Dossier

Riedler (li.) auf einem Archivbild von 2007 © APA (Leodolter)
4
Dossier

Austromir - Riedler: "Die Angst ist ein ständiger Begleiter"

Dossier

29.09.2016
  • Wien (APA) - Österreichs "Weltraumpapst" Willibald Riedler (84) war der wissenschaftlicher Leiter des Projekts "Austromir". Dem langjährigen Chef des Grazer Instituts für Weltraumforschung der Akademie der Wissenschaften und Professor an der Technischen Universität Graz ist auch der Missionsname zu verdanken: "Irgendwann habe ich in der Nacht bei schlechten Schlaf den Namen erfunden", sagte Riedler zur APA.

  • APA: War der Flug des ersten Österreichers ins All im Rahmen des Projekts "Austromir" vor 25 Jahren ein risikoreiches Projekt, war das der Grund für Ihren schlechten Schlaf?

  • Riedler: Die Angst ist ein ständiger Begleiter bei Weltraumprojekten. Aber es wurde so viel Entwicklung hineingesteckt und so viel getestet, dass man schon beruhigt sein konnte.

  • APA: War "Austromir" DER Höhepunkt in ihrer langen wissenschaftlichen Karriere mit Beteiligung an zahlreichen Missionen und Projekten?

  • Riedler: DER Höhepunkt möchte ich nicht sagen, aber es war sicher ein Höhepunkt. Aber wenn man etwa an die Kometen-Sonde "Rosetta" denkt (an deren Entwicklung Riedler maßgeblich beteiligt war, Anm.) - das ist schon auch etwas Tolles.

  • APA: Was ist Ihnen nach 25 Jahren am lebhaftesten in Erinnerung?

  • Riedler: Da muss ich jetzt lyrisch werden. Mein Onkel Willi Boskovsky war Konzertmeister und Dirigent der Wiener Philharmoniker. Und als Franz Viehböck zu den Klängen des Donauwalzers von den Wiener Philharmonikern unter Willi Boskovsky in die Raumstation "Mir" eingeschwebt ist, war das für mich schon eine emotional große Sache, dass das sozusagen mit meinem Onkel eingeweiht wurde.

  • Emotional war auch die Landung von Franz Viehböck, der nicht und nicht daher gekommen ist und noch eine Runde drehen musste. Da denkt man schon, was ist wenn das Ganze nicht funktioniert, das wäre tragisch gewesen. Aber es hat sich Gott sei Dank nicht bewahrheitet.

  • APA: War "Austromir" insgesamt ein Erfolg?

  • Riedler: Ja, das war garantiert ein Erfolg. Es wurde auch im Ausland, etwa in Deutschland, sehr anerkannt, wo man sich stark an unsere Messungen angelehnt hat.

  • APA: Welches der 15 Experimente war denn besonders erfolgreich?

  • Riedler: Das wäre ein bisschen unfair, wenn ich das beantworte.

  • APA: Aber war "Austromir" nicht nur eine schöne Seifenblase, von der nicht viel übergeblieben ist?

  • Riedler: Es war ja keine Naturgegebenheit, dass es nur ein "Austromir" gegeben hat. Die offizielle Bezeichnung war ja "Austromir 1" und es war durchaus beabsichtigt, zumindest von der Experimentatoren-Seite, dass man auch "Austromir 2" fliegt, weil man für jede Messung gerne eine Bestätigung hat. Aber das (Wissenschafts-, Anm.) Ministerium hat aus finanziellen Gründen Nein gesagt. Aus meiner Sicht hätte man ruhig nochmals fliegen können, schließlich haben wir auch Clemens Lothaller (der Ersatzmann von Franz Viehböck, Anm.) als Reserve gehabt.

STICHWÖRTER
Raumfahrt  | Wien  | Interview  | Wissenschaft  | Forschung  | Wissenschaftsmissionen  |

Dossier

Am 2. Oktober 1991 war es so weit: Mit dem Kommando "Sashiganije" (Zünden) hob exakt um 6.59 Uhr MEZ Sojus-TM 13 mit dem Österreicher Franz Viehböck von der Rampe des ...

Gastkommentare

"Austromir - Reise in die Sowjet-Vergangenheit"
von Wolfgang Wagner
APA-Wissenschaftsredakteur und leitender Redakteur in der APA-Chronikredaktion
"Draußen ist drinnen. Indoor leben am Mond"
von Von Barbara Imhof und Rene Waclavicek
LIQUIFER Systems Group
"Weltraumtechnologien prägen unseren Alltag"
von Klaus Pseiner
Geschäftsführer der FFG und Vizevorsitzender des ESA-Rats

Hintergrundmeldungen

Franz Viehböck (l.), Jörg Leichtfried (m.) und der ehemalige Kosmonaut Alexei Archipowitsch Leonow (r.) © APA (Hochmuth)

Raumfahrer wollen Jugendlichen Lust aufs Erkunden machen

In Wien hat am Montag der 29. Planetary Congress des Internationalen ...
Heimische Analogforscher testen ein Notzelt in der nördlichen Sahara © APA/ÖWF/Katja Zanella-Kux

Üben fürs All - Österreich als kleine Analogforschungs-Großmacht

Der Fantasie und dem Erfindungsreichtum von Forschern sind ja bekanntlich kaum ...
Sieger der letzten Aufnahmerunde (v.l.): Luca Parmitano, Alexander Gerst, Andreas Mogensen, Samantha Cristoforetti, Timothy Peake und Thomas Pesquet © APA (AFP)

Astronautentraining: Der lange Weg ins All

Wer sorgt eigentlich für den Astronautennachwuchs in Europa? Zuständig dafür ...
Bakterielle Sporen auf Raumfahrt-relevanten Oberflächen © Christine Moissl-Eichinger

Med-Uni Graz im Netzwerk zur Erforschung von Leben auf Planeten

Mikroorganismen können Kälte, Hitze oder auch Trockenheit überleben - ...
"Audi lunar quattro" soll von Cape Canaveral starten © APA/PTS/Alex Adler

Österreicher wollen mit erstem privaten Fahrzeug auf den Mond

"Zuerst wurden wir als verrückte Jungs aus der Garage betrachtet", mittlerweile ...
Viehböck ist heute Geschäftsführer bei "Berndorf Band" © APA (Jäger)

Austromir - Franz Viehböck: Viel gelernt und mit der "Szene" verbunden

Mit dem sowjetischen Kosmonauten Alexander Wolkow und dem Kasachen Tachtar ...
Riedler (li.) auf einem Archivbild von 2007 © APA (Leodolter)

Austromir - Riedler: "Die Angst ist ein ständiger Begleiter"

Österreichs "Weltraumpapst" Willibald Riedler (84) war der wissenschaftlicher ...
Viehböck nach der Landung am 10. Oktober 1991 in Kasachstan © APA (Wagner)

Austromir - Die Chronologie eines Weltraumabenteuers

Schon lange her, aber bisher nicht wiederholt: Vor 25 Jahren - am 10. Oktober ...
Brennpunkt heimischer Wissenschaft im All © APA (NASA)

Austromir - 15 Experimente in der Mir-Raumstation

Der erste Flug eines Österreichers - von Franz Viehböck - ins All im Rahmen der ...
Transport der Sojus TM13-Rakete zur Startrampe in Baikonur © APA (Jäger)

Austromir - 100 Astronauten und Memorabilien zum 25-Jahr-Jubiläum

Vor 25 Jahren flog Franz Viehböck als erster Österreicher im Rahmen des ...

Mehr zum Thema