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Keine Patentlösung, aber vielversprechende Modelle © Verlag Brandstätter
Keine Patentlösung, aber vielversprechende Modelle © Verlag Brandstätter

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"Schwarzbuch Alpen": Alternativen für sensiblen Lebensraum

02.10.2017

Die Alpen scheinen durch Klimawandel, Massentourismus und teilweise auch Landflucht an einem Scheideweg angekommen, meint Umweltschützer, Fotograf und nicht zuletzt Autor Matthias Schickhofer in seinem neuesten Buch "Schwarzbuch Alpen". Darin beschreibt er nicht nur die aktuellen Probleme, sondern zeigt auch auf, wie es seiner Ansicht nach besser laufen könnte.

"Um fit für die Zukunft zu sein, müssen die Weichen in Richtung Nachhaltigkeit jetzt gestellt werden. Noch mehr Lifte und Stauseen sind der falsche Weg", betont der frühere Greenpeace-Aktivist. Das Kapital der Zukunft werde die intakte alpine Landschaft sein und nicht noch mehr "verkabelte Pisten-Hänge oder neue Staumauern".

Keine Patentlösung, aber Vorzeigemodelle

Es gebe keine Patentlösung. Aber vielversprechende Modelle für einen besseren Umgang mit unseren Bergen und für ein gutes Leben in dieser einzigartigen Region. Im seinem neuen Buch, das mit seinen Kindheitserinnerungen beginnt, stellt der Autor solche Ansätze vor. Gemeinsam ist diesen Projekten, dass sie auf den vorhandenen, lokalen Stärken und Besonderheiten aufbauen, "aufgesetzte Lösungen" ablehnen und auf schonende, naturnahe Ganzjahrestourismus-Konzepte setzen.

Diese kommen ohne "Umbau" der Landschaft aus, Diversifizierung ist angesagt. Dabei bleiben auch die Kosten gering, um eine dauerhafte gesicherte wirtschaftliche Basis zu schaffen. "Massenspektakel und Vergnügungsparks vertragen sich auch nicht mit Individualität, Natursehnsucht und Erholung", betont Schickhofer.

Besonderes Augenmerk legt das Buch auf den Klimawandel, der die Alpen stark verändern werde: Gletscher- und Permafrostschmelze destabilisieren die Hänge. Die Alpenflüsse werden im Sommer weniger Wasser führen. Extremwetterereignisse wie Starkregen und Intensivschneefall, Dürren oder Stürme werden zunehmen. Die Schneebedeckung wird zurückgehen und unzuverlässiger werden, was das Skifahren in tieferen Lagen in vielen Regionen wirtschaftlich immer mehr verunmöglichen wird. "Hier braucht es rasch eine Abkehr von der Pistenfixierung."

Klimawandel bringt Revival der "Sommerfrische"

Ebenso würden die Alpenwälder zunehmend unter Druck kommen. Besonders die gleichförmigen Fichten-Bestände werden unter Trockenheit, Stürmen und Borkenkäfer-Ausbreitung leiden. In Kombination mit Verbissschäden durch die hohen Schalenwildbestände bedeute das große Probleme für die alpinen Schutzwälder. Schickhofer, Experte für die letzten europäischen "Urwälder", plädiert daher für eine naturnähere Waldbewirtschaftung, Bewahrung der Naturwälder und eine Reduktion des Schalenwildes.

Zugleich tue sich auch eine Chance auf: Die Klimawandel-bedingte Hitze könnte viele populäre internationale Urlaubsdestinationen unattraktiv machen. "Sommerfrische" in den Alpen würde daher wohl eine neue Bedeutung bekommen. Die Kühle der Berge, die Natur und die Seen werden die Beliebtheit der Alpen potenziell steigern. "Dazu müssen die Natur- und Kulturlandschaften der Alpen aber möglichst unversehrt erhalten werden und dürfen nicht unter Planierraupen und Stauseen verschwinden."

Service: Matthias Schickhofer: "Schwarzbuch Alpen", Brandstätter Verlag, 200 Seiten, 22,90 Euro

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