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Brennpunkt heimischer Wissenschaft im All © APA (NASA)
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Austromir - 15 Experimente in der Mir-Raumstation

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29.09.2016
  • Wien (APA) - Der erste Flug eines Österreichers - von Franz Viehböck - ins All im Rahmen der "Austromir"-Mission war nicht nur die Premiere eines "Austronauten". Vielmehr machte der österreichische "Weltraumpapst" Willibald Riedler (Akademie der Wissenschaften/TU Graz) das Projekt damals zu einem Brennpunkt heimischer Wissenschaft - erstmals eben im All. 15 Projekte waren ausgewählt worden.

  • Monimir - Im Experiment Monimir wurde der Einfluss der Schwerelosigkeit auf Haltungs- und Stellreflexe untersucht (Neurologische Universitätsklinik Innsbruck).

  • Cogimir - Dabei wurden Veränderungen der Hirnleistung aufgrund psychischer und physischer Belastungen während des Raumfluges untersucht (Neurologische Universitätsklinik Innsbruck).

  • Dosimir - Im Weltraum sind Mensch und Material sowohl Teilchenstrahlung als auch ionisierender elektromagnetischer Strahlung (Röntgen- und Gammastrahlung) unterschiedlicher Energie ausgesetzt. Im Experiment Dosimir sollte mit Hilfe von Kernspurfilmen und speziellen Dosimeterkristallen erforscht werden, welche Dosis verschiedener Strahlungsarten auf den Kosmonauten an Bord der Raumstation einwirkt (Österreichisches Atominstitut Wien).

  • Pulstrans - Hier wurden die Konsequenzen von Anspannungsbelastungen auf die Herzfunktion und das Gefäßsystem untersucht. Eine spezielle, mit Biosensoren ausgestattete Jacke diente dazu, die Kennwerte bestimmter Arterien in verschiedenen Phasen der Anpassung des Organismus an die Schwerelosigkeit zu bestimmen (Physiologisches Institut Universität Graz).

  • Mikrovib - Ziel des Experiments Mikrovib war die Untersuchung spontaner Mikrovibrationen (unwillkürliches Zittern des menschlichen Körpers) in der Ruhelage und bei Belastung mit unterschiedlicher Dauer und Intensität im All (Physiologisches Institut Universität Graz).

  • Bodyfluids - Das Experiment Bodyfluids untersuchte die Verlagerung von Körperflüssigkeit aus dem Blut und in das Blut unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit sowie die Ursachen dafür. Dabei kam ein Gerät zur Erzeugung von Unterdruck an den Beinen zum Einsatz (Physiologisches Institut Universität Graz).

  • Optovert - Im Experiment Optovert wurde der Austronaut mit Hilfe einer Spezialmaske optischen Reizen ausgesetzt (optokinetische Stimulation). Das sollte mehr Erkenntnisse über die Ursprung der Raumkrankheit bringen (Neurologische Universitätsklinik Wien).

  • Mirgen - Bei Mirgen wurde die Auswirkung der verstärkten kosmischen Strahlung auf Immunzellen und die DNA des Menschen untersucht (Österreichisches Forschungszentrum Seibersdorf).

  • Motomir - Motomir sollte neue Erkenntnisse über die Funktionsweise der Arm- und Beinmuskulatur in der Schwerelosigkeit und über die Ermüdung der Muskeln unter Belastung liefern. Dazu wurde ein spezielles Ergometer entwickelt, das auch nach Austromir auf der Weltraumstation eingesetzt wurde (Institut für Sportwissenschaften Universität Wien).

  • Audimir - Damit wurde untersucht, wie genau Raumfahrer in der Schwerelosigkeit Schallquellen lokalisieren können und wie das räumliche Hören mit dem Gleichgewichtssystem des Menschen zusammenwirkt (Firma AKG).

  • Brillomir - Das Ziel dieses Experimentes war die Untersuchung des Phasenüberganges bei der Entmischung binärer Flüssigkeiten mit einer Temperaturauflösung von plus/minus 0,001 Grad Celsius unter Schwerelosigkeitsbedingungen - wichtig für Legierungsforschung (Institut für Experimentalphysik Universität Wien).

  • Logion - Im Experiment Logion wurden die Funktionsfähigkeit und die Betriebseigenschaften von Flüssigmetall-Feldionenemittern unter Schwerelosigkeit getestet, um die elektrische Aufladung von Satelliten zu kompensieren (Österreichisches Forschungszentrum Seibersdorf/Institut für Weltraumforschung der Akademie der Wissenschaften).

  • Migmas/A - Das Experiment Migmas/A untersuchte die Stabilität der Betriebseigenschaften eines rasternden Ionenstrahlsystems für Materialuntersuchungen unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit (Institut für Nachrichtentechnik und Wellenausbreitung TU Graz/Österreichisches Forschungszentrum Seibersdorf).

  • Fem - Im Rahmen dieses Experiments wurden mit Hilfe einer Spezialkamera und eines Spektrometers Aufnahmen des österreichischen Territoriums gemacht (Institut für Photogrammetrie und Fernerkundung TU Wien).

  • Datamir - Entwicklung eines zentralen Bordcomputers für die Abwicklung der Experimente im All (Institut für Angewandte Systemtechnik der Forschungsgesellschaft Joanneum).

  • Zusätzlich gab es noch zwei Extra-Projekte: Aremir war ein Amateurfunk-Experiment. Die Kosmonauten konnten zum Beispiel an 300 Schulen in Österreich gehört werden. Artsat war eine Aktion des Künstlers Richard Krische.

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