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Teure Medikamente: Europäisches ExpertInnengremium empfiehlt neue Steuerungsinstrumente zur nachhaltigen Finanzierbarkeit

15.02.2018

Das Expert Panel für effektive Investitionen in der Gesundheitsversorgung, das die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedsstaaten in Fragen der Erhaltung und nachhaltigen Finanzierbarkeit öffentlicher Gesundheitssysteme berät, veröffentlichte aktuell einen Bericht über neuartige Steuerungsmodelle für hochpreisige, innovative Medikamente.

Der ExpertInnen-Bericht empfiehlt die Erprobung und Evaluierung einiger neuer gesundheitspolitischer Steuerungsinstrumente und definiert dafür acht Prinzipien, die mittelfristig zu besseren (innovativeren) Medikamenten, die einen größeren Nutzen für PatientInnen aufweisen, zu sozial verträglicheren Preisen führen sollen.

1. Die Offenlegung der tatsächlichen Entwicklungskosten von Medikamenten

2. Unterschiedliche Anreize für echte Innovation (z.B. veränderter Patentschutz)

3. Verbesserte Methoden zur Bewertung des gesellschaftlichen Nutzens von Medikamenten

4. Gemeinsame Politik(en) zur Stärkung der Position in Preisverhandlungen

5. Belohnung für höheren Zusatznutzen und bedarfsorientierte Innovation von Medikamenten

6. Kostenerstattung von Sozialversicherungsträgern für Behandlung und Ergebnis statt nur für Medikamente

7. Die Erprobung und Evaluierung neuartiger Refundierungsinstrumente

8. Die Gründung von gemeinsamen Plattformen zur Diskursmöglichkeit aller Beteiligten

Zudem wird im Bericht die Rolle von Forschung und Entwicklung im Pharmabereich neu gedacht und die Funktion des Patentschutzes in seiner jetzigen Form - viele neue Medikamente mit geringem Nutzen - hinterfragt.

Der Bericht verfolgt das Ziel, politischen EntscheidungsträgerInnen Handlungsempfehlungen zur Lösung vorhandener Probleme bei der Finanzierbarkeit von Gesundheitssystemen zu liefern. Dazu wurden die vorhandenen Strategien im Umgang mit hochpreisigen Medikamenten gesammelt und neue Maßnahmen zur besseren Steuerbarkeit der Medikamentenentwicklung angedacht. Durch die Erkenntnis, dass die derzeitigen Preissteigerungen bei neuen, innovativen Medikamenten langfristig nicht finanzierbar sind, stehen drei Dinge im Fokus der ExpertInnen: Die Produktion brauchbarer Innovation, die Sicherung des Zugangs von PatientInnen zu diesen innovativen Medikamenten und die nachhaltige Finanzierbarkeit von öffentlichen Gesundheitssystemen.

"Ein besonderer Diskussionspunkt beim Hearing anlässlich der Präsentation des Berichts in Brüssel war die Rolle der europäischen Zulassungsbehörde für Medikamente (EMA)", berichtet Claudia Wild, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Health Technolgy Assessment und Mitglied des Expert Panels. "Es könnten höhere Anforderungen an neue Medikamente bei der Zulassung durch die EMA gestellt werden. Ebenso sind striktere Kontrollen bis hin zum Lizenzentzug vorstellbar, wenn Medikamente die bei der Zulassung in sie gesetzten Erwartungen in der Praxis nicht erfüllen können", so Wild.

EU-weit sind staatliche Gesundheitssysteme mit steigenden Kosten für Medikamente konfrontiert. Während die Hersteller die hohen Preise mit Forschungsausgaben zur Produktion innovativer Arzneimittel rechtfertigen, zeigt sich bei der Medikamentenbewertung oft das Gegenteil: nur die wenigsten neuen Wirkstoffe stellen eine wirkliche Innovation dar, während die meisten Medikamente kaum einen Mehrwert für PatientInnen im Vergleich mit vorhandenen, alternativen Therapien aufweisen. Der Zusatznutzen erweist sich somit häufig als sehr gering, während die Kosten explodieren.

Bericht "Innovative payment models for high-cost innovative medicines": [https://ec.europa.eu/health/expert_panel/home_en] (https://ec.europa.eu/health/expert_panel/home_en)

Health Technology Assessment

Health Technology Assessment (HTA) ist die unabhängige Nutzenbewertung medizinischer Interventionen zur Entscheidungsunterstützung für den optimalen Einsatz von Budgetmitteln im Gesundheitswesen. Dabei geht es um den Einsatz von Arzneimitteln, Behandlungsmethoden und diagnostischen Geräten und die Übernahme von Innovation in den Leistungskatalog von Krankenversicherungen. An der Medizinischen Universität Wien ist HTA seit 2013 Teil des Regelstudiums.

Ludwig Boltzmann Institut Health Technology Assessment

Das Ludwig Boltzmann Institut Health Technology Assessment mit Sitz in Wien ist ein Forschungsinstitut, das sich systematisch mit HTA beschäftigt. Es bietet mit seinen Forschungsberichten Entscheidungsunterstützung im Gesundheitswesen für einen effizienten und angemessenen Ressourceneinsatz. Interdisziplinarität und internationale Vernetzung garantieren einen aktuellen Wissensstand, der von der nötigen Transparenz in der Methodik begleitet wird. Die 17 Beschäftigten kommen aus Medizin, Biologie, Public Health, Sozialmedizin, Gesundheitsökonomie, Gesundheitsmanagement, Psychologie, Psychotherapie, Ernährungswissenschaft, Medizintechnik und Sozialwissenschaft.

(http://www.hta.lbg.ac.at)

Rückfragehinweis:
   Priv.-Doz. Dr. Claudia Wild
   Institutsleiterin
   Ludwig Boltzmann Institut Health Technology Assessment
   Garnisongasse 7/20, 1090 Wien
   Tel. 01 236 81 19-12 
   claudia.wild@hta.lbg.ac.at
   www.hta.lbg.ac.at 

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/1661/aom

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