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Zahl der komplexen Darmtransplantationen nimmt ab

17.03.2017

Einer der komplexesten Eingriffe der Transplantationschirurgie, die Darmtransplantation, wurde in den vergangenen Jahren international immer seltener. Der Grund dafür dürfte in besseren Behandlungsmöglichkeiten der Grunderkrankungen liegen, die zu solchen Operationen führen, hieß es beim diesjährigen Transplant Forum Symposium der MedUni Wien.

"Zwischen 1964 und 2015 wurden weltweit insgesamt 3.067 Darmtransplantationen durchgeführt. Das sind rund 0,5 Prozent aller Organtransplantationen", sagte Jacques Pirenne von der Universitätsklinik (Belgien). Insgesamt sind im entsprechenden internationalen Register rund 80 Zentren angeführt, an denen solche Operationen erfolgten. Aktiv sind aber auf diesem Gebiet derzeit nur um die 30.

Wie der Experte zeigte, gab es 2007 einen Höhepunkt bei den Dickdarmtransplantationen mit rund 250 Eingriffen. 2013 waren es dann nur noch etwa 80 - bei bis dahin fallender Tendenz. Die häufigste Ursache für diese komplexen Eingriffe ist ein zu kurzer Darm samt ständiger Notwendigkeit einer Ernährung des Betroffene per Infusion (parenterale Ernährung). Ehemals waren das oft Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn). Doch gerade auf diesem Gebiet haben sich die medikamentösen Therapien zur Beherrschung der chronischen Entzündungen mit Biotech-Arzneimitteln deutlich verbessert.

Die besten Ergebnisse werden offenbar bei einer Kombination der Darmtransplantation mit einer Übertragung der Leber des Spenders erzielt. In Leuven wurde ein Protokoll entwickelt, mit dem es mittlerweile recht gut gelingt, eine Art Toleranz des Empfängers für die Spenderorgane zu fördern. An solchen Strategien arbeiten Wissenschaftergruppen weltweit. Bei dem Modell aus Leuven wird zum Beispiel auf hohe Dosen Cortison und an Immunsuppressiva (Calcineurininhibitoren) verzichtet. Gleichzeitig wird durch die Gabe von monoklonalen Antikörpern (Infliximab) versucht, eine Entzündungsreaktion möglichst zu vermeiden. Hingegen soll die Aktivierung von regulatorischen Immunzellen, welche eine Abwehrreaktion hemmen, gefördert werden.

Vor immer schwierigeren Fragen stehen die Transplantationschirurgen in den USA bei Lebend-Nierenspenden. Oft wollen Personen ihrem Partner oder einem Verwandten eine Niere spenden, auch wenn sie bereits ein höheres Alter erreicht haben und selbst nicht mehr gesund sind. Das können Adipöse genauso sein wie Diabetiker, die ein deutlich höheres Risiko für die Entwicklung eines Nierenversagens haben. Durch Big Data-Analyse zunächst nicht verknüpfter Informationen haben Dorry Segev und seine Co-Autoren (Johns Hopkins University/Baltimore) herausgefunden, dass dieses Risiko Männer fast doppelt so stark trifft wie Frauen. Amerikaner afroamerikanischer Herkunft haben gar das dreifache Risiko für ein Nierenversagen im späteren Leben, was eine Nierenspende problematisch machen kann. Laut dem Experten zeigt eine umfassende Risikoabschätzung, dass ältere Lebend-Nierenspender wohl weniger Risiko auf sich nehmen, weil die chronische Nephropathie sich zumeist über Jahre hinweg und langsam entwickelt. Anhaltend profitieren von den Transplantationen jedenfalls die Organempfänger.

Neue Initiative gestartet

Vor dem Symposium erfolgte ein Kick-Off-Meeting der sogenannten Polymorph-Initiative von Wissenschaftern der MedUni Wien, des Forschungszentrums für Molekulare Medizin (CeMM) und des Austrian Institute of Technology (AIT). Es geht dabei um neue Strategien zur Verlängerung des Funktionierens von Spendernieren. Während bei solchen Transplantation die akute Abstoßungsreaktion nach der Operation kaum mehr Probleme bereitet, schädigt eine unterschwellige chronische Abstoßung langfristig das Organ. Die zur Immunsuppression eingesetzten Medikamenten sind zum Teil selbst ebenfalls nierenschädigend.

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