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Professionelle und kostenlose Beratung für Probandinnen © FH Joanneum
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APA

Neues Grazer Ressel-Zentrum ist frühen Ernährungsfehlern auf der Spur

21.04.2017

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Schlaganfall: Übergewicht und Fettsucht (Adipositas) ebnen den Weg zu diesen schwerwiegenden Erkrankungen. Ein neues Josef-Ressel-Zentrum an der Grazer FH Joanneum untersucht, wie sich frühkindliche Ernährung und der Fütterungsstil schon auf die Gewichtsentwicklung von Säuglingen auswirken. Am Freitag wurde es feierlich eröffnet.

Der Anteil fettsüchtiger Menschen hat sich weltweit seit den 1980er-Jahren verdreifacht. Bei Kindern und Jugendlichen gibt es laut den Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO einen besonders starken Anstieg, erklärte Moenie von der Kleyn vom Institut für Hebammenwesen der FH Joanneum gegenüber der APA. An der Grazer Fachhochschule setzt die Adipositasforschung zur weiteren Entwicklung möglicher Präventionswege schon in der Schwangerschaft, beziehungsweise beim Neugeborenen an.

Viele Ursachen für Adipositas

Die Entstehung von Adipositas hat viele Ursachen und ist noch lange nicht gänzlich erforscht. Laut den Experten an der FH Joanneum spielt die Prägung des Stoffwechsels durch frühkindliche Ernährung eine wichtige Rolle. In den ersten 1.000 Tagen - das ist die Zeit der Schwangerschaft bis zum zweiten Geburtstag des Kindes - werde der Stoffwechsel des Menschen für sein ganzes Leben programmiert, wie die Leiterin des am Institut für Hebammenwesen eingerichteten Josef-Ressel-Zentrums erklärte.

"In dieser Phase entwickeln und differenzieren sich die Organe rasant und Stoffwechsel sowie andere Faktoren können langfristige Auswirkungen auf die Funktion des Organismus im späteren Lebensalter ausüben", ergänzte Erwin Zinser. Der Biochemiker lehrt und forscht an der FH Joanneum und leitet mit van der Kleyn das "Zentrum für die Erforschung von Prädispositionen der perinatalen metabolischen Programmierung von Adipositas". Das Zentrum hat die Milupa GmbH als Forschungspartner gewonnen und wird seit Jahresbeginn von der Christian-Doppler-Gesellschaft auf maximal fünf Jahre gefördert.

Gemeinsam will man auf mehreren Ebenen Vorhersagevariablen für die Entstehung von Übergewicht finden. Dazu arbeiten Experten des Hebammenwesens mit Bioanalytikern, Diätologen, Medizinern, IT-Experten und Psychologen zusammen. Untersucht werden vorerst an die 90 normalgewichtige, gesunde Frauen und deren gesunde Kinder. In der Zusammenschau von Messdaten wie BMI, Körperfettmasse, Wachstumskurven, Ernährungsverhalten und molekularen Faktoren aus diversen biologischen Proben wollen sie relevante Biomarker finden.

Kaum Daten über Trinkmenge und Fütterungsverhalten

Van der Kleyn sprach eine weitere Forschungslücke an: Zurzeit gebe es keine evidenzgestützten Daten über die tatsächliche Trinkmenge von gestillten und formularernährten Säuglingen, ebenso wenig über das Fütterungsverhalten der Mütter. In einer aktuellen Studie will man Zusammenhänge zwischen Trinkvolumen und Wachstumsgeschwindigkeit der Neugeborenen erforschen und mögliche Verbindungen zur Körperfettzusammensetzung sowie zum Nährstoff- und Energiegehalt der Muttermilch untersuchen.

"Wir wissen bisher schon, dass Kinder nach der Fütterung aus der Flasche - unabhängig ob es sich um Muttermilch oder industriell hergestellte Säuglingsnahrung handelt - ein größeres Risiko haben, später übergewichtig zu werden", schilderte die Expertin. Das "Fertigtrinken" des Flascheninhalts dürfte eine Rolle spielen. Möglicherweise werden Sättigungssignale der Säuglinge ignoriert, so van der Kleyn. Ziel der laufenden Forschungen ist es daher auch, eindeutige Sättigungszeichen zu erheben. Dazu nehmen die Forscher Saugmuster, Puls und Sauerstoffsättigung sowie Muskeltonus der kleinen Erdenbürger genau unter die Lupe.

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