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Stein- und Sandablagerungen an Einschlagskratern untersucht © APA (AFP/NASA)
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An Mars-Oberfläche floss Wasser - Aber weniger als bisher angenommen

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14.04.2015
  • Wien (APA) - In jüngster Zeit floss zwar Wasser an der Marsoberfläche, die Menge sei aber durch Fehlinterpretationen von Ablagerungen und Rinnen überschätzt worden, erklärten niederländische Wissenschafter kürzlich bei der derzeit laufenden Generalversammlung der "European Geosciences Union" (EGU) in Wien. Das Antlitz des Planeten sei aber stark von Grundwasser-Ausbrüchen geprägt worden.

  • Tjalling de Haas von der Universität Utrecht hat die Stein- und Sandablagerungen am Fuß der Hänge von Einschlagskratern untersucht. Man nahm bisher an, dass diese Ablagerungen in den vergangenen fünf Millionen Jahren vor allem durch fließendes Wasser angeschwemmt wurden, so der Forscher. Von ihren Ausmaßen rechnete man auf die möglichen Wassermengen am Roten Planeten hoch.

  • Es gäbe jedoch Hinweise, dass Geröllströme für die Ablagerungen verantwortlich sind. De Haas entdeckte nämlich große Felsbrocken am Grund von Rinnen in solchen Ablagerungen. "Wasserflüsse haben nicht die Kraft, so große Felsen zu transportieren, doch Geröllströme können dies sehr wohl", sagte er. In diesen sei zwar auch Wasser beteiligt, aber nur zu 20 bis 60 Prozenten.

  • Wasser hauptsächlich im Untergrund

  • Flüssiges Wasser war vor allem in den jungen Jahren des Planeten hauptsächlich im Untergrund zu finden und kam nur sporadisch an die Oberfläche, so de Haas' Kollege Wouter Marra. Dort konnte es allerdings nicht lange existieren, denn durch den niedrigen Druck der Mars-Atmosphäre wäre es rasch verdampft oder gefroren, sagte er. Der Forscher hatte in Laborversuchen nachgestellt, was passiert, wenn Grundwasser an die Oberfläche dringt. "Ich konnte beobachten, dass unterschiedliche 'Landschaftsformen' bei unterschiedlichen Wasserdruck-Bedingungen entstehen", erklärte er. Manche Landschaftsmuster in verschiedenen Regionen am Mars würden tatsächlich den experimentellen Ergebnissen gleichen, so der Wissenschafter.

  • "Einige der rätselhaftesten Landschaftsformen am Mars können nun durch kurze, aber große Eruptionen von Grundwasser-Seen erklärt werden", meint er. Man könne sich diese vorstellen wie einen Vulkanausbruch, bei dem Wasser anstatt von Lava austritt und gewaltige Überflutungen verursacht. "Ich fand aber auch viele Anzeichen für kleinere und weniger extreme Fälle von Grundwasser-Ausbrüchen", so Marra. Grundwasser müsse also für sehr lange Zeit am Mars existiert haben, und ist möglicherweise immer noch dort zu finden, erklärte er.

  • Service: http://www.egu2015.eu/

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