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Wahrnehmung von Umweltreizen kann schnell geändert werden © APA (AFP)
Wahrnehmung von Umweltreizen kann schnell geändert werden © APA (AFP)

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Forscher kehren Schmerz-Lust-Wahrnehmung bei Mäusen um

02.08.2018

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 25/2018 und nicht zwingend tagesaktuell

Lust und Frust werden von der selben Hormon-Andockstelle im Gehirn verarbeitet, fand der österreichische Psychologe Michael Fritz bei Mäusen heraus. Ohne sie nehmen die Tiere Fieber, Schmerz und Übelkeit als gut wahr. Mit Wirkstoffen, die jene Andockstelle blockieren, könnte man chronisch Kranke vom Unwohlsein befreien. Die Studie erschien im Fachblatt "The Journal of Clinical Investigation".

Fritz, der an der Universität Linköping in Schweden arbeitet und derzeit als Gastlektor an der Stanford University in den USA weilt, hat mit Kollegen bei Mäusen durch einen Eingriff ins Erbgut unterbunden, dass der "Melanocortin-4-Rezeptor" (MC4R) gebildet wird. Derart behandelte Tiere mieden im Gegensatz zu ihren "normalen" Artgenossen nicht eine Kammer, in denen ihnen die Forscher diverse Dinge injizierten: Bakterielle Stoffe, die Fieber verursachten, eine Übelkeit auslösende Salzlösung und Substanzen, die ihren Stimmungshaushalt negativ beeinflussen. Im Gegenteil: Die Mäuse ohne diese Hormon-Andockstelle waren sogar öfter dort zu finden als in einer anderen Kammer, wo ihnen nichts geschah.

Kick durch Übelkeit

Dasselbe passierte nach nasaler Verabreichung eines Wirkstoffes, der MC4R blockiert. Solcherart behandelten Tieren war sogar der Schmerz ziemlich egal, wenn sie auf heißen Boden traten. Die Forscher fanden heraus, dass Schmerzen, Übelkeit und Fieber bei diesen Tieren nicht wie bei normalen Mäusen zu einem ein Abfallen der Menge des "Glückshormons" Dopamin führen, sondern dieses in einer bestimmten Gehirnregion (Nucleus arcuatus) sogar mehr wurde. "Dadurch nehmen die Tiere Dinge wie Übelkeit, Infektionen oder inneren Stress als positiv wahr", erklärte Fritz der APA.

"Das Gehirn hat also eine Nervenverbindung entwickelt, in der sowohl positive wie negative Wahrnehmung unter der Kontrolle eines einzelnen Rezeptortyps verarbeitet werden", so der gebürtige Tiroler, der an der Universität Innsbruck ausgebildet wurde. Möglicherweise sei dies in der Evolution wichtig gewesen, um bei Bedarf schnell die Wahrnehmung bestimmter Umweltreize zu ändern. Die Entdeckung habe aber auch klinische Relevanz. Bei Patienten mit chronischen entzündlichen Erkrankungen sei der Leidensdruck durch Unwohlsein sehr groß, führe zu Motivationsverlust und erhöhe das Risiko, dass sich Depressionen als Begleiterscheinung dazugesellen. Möglicherweise könnte man dies in Zukunft einmal mit einem einfachen Nasenspray, der Melanocortin-4-Rezeptor-Blocker enthält, lindern.

Service: http://dx.doi.org/10.1172/JCI97854

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