Medizin & Biotech

APA

Feinere Diagnose beim Prostatakarzinom

08.11.2018

Rund 4.900 Männer in Österreich erhalten jährlich die Diagnose eines Prostatakarzinoms. Etwa 1.150 Betroffene sterben daran. Genauere Diagnoseverfahren sollen helfen, weitgehend ungefährliche Erkrankungen von hoch aggressiven Karzinomen zu unterscheiden, hieß es kürzlich bei einer Pressekonferenz in Wien.

Die Fortschritte in der Krebsmedizin werden regelmäßig durch die Umsetzung zum Teil diesen lange voraus gegangenen Ergebnissen zunächst theoretischer Studien erzielt. "Ohne Grundlagenforschung hätten wir heute keine Krebsmedikamente, außer vielleicht die Chemotherapie", sagte Maria Sibilia, Leiterin des Instituts für Krebsforschung der MedUni Wien.

In Sachen Prostatakarzinom arbeiten in Wien beispielsweise die Universitätsklinik für Urologie (AKH/MedUni Wien) und das Ludwig Boltzmann Institut für angewandte Diagnostika zusammen, um neue Verfahren für die Identifizierung und Charakterisierung dieser Tumore zu entwickeln. Ähnliches gilt für die Therapie und die Überwachung des Behandlungserfolges.

"Dual-Tracer"-Methode

Institutsleiter Markus Mitterhauser nannte dazu beispielsweise die "Dual-Tracer"-Methode. Dabei werden Magnetresonanztomografie und Positronen-Emissionstomografie kombiniert. Die Untersuchten erhalten radioaktiv markiertes Fluorcholin sowie ebenso kurzzeitig strahlendes prostata-spezifisches Membran-Protein (68 Gallium-PSMA). Während die Magnetresonanz die Strukturen der Prostata genau abbildet, bringen die vom Karzinom spezifisch eingelagerten "Tracer" das Tumorgewebe zum Leuchten.

Der Vorstand der Universitätsklinik für Urologie in Wien, Sharokh Shariat, verwies auf die besonderen Vorteile des Verfahrens: In der Diagnostik lässt die Methode eine exakt gezielte Biopsie der Prostata zu. Zweitens kann damit besser zwischen hoch aggressiven Tumoren und kaum gefährlichen differenziert werden. "Wir wenden dieses Verfahren aber auch bei Hochrisiko-Patienten an. Wir sehen damit Mikrometastasen, die wir sonst nicht erkennen. In 60 Prozent der Fälle führen diese Untersuchungsergebnisse zu einer Veränderung in der gewählten Therapie", sagte Shariat. Auch der Therapieverlauf lässt sich auf diese Weise kontrollieren.

Die Entwicklung geht weiter. Ersetzt man das an PSMA gekoppelte Gallium-Isotop durch den Beta-Strahler Lutetium wird aus dem "Tracer" ein zielgerichtetes nuklearmedizinisches Medikament, das durch die längerfristige Strahlung auf lokaler Ebene im Tumor die Zellen zerstört, führte Mitterhauser aus. Gearbeitet wird aber auch besseren Verfahren der Liquid Biopsy, mit der in Blutproben nach Tumor-DNA bzw. -RNA gefahndet werden kann. Diese Methode eignet sich ebenfalls speziell für die Kontrolle der Wirksamkeit einer Krebstherapie. Derzeit findet der Aktionsmonat "Movember" (https://at.movember.com) statt. Die aus Australien stammende Initiative propagiert Anliegen der Männergesundheit.

STICHWÖRTER
Medizin  | Wien  | Wissenschaft  | Forschung  |
Weitere Meldungen aus Medizin & Biotech
APA
Partnermeldung