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Diskutiert wurden medizinische Innovation an der Schnittstelle zwischen Technik, Gesellschaft und Mensch © Martin Lachmair
Diskutiert wurden medizinische Innovation an der Schnittstelle zwischen Technik, Gesellschaft und Mensch © Martin Lachmair

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"Healthcare Evolution - Therapien der Zukunft"

08.11.2017

Was hat die Entwicklung von Medikamenten mit Cyborgs, künstlicher Intelligenz und Big Data zu tun? Begriffe, die uns aus Sciencefiction-Filmen bekannt sind, haben längst den Realitätscheck bestanden. Neueste Arzneimittel-Innovationen lassen uns neugierig und hoffnungsvoll in eine Zukunft blicken, in der noch viel mehr möglich sein könnte: mehr Heilung, mehr Gesundheit und mehr Lebensqualität. Die Forschung an diesem neuen Horizont der Wissenschaft ist ein Hochrisikobusiness, für das neueste Technologie nicht ausreicht. Erfolgreich wird sie nur sein, wenn sie auch soziale Aspekte berücksichtigt: Patientenbedürfnisse erkennt, Kooperationsbereitschaft lebt und verantwortungsvoll agiert.

Am 12. Oktober 2017 fand in der Residenz des Botschafters der Vereinigten Staaten von Amerika eine hochkarätig besetze Podiumsdiskussion unter dem Titel "Healthcare Evolution - Therapien der Zukunft" statt. Das globale biopharmazeutische Unternehmen Celgene und die amerikanische Botschaft luden Experten, Entscheider und Querdenker ein, um zukünftige Entwicklungen der Arzneimittelforschung auf vielfältigste Weise zu beleuchten. Wohin entwickelt sich die Medizin? Wird es die Medikamente, die wir heute kennen, in der Zukunft noch geben? Welche Bedeutung und welche Auswirkungen haben medizinische Innovationen auf unser Gesundheitssystem? Wie werden neue Technologien die Arzt-Patienten-Beziehung verändern?

Kunst, Know How und Kommunikation

Drei Impulsvorträge stellten die Breite des Themengebiets anschaulich durch drei völlig unterschiedliche Referenten dar. Ein Künstler, der seinen eigenen Körper mit Cybertechnologie verändert, um zusätzliche Möglichkeiten der Wahrnehmung zu entdecken, sprach davon, was heute schon möglich ist und in Zukunft Alltag werden könnte. Ein Wissenschaftler der Arzneimittelinnovationen entwickelt, vermittelte anschaulich, wie viel Zukunft bereits Gegenwart ist und was es erfordert, um heute für uns alle ein gesünderes Morgen zu schaffen. Ein Arzt und Kommunikationsexperte führte ganz klar vor Augen, was trotz allen technischen Fortschritts bleiben wird: das Bedürfnis des einzelnen Patienten nach Empathie und Austausch.

Cyborgs - Die Zukunft der menschlichen Spezies?

Der Brite Neil Harbisson hat eine Antenne am Kopf, die es ihm erlaubt, Farben zu hören und als Vibration zu spüren, auch im nicht sichtbaren Infrarot- und Ultraviolettbereich. Er gilt als erster anerkannter Cyborg und erläuterte als erster Referent in seiner Präsentation seine individuellen Wahrnehmungen und seine futuristische Sicht auf den menschlichen Körper. Er geht davon aus, dass es in Zukunft immer mehr Cyborgs geben wird, da sich die technischen Möglichkeiten laufend erweitern. Auch wenn er seine eigene Modifikation nicht als medizinische Anwendung gegen seine Farbenblindheit sondern als künstlerische Intervention versteht, sieht er auch medizinische und vor allem präventive Optionen in neuen, mit dem Menschen verschmelzbaren Sensortechniken. Ein Beispiel war die Fähigkeit, ultraviolette Strahlung wahrzunehmen: die Gefahren der Sonne für den Körper würden bewusst erlebt und demnach Sonnenschutz vermehrt angewendet.

Vorausschauend im Hochrisikobusiness

Michael Zajac, Vizepräsident von Celgene Europa und Medizinischer Direktor für die Bereiche Hämatologie und Onkologie bei Celgene, stimmte seinem Vorredner zu, dass Sensortechnik, die medizinische Daten erhebt, um Krankheiten vorzubeugen, die Präventivmedizin verändern wird. Als Beispiel brachte er aktuelle Forschungen über im Auge implantierte Blutzuckersensoren.

Zajac präsentierte anhand der Forschungspipeline von Celgene, wie zukunftsgerichtete Forschung im Arzneimittelbereich abläuft. Über die letzten 100 Jahre haben Medizin und die pharmazeutische Industrie die Lebenserwartung deutlich verändert. Vielen Patienten kann heute schon geholfen werden. Zum Beispiel konnte in den letzten Jahren die Lebenserwartung beim Multiplen Myelom verdoppelt bis verdreifacht werden.

Die Entwicklung von Medikamenten wird durch neueste Technologien immer schneller - auch im Bereich Big Data und Augmented Intelligence: Um die grundsätzliche Wirksamkeit eines Moleküls auf eine bestimmte Erkrankung auf zellularer Ebene auszutesten, stehen nun automatisierte Zellreihen zur Verfügung. Dadurch kann der erste Schritt der Entwicklung eines Medikaments beschleunigt werden. Dennoch braucht es Zeit (durchschnittlich zehn Jahre) und sehr viel Manpower, um ein Medikament vom Reagenzglas zum Patienten zu bringen. Dafür sei es notwendig, alle technischen Chancen zu nützen. Das mache die Forschungsarbeit spannend aber auch riskant, da jede Investition in eine Zukunftstechnologie auch in einer Sackgasse statt in einem funktionierenden Medikament enden kann.

Ab der Marktreife eines Arzneimittels besteht der Patentschutz für ein Medikament noch rund zehn bis zwölf Jahre. Den Patienten steht das Medikament aber weiter zu Verfügung. Zajac erklärt: "Im Grunde werden wir als forschendes Pharmaunternehmen nicht dafür bezahlt, was Sie heute als Medikamente erhalten, sondern dafür, was Sie in zehn Jahren erhalten wollen."

Medikamente werden immer individueller

Zajac schließt mit einem weiteren Blick in die Zukunft: "Es gibt ungefähr 7.000 seltene Erkrankungen. Für 400 davon haben wir bereits Medikamente. Durch Genom- und Proteomdiagnostik werden viele dieser Erkrankungen noch zusätzlich aufgesplittet und jeweils zu unterschiedlichen noch selteneren Erkrankungen werden, die jeweils eines individuellen Behandlungsansatzes bedürfen."

Als anschauliches Beispiel dienten die sogenannten CAR-T-Zellen: Menschliche Zellen, die mit einem Virus modifiziert werden, um ein Rezeptor-Gen in eine Zelle zu bringen, um mit diesen Zellen Krebszellen zu binden und zu zerstören. Diese Technik funktioniere bei den ersten Patienten sehr gut. Das Problem ist, dass diese Behandlungsform für jeden einzelnen Patienten ein individuelles Medikament darstellt, da es jeweils um seine eigenen Zellen geht. Somit müsste für jeden weiteren Patienten, der gesamte Prozess der Arzneimittelqualitätssicherung mit tausend Seiten Dokumentation durchlaufen werden. Noch nicht geklärt ist, wie das für viele Menschen finanziert werden kann. Solche Themen können nur von allen Stakeholdern des Gesundheitswesens gemeinsam in Kooperation geklärt werden.

Trotz aller Technik zählt der Mensch

Dr. Roman F. Szeliga, Arzt, Mitbegründer der CliniClowns und Kommunikationsexperte als dritter Impulsgeber mahnte: "Die faszinierenden Methoden moderner Medizin eröffnen spannende Therapieoptionen und damit neue Perspektiven für erkrankte Menschen. Forschung und bahnbrechende Innovationen, erfordern aber auch umso mehr persönliche, verständliche, menschliche Kommunikation, Nähe und Empathie, um alle Beteiligten nachhaltig und wertschätzend in diese Behandlungsstrategien zu involvieren. Genau das darf in unserer digitalen Welt nicht auf der Strecke bleiben, denn es geht nie um Laborparameter, sondern immer um Menschen, für die wir all das tun!"

Reger Austausch am Podium und im Publikum

In der anschließenden Podiumsdiskussion stellten unterschiedliche Stakeholder aus dem Gesundheitswesen Ihre Sicht auf die Zukunft der Medizin dar. Das Ziel war, konstruktiv darüber zu diskutieren, wie sich unterschiedliche Gruppen im Gesundheitssystem vorbereiten müssen, damit vor lauter Innovation und neuester Technik nicht der Mensch auf der Strecke bleibt.

Der Leiter des Wilhelminenkrebsforschungsinstituts, Univ.-Prof. Dr. Heinz Ludwig, wies auf einen zukünftig möglichen Zusammenhang zwischen Technik und Menschlichkeit hin: "Artificial Intelligence ist dabei, unser medizinisches Angebot zu revolutionieren. Artificial Intelligence wird dem Arzt Diagnose- und Therapie-Algorithmen in einer Qualität vorschlagen, die von Menschen nicht erreicht werden kann. Dem Arzt verbleibt somit mehr Zeit, seiner ursprünglichen Aufgabe als emphatischer Berater und Unterstützer sich ihm anvertrauender Patienten nachzukommen."

Der Wiener Gastroenterologe und Hepathologe Univ.-Prof. Dr. Walter Reinisch erläuterte: "Es wird zu den wesentlichen Herausforderungen der rapiden Entwicklung von Therapien zählen, die hochspezifischen und zunehmend individuell angepassten diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen gut zu implementieren. Einerseits sollten sich die Patienten umfassend informiert fühlen. Andererseits müssen ÄrztInnen jenes vertiefte mechanistische Verstehen aufbringen, mit dem sie die jeweiligen Konsequenzen dieser komplexen Behandlungen umfassend überblicken können. Die Gesundheitspolitik wird verstehen müssen, dass zunehmende Spezialisierungen notwendig sind und Indikationen für Therapien in Form von E-Health basierten Expertenboards gestellt werden.

Abschließend fasste Dr. Monika Beck, die Geschäftsführerin von Celgene Österreich, den Abend zusammen: "Wir sehen viele neue technologischen Möglichkeiten auf uns zu kommen. Dies konstruktiv für die Menschen zu nutzen ist unser Auftrag als forschendes Pharmaunternehmen. Das wird uns nur gelingen, wenn wir heute schon genau auf die Bedürfnisse der Patienten achten, um ihnen morgen das Arzneimittel bieten zu können, das ihnen mehr Heilung, mehr Gesundheit und mehr Lebensqualität bringen kann."

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