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Batterie-Betrieb wird sich durchsetzen © APA (Fohringer)
Batterie-Betrieb wird sich durchsetzen © APA (Fohringer)

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Stanford-Professor: Umstieg auf E-Mobilität bis 2050 machbar

07.12.2017

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 44/2017 und nicht zwingend tagesaktuell

Die EU-Kommission konnte sich zuletzt zwar nicht zu einer verpflichtenden Quote für E-Autos durchringen. Der Umstieg auf E-Mobilität soll bis 2050 trotzdem weitgehend abgeschlossen sein, prognostizierte der aus Österreich stammende Stanford-Professor Friedrich Prinz bei einem Pressegespräch zum WKÖ-Programm "Go Stanford" in Wien.

Ein massentaugliches E-Auto werde in den USA und Europa dann um die 30.000 Dollar (25.318,59 Euro) kosten, Batterieantriebe werden zumindest im Westen die Nase vorn haben. Andere große Märkte wie China und Indien müssen wohl zu Alternativen greifen, weil "Batterieautos zu teuer" sind, so Prinz. Dort würden synthetische Kraftstoffe ein Thema werden. Die hätten nicht nur eine hohe Energiedichte, sondern auch den Vorteil, dass sie in bestehenden Verbrennungsmotoren genutzt werden können. Auch Brennstoffzellen kombiniert mit Wasserstoff seien ein Thema.

Die Batterie werde seiner Meinung nach aber am populärsten sein. In Kalifornien müsse bereits jedes neue Haus über eine E-Ladestation verfügen, die rund 1.000 US-Dollar kostet. Viele Haushalte versorgen sich dort mittlerweile selbst über Solaranlagen auf ihren Dächern mit Strom. Die Menschen wollen "immer autonomer" werden, stellt Prinz fest. Daher sei auch die Rolle der Versorger im Wandel, sie müssten sich ein neues Geschäftsmodell überlegen. Möglich wäre etwa eine Pauschale für den Zugang zum Stromnetz: "Damit man die Energie bekommt, wenn man sie braucht." Problematisch bei der Solarenergie sei nämlich nach wie vor die Speicherung.

Auswirkungen des Klimawandels schon spürbar

Gas werde langfristig keine attraktive Alternative mehr sein, Flüssiggas (LPG) und Erdgas (CNG) taugen laut Prinz lediglich als Übergangstechnologie. Sie werden im Vergleich zu Sonnen- und Windenergie zu teuer und "wir brauchen Technologien, die den CO2-Verbrauch reduzieren", sprach Prinz den Klimawandel an, den der Mensch verschuldet habe. "Da müssen sich die Leute umstellen", so Prinz. Auch hierzulande würden sich die Auswirkungen schon bemerkbar machen, in Niederösterreich etwa müssten viele Waldbesitzer und Förster bereits die Bewirtschaftung ihrer Wälder anpassen.

Dass in Zukunft weniger Autos über die Straßen rollen, ist für Prinz dennoch undenkbar. "Ich glaube nicht, dass es dann weniger Autos gibt", kam er auf autonomes Fahren zu sprechen. Es werde aber noch etwas dauern, bis das salonfähig ist. Die große Schwierigkeit sei die Übergangsphase, in der autonome und vom Menschen gelenkte Fahrzeuge gleichzeitig unterwegs sind, weil es keine Kommunikation zwischen ihnen gibt.

Erste Experimente in der Luftfahrt

Auch beim Fliegen gebe es bereits erste Experimente mit autonomen, batteriebetriebenen Modellen, allerdings mit sehr geringer Reichweite. Für mehr müsse die Batterie aber doppelt oder dreifach so stark sein. "Das wird noch einige Jahre dauern", so Prinz.

Um Spitzenforschung in Sachen E-Mobilität, Energie und Co auch österreichischen Unternehmen zugänglich zu machen, hat die Wirtschaftskammer (WKÖ) wie berichtet das Programm "Go Stanford" ins Leben gerufen. Dadurch können ausgewählte Mitarbeiter heimischer KMU, die sich zuvor beworben haben, an zwei- bis achtwöchigen Forschungsprojekten an der Elite-Uni mitarbeiten.

"Es fehlt nicht an Ideen", sagte Prinz zur heimischen Wirtschaft. Das Problem in Österreich sei vor allem die Finanzierung. Man könne hierzulande zwar eine App finanzieren, für mehr mangle es aber an Kapitalisierung.

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