Gastkommentar

Norbert Winding © Haus der Natur/Doris Wild
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Dossier

"Ein Museum kann Wissenschaft in lustvolle AHA!s verwandeln"

Gastkommentar

01.08.2016
  • Salzburg (Gastkommentar) - Seit der Gründung im Jahr 1924 sucht man im Salzburger "Haus der Natur - Museum für Natur und Technik" nach Ideen und innovativen Erfahrungszugängen, um einer möglichst breiten Öffentlichkeit Wissen über Phänomene und Zusammenhänge in der Natur zu vermitteln. Die Intention des Museumsgründers ging vor 90 Jahren sogar so weit, dass er meinte: "Wir dürfen nicht nur die Interessierten ansprechen, sondern müssen besonders auch versuchen, die Nicht-Interessierten zu gewinnen".

  • So ist bis heute ein Haus gewachsen, das auf mehr als 7.000 Quadratmetern einen breiten Fächer an Ausstellungen bietet - von den Erdwissenschaften, der Ökologie und Tierwelt zur Astronomie, Weltraumforschung und zum Menschen, dazu Vivarien (Aquarium und Reptilienzoo), ein Science Center und wechselnde Sonderschauen. Die Vielfalt an Inhalten und didaktischen sowie gestalterischen Ansätzen ist dabei Teil des Konzeptes der Wissenschaftsvermittlung sowohl im Museum als Ganzes als auch in den einzelnen Ausstellungen und Museumseinrichtungen.

  • Dabei sind wir uns darüber klar, dass die Besucher überwiegend nicht nur der Bildung wegen ins Museum gehen. Sie wollen auch unterhalten werden, also einige schöne, positive, ja lustvolle Stunden in unserem Haus verbringen. Dies steht einem Bildungsauftrag im Sinne der Wissenschaftsvermittlung in keiner Weise entgegen. Ganz im Gegenteil. Ein "AHA" kann ein sehr lustvolles Erlebnis sein. Und je mehr Emotion, Spaß und Freude damit verbunden ist, desto nachhaltiger wirkt es.

  • Nicht zufällig ist daher in den letzten Jahrzehnten ein bunter Strauß an Formaten für die Wissenschaftsvermittlung entstanden, wie Science Shows, Science Busters, Pint of Science etc.. Sie alle versuchen, Unterhaltung und lustvolle AHAs zu bieten.

  • Auch ein Museum hat solche Möglichkeiten - und noch viel mehr! Zum einen kann es seine Ausstellungen einsetzen, in denen die Besucher auf eigene Faust explorieren, und zum anderen verschiedenste Aktivitäten anbieten, bei denen kompetentes Personal oder auch Wissenschafter von anderen Institutionen persönlich vermitteln.

  • Wie erwähnt, versucht das Haus der Natur bewusst eine Vielfalt an Inhalten anzubieten, um eine möglichst breite Öffentlichkeit anzusprechen. Die Vielfalt ist dabei nicht beliebig. Sie versucht einen breiten Bogen unterschiedlicher naturwissenschaftlicher Inhalte zu vermitteln, von der Biologie und Ökologie, den Erdwissenschaften, der Astronomie und der Physik bis hin zu Anwendungen der Naturwissenschaften durch den Menschen und schließlich den Menschen selbst. Zum anderen wird versucht, mit unterschiedlichen didaktischen Ansätzen eine Vielfalt an Zugängen und emotionalen Erfahrungsmöglichkeiten mit allen Sinnen anzubieten: Beobachten und Staunen, Bewundern und Neugierde wecken, Verblüffen und Fragen aufwerfen, eigenhändig Prozesse aktivieren und Lösungen hervorrufen etc. Grundsätzlich sind viele Zugänge in allen Schaubereichen möglich, auch wenn sie sich z. B. im Aquarium, in "klassischeren" Naturkundeausstellungen oder im hundert Prozent interaktiven Science Center schwerpunktmäßig unterschiedlich verteilen.

  • Großer Wert wird auch auf die Gestaltung und Szenografie von Schaubereichen gesetzt, denn - gut eingesetzt - können damit Stimmungen und Bilder erzeugt werden, die die Vermittlung von Inhalten unterstreichen oder ergänzen. Damit können Erzählstränge illustriert oder einfach "WOWs" erzeugt werden, die die Aufmerksamkeit erhöhen, Antennen öffnen und neugierig machen.

  • Besonders wichtig ist uns im Haus der Natur auch die persönliche Vermittlungsarbeit. Diese betrifft Formate von Kindergeburtstagen bis Seniorenführungen und Science Shows. Einen Schwerpunkt dabei bilden jedoch Angebote für Schulen und Jugendgruppen. Jährlich wird das Haus der Natur von über 50.000 Schülerinnen und Schülern im Rahmen von Schulexkursionen besucht (das entspricht gut 2.000 Klassen). Etwa die Hälfte davon nimmt eines der vielfältigen Angebote für Schulen in Anspruch. Bei den museumspädagogischen Workshops und Programmen arbeiten die Schülerinnen und Schüler weitgehend selbstständig und in Kleingruppen an vorgegebenen Aufgaben und Problemstellungen von der Biologie bis zur Technik und Chemie. Für diese Aktivitäten steht ein voll ausgestattetes Forschungslabor zur Verfügung. In Kooperation mit Universitäten und anderen Forschungs- und Bildungseinrichtungen veranstaltet das Haus der Natur jährlich auch verschiedene Schwerpunktwochen, Aktionstage und Sonderveranstaltungen, z. B. eine "Brain Awareness Week", "Space Week" oder "Young Engineers Mobilitätstage", ebenso mehrtägige Semesterkurse, spezielle Begabtenkurse und Ferienprogramme. Besonders beliebt sind darüber hinaus die regelmäßig präsentierten Science Shows aus den Bereichen Physik, Chemie und der Mikrowelt.

  • Mit diesem Ansatz der Vielfalt und dem expliziten Bemühen um große Qualität und Verständlichkeit auf möglichst allen Ebenen der Vermittlung will das Haus der Natur gezielt "WOW!s und AHA!s" erzeugen, die die Besucherinnen und Besucher aus dem Museum mit nach Hause nehmen. Immerhin sind das über 300.000 Menschen jährlich. Und viele davon kommen immer wieder.

  • Rückfragen unter norbert.winding@hausdernatur.at

Zur Person

Norbert Winding, Haus der Natur Salzburg - Museum für Natur und Technik

Dr. Norbert Winding (59) ist seit 2009 Direktor des "Haus der Natur - Museum für Natur und Technik" in Salzburg, an dem er (mit einzelnen Jahren Unterbrechung und in Teilzeitbeschäftigung) seit 1988 tätig ist. 1976-1984 studierte er an der Universität Salzburg Zoologie und Botanik und war da-nach wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zoologischen Institut dieser Universität (bis 1988) und dort auch Lehrbeauftragter für Ökologie und Wirbeltier-Biologie (bis 2000). Der Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeiten lag im Bereich der Zoologie und Ökologie des Hochgebirges, mit Arbeiten in den Hohen Tauern und im Himalaya. 1998-2009 war er auch mit eigener Firma selbstständig berufstätig als Drehbuchautor, Regisseur und Producer bei verschiedenen Naturfilmdokumentationen für die ORF-Serie "Universum" und als Ausstellungsmacher (federführende Konzeption und Planung von Ausstellungen und Nationalpark-Besucherzentren). 1992-1994 war er auch in der Entwicklungszusammenarbeit in Nepal und Tibet tätig. Norbert Winding ist verheiratet und Vater zweier Kinder.

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