiner Riedler

Partnermeldung

Neues Projekt zur Untersuchung der Rolle eines neuen Proteins in der Metastasierung

07.12.2017

Die Metastasierung, der Prozess, bei dem sich ein Tumor auf andere Teile des Körpers ausbreitet, ist für 90% der Todesfälle durch Tumore verantwortlich und stellt die größte Herausforderung für das Überleben eines Krebspatienten dar. Die metastatische Ausbreitung erfolgt in mehreren Schritten. In einem davon werden Tumorzellen mobil und können in Blutgefäße eindringen sowie aus ihnen heraustreten. Wie diese Schritte gesteuert werden, ist noch nicht vollständig geklärt, bietet jedoch Ansätze für Behandlungen. In einem neuen Projekt wird Daria Siekhaus, Professorin am Institute of Science and Technology Austria (IST Austria), mit ihrer Forschungsgruppe die Rolle eines neuen Proteins bei der Metastasierung untersuchen. Die ForscherInnen haben bereits zuvor ein Protein in der Fruchtfliege Drosophila identifiziert, das eine Rolle bei der Metastasierung spielen könnte. In Zusammenarbeit mit zwei Forschern der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften wollen sie nun seine Rolle in Mäusen und in menschlichem Gewebe entschlüsseln. Das Projekt wird von der NÖ Forschung und Bildungsges.m.b.H (NFB) gefördert.

Von Fliegen über Mäuse zum Patienten

In früheren Studien identifizierte die Forschungsgruppe um Daria Siekhaus ein Transporterprotein namens CG8602, das von Makrophagen benötigt wird, um während der embryonalen Entwicklung der Fruchtfliege in das Gewebe einzudringen. CG8602 scheint eine größere Menge an T-Antigen auf der Oberfläche der eindringenden Zelle hervorzurufen. Interessanterweise wurde ein solcher Anstieg von T-Antigenen auf der Zelloberfläche in metastatischen Krebszellen beobachtet, und Antikörper, die T-Antigene blockieren, können Metastasen reduzieren. Ein orthologes Gen, also ein Gen mit der gleichen Funktion, das sich aus dem gleichen Vorgängergen entwickelt hat, ist in Säugetieren vorhanden. Bisher wurde die Funktion dieses Ortholog, das MFSD1 genannt wird, jedoch noch nicht in Studien untersucht.

In ihrem von der NFB geförderten Projekt wollen die ForscherInnen nun untersuchen, welche Rolle MFSD1 bei der Initiierung der Metastasierung in Mäusen spielt. Fragen, die dabei beantwortet werden sollen, sind unter anderem: Ist MFSD1 an Veränderungen von Proteinen beteiligt, zum Bespiel in Hinblick auf ihre Glykosylierung oder ihre Stabilität? Und beeinflusst das die Metastasierung? Ein neuer Postdoc in der Forschungsgruppe um Daria Siekhaus wird helfen, das Wissen aus der Fruchtfliegenforschung auf das Mausmodell zu übertragen. Marko Roblek verfügt über umfassende Erfahrung in der Untersuchung von Krebsmetastasen bei Mäusen. Das NFB-geförderte Projekt wird in Zusammenarbeit mit Dr. Wiesholzer und Dr. Kitzwögerer von der Abteilung für Innere Medizin, KLU Universität St. Pölten durchgeführt. Durch diese Zusammenarbeit können die Forscher überprüfen, inwieweit Erkenntnisse aus dem Mausmodell für die Klinik relevant sind. Die Wissenschaftler werden chirurgisch entnommenes Tumorgewebe von Darmkrebspatienten analysieren. So werden sie bestimmen ob die Krankheitsprognose, also ob ein Patient Metastasen entwickelt, damit korreliert, wieviel und wo MFSD1 in den Tumorproben zu finden ist. Diese Forschung kann den Grundstein dafür legen, die grundlegende Biologie eines bisher nicht untersuchten Wirbeltiergens, das an der Regulierung von Invasion und Metastasierung beteiligt ist, zu klären. Auf lange Sicht könnte dies zur Entwicklung eines neuen therapeutischen Ansatzes oder eines diagnostischen Biomarkers für die Klinik führen.

Forschungsförderung durch die NFB

Das Projekt wird durch den Life Science Call 2016 der NÖ Forschung und Bildungsges.m.b.H (NFB) gefördert. Die Life Science Calls dienen der kompetitiven Finanzierung der Grundlagenforschung in den Biowissenschaften. Die Förderungen zielen darauf ab, die Forschungskompetenz in Niederösterreich sowie die Vernetzung zwischen niederösterreichischen Forschungseinrichtungen zu stärken.

Biographien der beteiligten ForscherInnen

Professor Daria Siekhaus ist Amerikanerin, promovierte in Biochemie an der Medizinischen Fakultät der Stanford University und kam 2012 an das IST Austria. Sie und ihre Gruppe versuchen, die Migration von Zellen zu verstehen, insbesondere, wie sie sich in der komplizierten Umgebung eines Organismus bewegen und Hindernisse auf ihrem Weg durchdringen. Daria Siekhaus erhielt 2016 eine Projektförderung des FWF und 2013 einen Marie Curie Career Integration Grant. Postdoc Marko Roblek ist heuer der Gruppe von Daria Siekhaus beigetreten. Er ist Slowene und kam an die Universität Wien, um seinen Master-Abschluss in Molekularbiologie in den Max F. Perutz Laboratories zu machen. Er promovierte auf dem Gebiet der Krebsbiologie an der Universität Zürich.

Dr. Martin Wiesholzer absolvierte die Medizinische Fakultät der Universität Wien. Er erhielt seine Ausbildung in Innerer Medizin, Hämatoonkologie und Nephrologie am Allgemeinen Krankenhaus Wien und am Universitätsklinikum St. Pölten. 2015 wurde er Leiter der Klinik I für Innere Medizin des Universitätsklinikums St. Pölten. Er unterrichtet an der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften.

Dr. Melitta Kitzwögerer, die 1989 ihr Medizinstudium an der Universität Wien abgeschlossen hat, arbeitet seit 1991 als Pathologin am Institut für Klinische Pathologie am Universitätsklinikum St. Pölten. Als Leiterin des Tumorboards beschäftigt sie sich mit neoplastischen Erkrankungen.

IST Austria

Das Institute of Science and Technology (IST Austria) in Klosterneuburg ist ein Forschungsinstitut mit eigenem Promotionsrecht. Das 2009 eröffnete Institut widmet sich der Grundlagenforschung in den Naturwissenschaften, Mathematik und Computerwissenschaften. Das Institut beschäftigt ProfessorInnen nach einem Tenure-Track-Modell und Post-DoktorandInnen sowie PhD StudentInnen in einer internationalen Graduate School. Neben dem Bekenntnis zum Prinzip der Grundlagenforschung, die rein durch wissenschaftliche Neugier getrieben wird, hält das Institut die Rechte an allen resultierenden Entdeckungen und fördert deren Verwertung. Der erste Präsident ist Thomas Henzinger, ein renommierter Computerwissenschaftler und vormals Professor an der University of California in Berkeley, USA, und der EPFL in Lausanne, Schweiz. www.ist.ac.at

Rückfragen:

Dr. Elisabeth Guggenberger
Media Relations Manager
Institute of Science and Technology Austria (IST Austria)
Phone: +43 (0)2243 9000 1199
Mobile: +43 (0)664 88326170
Am Campus 1, 3400 Klosterneuburg
Email: Elisabeth.guggenberger@ist.ac.at
Web: http://www.ist.ac.at/
Weitere Meldungen aus Medizin & Biotech
APA
Partnermeldung