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Viehböck nach der Landung am 10. Oktober 1991 in Kasachstan © APA (Wagner)
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Austromir - Die Chronologie eines Weltraumabenteuers

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29.09.2016
  • Wien (APA) - Schon lange her, aber bisher nicht wiederholt: Vor 25 Jahren - am 10. Oktober 1991 - landete um 5.12 Uhr MEZ Franz Viehböck, der erste Österreicher im All, mit einer Sojus-Landekapsel in Kasachstan. Am 2. Oktober war er im Rahmen des damals rund 200 Millionen Schilling teuren "Austromir"-Projekts mit einer Rakete von Baikonur aus zur russischen Raumstation Mir gestartet.

  • Die Geschichte:

  • - Juli 1987: Bei einem Besuch in Österreich macht der damalige sowjetische Premierminister Nikolai Ryschkow das Angebot, dass sich die Alpenrepublik an einem bemannten sowjetischen Raumprojekt samt Flug eines Österreichers zum Orbitalkomplex Mir beteiligen könnte.

  • - Noch 1988 melden sich auf eine öffentliche Ausschreibung für den "Posten" eines "Austronauten" mehr als 180 Österreicher, um eine Chance für einen Flug ins All zu erhalten.

  • - Im März 1989 rücken schließlich nach Vortests 28 Männer und drei Frauen zum ersten harten Training in Österreich ein.

  • - Am 6. Oktober 1989 fällt in Moskau die Entscheidung: Der Arzt Clemens Lothaller (geboren 8. Mai 1963) und der Techniker Franz Viehböck (geboren am 24. August 1960) werden dazu ausgewählt, die Kosmonautenausbildung zu machen.

  • - 7. August 1991: Viehböck gilt als "Favorit", Lothaller als Ersatzmann. Mit Viehböck sollen als Kommandant der Russe Alexander Wolkow und als dritter in der Sojus-Mission der Kasache Tachtar Aubakirow ins All fliegen. Das zweite Team besteht aus Lothaller, Kommandant Alexander Wiktorenko sowie dem Kasachen Talgat Mussabajew.

  • - 19. August 1991: "August-Putsch" in Moskau. Alle Beteiligten zittern, ob das Projekt weiterhin einigermaßen im Zeitplan realisiert werden kann.

  • - 30. September 1991: Auf der Gagarin-Rampe des russischen Weltraumbahnhofs in Baikonur in Kasachstan steht die Sojus-Rakete bereit. Am Abend entscheidet die russische Raumfahrtkommission, dass Franz Viehböck (30) ins All fliegen soll.

  • - 1. Oktober 1991: "Ich habe keine Angst", sagt Viehböck bei einer Pressekonferenz in Baikonur am Tag vor dem Start.

  • - 2. Oktober 1991: Sieben Minuten vor dem Start ergeht das Kommando aus dem Kontrollraum in Baikonur: "Kljutsch na Start" (Schlüssel auf Startstellung). Fünf Sekunden vor dem Start das Kommando: "Sashiganije" (Zünden). Exakt um 6.59 Uhr MEZ hebt Sojus-TM 13 mit dem Österreicher Franz Viehböck an Bord mit einer Kraft von 100 Millionen PS von der Rampe ab. Der Start geht problemlos vor sich. Achteinhalb Stunden nach dem Start bringt Viehböcks Frau Vesna im Krankenhaus Wiener Neustadt ein gesundes Mädchen - Carina Marie - zur Welt.

  • - 4. Oktober 1991: Sojus-TM 13 dockt an der Raumstation Mir an. Viehböck steigt mit seinem Team unter den Klängen des Donauwalzers als Begrüßungsmelodie in die Raumstation um. 15 wissenschaftliche Experimente aus Österreich werden bis zum Ende der Mission durchgeführt.

  • - 10. Oktober 1991: Die Rückkehr zur Erde mit einer Sojus-Landekapsel - um 4.57 Uhr und 18 Sekunden: der Fallschirm öffnet sich; um 5.12 Uhr und 17 Sekunden: Landung bei Arkalyk in Kasachstan, etwa 900 Kilometer von Baikonur entfernt. Viehböcks erste Worte nach der Landung: "Mir geht es gut - alles in Ordnung. Es war aber eine harte Landung. Wenn ich dafür nicht so viel trainiert hätte, wäre mir das Herz in die Hose gerutscht."

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