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Irokesischer Stamm kam später als gedacht in Kontakt mit Europäern

05.12.2018

Als Europäer in die Gebiete der zur irokesischen Sprachfamilie gehörenden Huronen (Wyandot) im heutigen Kanada eindrangen, kämpften, tauschten und alliierten sich die Ansässigen und Ankömmlinge. Dies passierte fast ein Jahrhundert später als bisher geglaubt, dann aber dafür umso rasanter und heftiger, berichtet ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachjournal "Science Advances".

Die Forscher um Sturt Manning von der Cornell University (USA) datierten pflanzliche Überreste von zwei Siedlungs-Fundstellen der nördlich des Ontariosees siedelnden Huronen, die sich selbst Wyandot (Inselbewohner) nannten. Sie verwendeten dazu die Radiocarbonmethode und analysierten die Jahresringe der Bäume (Dendrochronologie). Zu dem Team gehörten auch Eva Maria Wild und Peter Steier von der Abteilung für Isotopenforschung der Universität Wien.

Zunächst nahmen sie sich eine einstige Siedlung vor, die vom französischen Forschungsreisenden und "Kolonisator" Samuel de Champlain verbrieftermaßen in den Jahren 1615 und 1616 aufgesucht worden war. Sie datierten die Kontaktzeit der dort beheimateten Huronen mit den Europäern an dieser "Warminster"-Fundstätte auf die Jahre 1585 bis 1624. "Dies passt gut mit dem Timing von Champlains Besuch sowie archäologischen Befunden zusammen und bestätigt die Genauigkeit der Technik", erklären die Forscher in einer Aussendung der Uni Cornell.

Rapide Transformationen in Kontakt-Ära

Als nächstes datierten sie Relikte aus der Fundstätte "Mantle". Dort war eine von drei archäologisch sehr gut untersuchten Siedlungen, die wohl von einer Wyandot-Gemeinschaft der Reihe nach bewohnt wurden, bis sich nach zehn bis fünfzig Jahren jeweils die lokalen Ressourcen erschöpften. Bisher hat man den Kontakt von Neuankömmlingen und Ansässigen dort anhand von aus Europa stammenden Fundstücken wie Glasperlen und Metallgegenständen auf 1500 bis 1550 geschätzt. Dies beruhte aber auf der Annahme, dass die Europäer solche Dinge quasi gleichförmig über die Neue Welt verteilten. Außerdem zeigten sich in dieser Zeit kulturelle Änderungen bei den amerikanischen Ureinwohnern, wie etwa neue Keramik-Designs, was man bisher mit dem Kontakt zu Europäern in Verbindung gebracht hat.

Diese Umstellungen hatten aber nichts mit den Neuankömmlingen zu tun, meinen nun die Forscher. Diese tauchten laut ihren biologischen und physikalischen Datierungen nämlich erst 1596 bis 1618 dort auf, also etwa fünfzig bis hundert Jahre später, als bisher gedacht. "Zumindest für diese Gesellschaft bedeutet dies, dass die Transformationen in der Kontakt-Ära viel später und viel rapider vor sich gingen, als vorher angenommen", erklären die Forscher.

Service: http://dx.doi.org/10.1126/sciadv.aav0280

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