Natur & Technik

Die Przewalski Pferde stellten ihre Ernährung auf Gras um © Martina Burnik Sturm/Vetmeduni
Die Przewalski Pferde stellten ihre Ernährung auf Gras um © Martina Burnik Sturm/Vetmeduni

APA

Einfluss des Menschen änderte Ernährung der Przewalski-Pferde

27.07.2017

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 27/2017 und nicht zwingend tagesaktuell

Bis zur Ausrottung in freier Wildbahn vor rund 50 Jahren noch gejagt, wird das Przewalski-Pferd in seiner Heimat, der Wüste Gobi, mittlerweile verehrt. Diese Einstellungsänderung des Menschen ist der Grund dafür, warum sich die Tiere vor 100 Jahren noch anders ernährten als heute, fanden Wiener Forscher mittels Haaranalysen heraus. Die Studie wurde im Fachblatt "Scientific Reports" veröffentlicht.

Das Przewalski-Pferd ist das einzige heute noch lebende Wildpferd. 1969 galten die Tiere in freier Wildbahn als ausgestorben. In Gefangenschaft gehaltene Exemplare wurden jedoch weitergezüchtet und die Tiere 1992 in der Wüste Gobi wieder ausgewildert. Wissenschafter der Veterinärmedizinischen Universität Wien stellten nun mittels chemischer Analysen der Schweifhaare fest, dass die Tiere vor ihrer Ausrottung nicht nur Gras fraßen, so wie sie es heute tun, sondern sich in den Wintermonaten von Sträuchern und Büschen ernährten. Die Proben von früher lebenden Tieren stammten von Zoologischen Museen in St. Petersburg und Moskau.

Die Forscher führen den veränderten Ernährungsstil auf den Menschen zurück: "Früher wurden Przewalski-Pferde vom Menschen wenig wertgeschätzt beziehungsweise als Nahrungsquelle gejagt. Die nahrhaften Weiden waren den Hausschafen und Rindern vorbehalten", erklärte Martina Burnik Sturm vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni in einer Aussendung. Speziell im Winter war der Zugang zu Weideflächen schwierig für die Wildpferde, die sich deshalb alternative Futterquellen wie Sträucher und Büsche suchen mussten.

Inzwischen "heilige Tiere"

Die Nahrungsgrundlagen für die Pferde sind seit über hundert Jahren gleich geblieben, verändert hat sich aber die Stellung des Pferdes in der Gesellschaft. Mittlerweile gehören die Przewalski-Pferde zu den geschützten Tierarten und werden in der Gobi als "heilige Tiere" verehrt. "Sie können sich mittlerweile das ganze Jahr über von Gras ernähren, weil der Mensch es zulässt", so Vetmed-Forscherin Petra Kaczensky.

Der ebenfalls in der Gobi ansässige Asiatische Wildesel dagegen wird weniger wertgeschätzt und daher gejagt bzw. von nahrhaften Weiden vertrieben. Die Esel ernähren sich, so wie früher die Przewalski-Pferde, im Sommer von Gras und im Winter von Büschen und Sträuchern.

Service: www.nature.com/articles/s41598-017-05329-6

STICHWÖRTER
Biologie  | Tiere  | Wien  | Wissenschaft  | Naturwissenschaften  | Human Interest  |
Weitere Meldungen aus Natur & Technik
APA
Partnermeldung