Gastkommentar

Horst Bischof © Margit Kundigraber
4
Dossier

"Das Rückgrat wissenschaftlicher Forschung: ein Doktoratskolleg"

Gastkommentar

06.04.2020
  • Graz (Gastkommentar) - Doktorandinnen und Doktoranden sind das Rückgrat jeder wissenschaftlichen Forschung. Sie sind wissenschaftlicher Nachwuchs und zugleich wesentliche Innovationstreiber. Für wissenschaftliche Institutionen sind talentierte Jungforschende ein ganz entscheidender Wettbewerbsfaktor. Silicon Austria Labs (SAL) ist angetreten, eine Spitzenforschungsinstitution im Bereich Electronic Based Systems zu sein, daher ist auch hier der wissenschaftliche Nachwuchs von entscheidender Bedeutung. Vor diesem Hintergrund wurde das SAL Doctoral College (SAL-DC) ins Leben gerufen. Gemeinsam mit den Universitäten an den drei SAL-Standorten - der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, der Johannes-Kepler-Universität Linz und der Technischen Universität Graz - wurde das SAL-DC nach den Prinzipien eines modern strukturierten Doktorats-Programmes konzipiert. Gekennzeichnet ist eine zeitgemäße Doktorats-Ausbildung insbesondere dadurch, dass Doktorandinnen und Doktoranden gemeinsam in größeren Teams forschen.

  • Die wesentlichen Eckpunkte des SAL-DC:

  • 1. Ein- bis zweimal im Jahr gibt es eine internationale Ausschreibung für SAL-DC Doktorandinnen und Doktoranden.

  • 2. Alle Doktorandinnen und Doktoranden müssen sich einem kompetitiven Auswahlprozess stellen. Die Aufnahme in das SAL-DC erfolgt über einen definierten Auswahlprozess, der durch die gesamte Faculty des SAL-DC gesteuert wird.

  • 3. Formal ist ein Doktorand bzw. eine Doktorandin einer der drei Universitäten zugeordnet (jener des Hauptbetreuers) und wird auch formal von dieser zugelassen.

  • 4. Alle Professorinnen und Professoren der drei Universitäten, die Doktorandinnen und Doktoranden im SAL-DC betreuen, gehören der Faculty an. Die Faculty hat drei Sprecher/innen, die für die interne Abwicklung des SAL-DC sorgen.

  • 5. Auch die Doktorandinnen und Doktoranden haben eine eigene Student-Faculty.

  • 6. Jeder Doktorand bzw. jede Doktorandin hat zumindest zwei Betreuer/innen an unterschiedlichen Universitäten. Dies führt zu einer breiten Betreuung und einer internen Vernetzung unter den drei Universitäten.

  • 7. Es gibt ein verpflichtendes Ausbildungsprogramm für die Doktorandinnen und Doktoranden des SAL-DC. Dieses umfasst neben inhaltlichen Lehrveranstaltungen auch gemeinsame Retreats und Summerschools, die der Vernetzung der Doktorandinnen und Doktoranden untereinander dienen.

  • 8. Im ersten Jahr muss von der Doktorandin bzw. vom Doktoranden ein PhD-Proposal verfasst und verteidigt werden. Nur ein positiverer Abschluss dieses Verfahrens erlaubt einen Verbleib im SAL-DC.

  • Mit dem SAL Doctoral College schaffen SAL und die Universitäten an den drei Standorten ein attraktives Angebot für den nationalen und insbesondere auch für den internationalen Nachwuchs. Österreich fehlt es, wie auch anderen Ländern, derzeit an Nachwuchs im Bereich Electronic Based Systems, um sowohl die Nachfrage der Industrie wie auch der wissenschaftlichen Institutionen bedienen zu können. Das SAL-DC ist eine entscheidende Einrichtung, um neue vielversprechende Talente nach Österreich zu holen, ohne sich gegenseitig Konkurrenz zu machen. Diese Talente stehen nach dem Ende ihrer Ausbildung auf höchstem internationalem Niveau sowohl Silicon Austria Labs als auch der heimischen Mikroelektronik-Industrie zur Verfügung.

  • Im Endausbau soll das SAL-DC ca. 50 bis 60 Doktorandinnen und Doktoranden beheimaten. Die Ausschreibung für den ersten Jahrgang ist gerade in Vorbereitung.

Zur Person

Horst Bischof, Vizerektor für Forschung an der TU Graz

Horst Bischof absolvierte das Informatik Studium an der TU Wien, wo er 1990 das Diplom und 1993 das Doktorat erlangte. In der Zeit von 1991 bis 2001 arbeitete er an der Abteilung für Mustererkennung und Bildverarbeitung der TU Wien, zuerst als Assistent, danach als Ao. Professor. Seit 2001 ist Bischof Professor für Computer Vision am Institut für Maschinelles Sehen und Darstellen der TU Graz. Momentan ist er auch Vizerektor für Forschung an der TU Graz. Die Forschungsthemen von Horst Bischof reichen von der Objekterkennung und statistischen Methoden des maschinellen Lernens bis hin zu Anwendungen im Bereich des autonomen Fahrens und Fliegens, Biometrie, Robotik und medizinischen Bildverarbeitung. In diesen Bereichen hat Horst Bischof mehr als 720 begutachtete Arbeiten verfasst (H-index: 85). Viele der Arbeiten wurden auch mit nationalen und internationalen Preisen (mehr als 20) ausgezeichnet, darunter der Jan Konderink Award, der Preis für „the most influential paper in the last 10 years“ der MVA, und eine ganze Reihe von best paper awards.

STICHWÖRTER
Universität  | Elektrotechnik  | Steiermark  | Dossier  | Gastkommentar  | Bez. Graz  | Graz  | Bildung  | Schule  | Hochschulwesen  | Wissenschaft  | Technologie  |

Dossier

Hinter den Silicon Austria Labs (SAL) verbirgt sich viel Ambition: Bis 2023 soll daraus das drittgrößte Forschungszentrum Österreichs werden und bis zu 400 Mitarbeiter sollen exzellente Spitzenforschung ...

Gastkommentare

"Sparsity and Machine Learning - no contradiction"
von Péter Kovács
postdoc researcher at the Johannes Kepler University Linz (JKU)
"Wir denken gegen den Strich"
von Mirjana Videnović-Mišić
Silicon Austria Labs
"Das Rückgrat wissenschaftlicher Forschung: ein Doktoratskolleg"
von Horst Bischof
Vizerektor für Forschung an der TU Graz
"Heterogene Integration - mehr als Moore"
von Alfred Binder
Leiter der Forschungsgruppe Heterogene Integration bei SAL

Hintergrundmeldungen

SAL soll eine internationale Attraktion für Hightech-Industrien werden © SAL

Was sich die Eigentümer von SAL erwarten

"Wir schaffen mit den Silicon Austria Labs ein Ökosystem für die strategische ...
Gerald Murauer © Oliver Wolf

Murauer: "Qualität geht vor Geschwindigkeit"

Seit 1. April ist Gerald Murauer neuer Geschäftsführer der Silicon Austria Labs ...
Der High Tech Campus Villach © Helge Bauer

Sensoren, die Sinnesorgane der Technik

Villach nimmt im Aufbauprozess der Silicon Austria Labs (SAL) eine Sonderrolle ...
Wiesmüller ortet in diesem Bereich viele Chancen für Österreich © Privat

"Systemintegration ist die DNA der Silicon Austria Labs"

Die Systemintegration soll ein Alleinstellungsmerkmal der Silicon Austria Labs ...
Lüftner sieht großes Potenzial für Elektronik in der industriellen Anwendung © Oliver Wolf

Forschen mit hoher Frequenz

Autonomes Fahren, Robotik, Smart Factory und 6G-Kommunikation mit mehr als 100 ...
Das Leuchtturmprojekt der Leistungselektroniks-Division: Tiny Power Box © Franz Vollmaier/SAL

Klein aber fein - ein Blick auf die Leistungselektronik

In den Labors von SAL arbeiten Mitarbeiter der Division für Leistungselektronik ...

Mehr zum Thema