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Preisverleihung des Falling Walls Lab 2018 in Berlin © APA (Wasserfaller)
Preisverleihung des Falling Walls Lab 2018 in Berlin © APA (Wasserfaller)

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Ägypter Ahmed Ghazi gewann Falling Walls Lab 2018

09.11.2018

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 37/2018 und nicht zwingend tagesaktuell

Das Falling Walls Lab 2018 ist entschieden. Gewonnen hat in Berlin der Ägypter Ahmed Ghazi, der vermeidbaren Fehlern in der Chirurgie den Kampf angesagt hat. Unter den 100 Finalisten waren zwei Forscherinnen von der Medizinischen Universität Wien und ein weiterer Österreicher, der an der ETH Zürich forscht. Vorjahressiegerin Agnes Reiner wirkte diesmal als Jurorin mit.

Einen ganzen Tag über präsentierten die Jungforscher aus über 60 Nationen bei dem Wettbewerb in jeweils drei Minuten ihre Forschungsprojekte, Ideen oder Initiativen. Das Rennen machte Ahmed Ghazi vom University of Rochester Medical Center (New York, USA), der als einer der "Falling Walls Young Innovators of the Year" sein Projekt bei der Falling Walls Conference am 9. November inmitten renommierter internationaler Forscher neuerlich präsentieren darf. So wie die Luftfahrtindustrie mit Simulatoren die menschlichen Fehlerquoten drastisch reduzieren konnte, gelang das auch in ersten Tests mit täuschend echten, sogar "blutenden" künstlichen Organen an der University of Rochester, mit denen Ärzte Operationen trainieren konnten.

Den zweiten Preis erhielt der Ungar Adam Fulop mit einem Bildungsprojekt für die Braille-Schrift, den dritten Platz holte sich Ankita Poudyal (Nepal) für die Verbesserung von Wasserfiltern. Der Publikumspreis ging an Marketa Klicova (Tschechien), ihre Forschungsarbeit soll Patienten mit Darmkrebs helfen.

Kein Preis für Österreich

Diesmal leer ausgegangen sind die Teilnehmerinnen aus Österreich. Das erste Ticket für das Finale in Berlin hat sich Nicole Heinzl von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien bereits im April bei der diesjährigen Langen Nacht der Forschung mit ihrem Forschungsprojekt "Breaking the Wall of Therapy Resistance in Cancer" gesichert. Dabei hat sie gezeigt, wie künftig maßgeschneiderte Krebstherapien entwickelt werden können. Cosima Prahm vom Department für Chirurgie (Abteilung Plastische und Rekonstruktive Chirurgie) von der MedUni hat sich über ihren Auftritt bei den Alpbacher Technologiegesprächen qualifiziert. Ziel ihrer Arbeit ist, mit Handprothesen einen voll funktionstüchtigen Ersatz für eine echte Hand zu liefern. Mit einer eigens programmierten App können Patienten lernen, ihre Prothese besser zu steuern.

Ebenfalls dem Kampf gegen den Krebs verschrieben hat sich der aus Österreich stammende Weida Chen, der in Wien maturierte und an der ETH Zürich Chemieingenieurwissenschaften studierte und dort kommendes Jahr seinen PhD abschließt. Gemeinsam mit einem Partner entwickelte er eine Art Blutreinigungsverfahren, bei dem Metastasen, die für 90 Prozent aller Krebs-Tode verantwortlich sind, wie bei einer Dialyse außerhalb des Körpers aus dem Blutstrom filtriert werden. Dabei docken spezielle magnetische Nanopartikel ausschließlich an die Tumorzellen an und werden mit einem magnetischen Separator abgeschieden.

An der Technologie herrsche großes Interesse, erklärte Chen im Gespräch mit der APA, wobei es erst nächstes Jahr konkretere nächste Schritte geben soll: "Was wir noch nicht entschieden haben ist die Struktur. Ob wir ein klassisches Start-up sein wollen, ein Non-Profit, oder ob wir eine Stiftung machen wollen. Wir sind aber daran interessiert, dass es so schnell wie möglich passiert. Es ist uns wichtiger, dass die Patienten davon profitieren, als wir selbst."

Umwelt- und Medizinthemen dominierten

Über alle Projekte hinweg dominierten Umwelt- und Medizinthemen, sehr oft ließen sie auch tief in die Problemzonen der Herkunftsregionen blicken. So erhielt man auch eine unmittelbare Vorstellung von Problematiken wie der überwiegend ungeklärten Entsorgung von Fäkalien in Indonesien, Malaria in Afrika, dem Tabuthema Brustkrebs in Indien oder dem Zugang zu sauberem Wasser in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern. Spürbar war auch der Enthusiasmus und die Motivation der Jungforscher, selbst etwas zur Lösung dieser Probleme beitragen zu wollen.

Nicht leicht gemacht hat sich die Entscheidung die 18-köpfige Jury, der in diesem Jahr auch die österreichische Vorjahressiegerin Agnes Reiner angehörte. Obwohl sie andere Favoriten hatte, kann sie mit der Wahl der Jury "sehr gut leben", wie sie der APA verriet. Die Biotechnologin erhielt den Preis 2017 für die Entwicklung von Biosensoren, die von gesunden und Krebszellen abgegebene kleine Lipidbläschen (Vesikel) unterscheiden können. Mittlerweile forscht sie als Post-Doc an der Universität Wien zwar noch an extrazellulären Vesikeln, aber mit einem anderen Fokus, also nicht mehr in der Diagnostik.

Der Preis hat ihr und ihrer Forschung mehr Sichtbarkeit gebracht, beruflich wie privat. "Ich wurde auf viele verschiedene Konferenzen eingeladen, zum Ball der Wissenschaften in Wien, und das hat mir gezeigt, wie Kommunikation in den Wissenschaften wichtig ist", bilanzierte Reiner das Jahr seit ihrem Sieg, abgesehen davon, dass auch in ihrem weiteren privaten Umfeld mit einem Schlag (endlich) alle wussten, woran sie eigentlich arbeitet. Was ist also Moral, Sinn und Zweck von Falling Walls? "Dass Wissenschafter lernen zu kommunizieren, und wie sie das vielleicht besser machen können, damit es auch normale Leute verstehen."

(Die Pressereise nach Berlin erfolgte auf Einladung des Austrian Institute of Technology (AIT))

Service: Das Falling Walls Lab ist Teil der Berlin Science Week, die bis 10. November dauert. Internet: https://www.falling-walls.com; https://berlinscienceweek.com

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