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Dürreperioden kommen häufiger als früher © APA (Punz)
Dürreperioden kommen häufiger als früher © APA (Punz)

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Klimaschutz als Prävention vor humanitären Krisen

14.11.2017

Für Klimaschutz als Prävention vor humanitären Krisen setzen sich Global 2000 und Caritas in einem gemeinsamen Statement ein. "Diejenigen, die nichts zum Problem beigetragen haben, dürfen in der Klimafalle nicht allein gelassen werden", appellieren Johannes Wahlmüller, Global-2000-Klimasprecher und Georg Matuschkowitz, Leiter der Abteilung für Internationale Programme von Caritas Österreich.

In den vergangenen 40 Jahren habe sich die Gefahr, von Naturkatastrophen betroffen zu sein, um 60 Prozent erhöht, heißt es mit Verweis auf die NGO Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC). Diese führt demnach an, dass im Jahr 2016 24,2 Millionen Menschen in 118 Staaten durch Naturkatastrophen zu Vertriebenen wurden, mehr als dreimal so viele wie die mehr als 6,9 Millionen Vertriebenen durch Gewaltkonflikte. In den Jahren seit 2008 waren es laut der NGO in Summe etwa 227,6 Mio. Menschen, die durch Naturkatastrophen vertrieben wurden.

Es wird aber darauf hingewiesen, dass eine Unterscheidung bei der Fluchtursache hier oft nicht möglich ist, denn die Ursachen sind häufig eng miteinander verwoben. So weist das IDMC darauf hin, dass zum Beispiel am Horn von Afrika wiederkehrende Dürren, schlechte Infrastruktur, Konflikt und Unsicherheit eine gefährliche Mischung ergeben, die vor allem armen Menschen keinen anderen Ausweg lassen, als abzuwandern.

Trockene und küstennahe Gebiete stark betroffen

Am Beispiel Dürre zeigt sich, was derzeit stattfindende Klimaveränderungen bereits anrichten. "Früher kamen Dürreperioden zum Beispiel in der Sahelzone periodisch im Schnitt alle sieben Jahre vor. Die Menschen hatten Zeit, sich auf Extremereignisse vorzubereiten. Inzwischen werden beispielsweise manche Regionen alle zwei bis drei Jahre von verheerenden Dürren heimgesucht - zu kurze Perioden um sich zu erholen. In Ostafrika sind im Jahr 2016 und teilweise 2017 die lebenswichtigen Regenzeiten beinahe gänzlich ausgefallen", erläuterte Matuschkowitz. Viele Menschen würden infolgedessen in Nachbarländer flüchten oder lebensgefährliche internationale Fluchtrouten wählen.

Neben Gebieten, die unter Trockenheit und Wasserknappheit leiden sind auch kleine Inselstaaten und flach liegende Küstengebiete, wo vielfach Millionenstädte betroffen sind, Opfer des Klimawandels. Auch die Fidschi-Inseln, unter deren Vorsitz derzeit die Klimakonferenz in Bonn stattfindet, sind selbst stark mit dem Anstieg des Meeresspiegels, zunehmenden Tropenstürmen und Küstenerosion konfrontiert. Dort wurde mit der Übersiedlung des Dorfes Vunidogoloa die erste Absiedlungsaktion im Pazifik überhaupt durchgeführt, weitere 45 Dörfer müssen in den nächsten Jahren abgesiedelt werden, berichtete Global 2000.

1 Mrd. Menschen betroffen

Internationale Schätzungen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2050 200 Millionen Menschen durch klimatische Veränderungen zur Abwanderung gezwungen werden könnten. Und schon jetzt seien eine Milliarde Menschen in 100 Ländern von Wüstenbildung betroffen. Große Gebiete drohen durch extreme Hitze praktisch unbewohnbar zu werden.

Vor allem arme Menschen, Frauen und Kinder können sich selbst am wenigsten vor den Folgen schützen. "Wir steuern derzeit auf katastrophale Klimaveränderungen zu, die Milliarden von Menschen in ihren Existenzgrundlagen treffen. Wo Lebensgrundlagen zerstört werden, bleibt die Abwanderung oft die einzige Option. Es braucht jetzt deutlich mehr Initiativen, um eine katastrophale Klimakrise noch abzuwenden. In Österreich finden jetzt Regierungsverhandlungen statt. Das ist die Gelegenheit, bei der Energiewende hierzulande Nägel mit Köpfen zu machen", sagte Wahlmüller.

Auch neue Zugänge in der Migrationspolitik seien notwendig, "die sicherstellen, dass durch den Klimawandel Vertriebene mit Respekt behandelt werden und in Würde an sichere Wohnorte gelangen können, anstatt ihr Leben riskieren zu müssen", so Matuschkowitz und Wahlmüller abschließend.

Service: Global-2000-Bericht "Klimakrise und Migration" unter www.global2000.at/presse

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