Gastkommentar

Ulrike Rabmer-Koller © APA (Foto Wilke)
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Dossier

Gesunde Ernährung kann gelernt und gelebt werden

Gastkommentar

19.07.2016
  • Wien (Gastkommentar) - Ein gesundes Ernährungsverhalten braucht Wissen und Kompetenz des Einzelnen sowie entsprechende Rahmenbedingungen. Die gesündere Wahl muss die einfachere Wahl sein. Es liegt nicht nur an der einzelnen Person, sich gesund zu ernähren. Unterlagen zur Ernährung müssen leicht verständlich und gesunde Nahrungsmittel leicht zugänglich sein.

  • Einen besonderen Stellenwert im Hinblick auf die Verhältnisse nehmen der Lebensmittelhandel und die Gemeinschaftsverpflegung ein. Ein gesundes Verpflegungsangebot in der Kinderbetreuung, in der Schule, in den Betrieben, in der Gastronomie und in den Altenbetreuungseinrichtungen hat Auswirkungen auf das Ernährungsverhalten der Bevölkerung.

  • Die Lebenswirklichkeit der Menschen muss in allen Belangen mitbedacht und berücksichtigt werden. Gesunde Lebensmittel sollten leicht verfügbar sein. Jeder Mensch möchte sein Leben gesund und fit verbringen. Die wichtigsten Erfolgsfaktoren auf diesem Weg sind ausgewogene Ernährung und ein aktiver, bewegungsreicher Lebensstil. Beides ist möglich, wenn das Bewusstsein und der Wille vorhanden sind. Wir möchten mit unseren Initiativen einen Beitrag zu dieser Bewusstseinsänderung leisten und jede Altersgruppe ansprechen. Ein gesundes, selbstbestimmtes Leben ist immer möglich und wir zeigen, wie es gelingen kann.

  • Geschmacksprägung und Vorlieben entstehen bereits in der Schwangerschaft und den ersten Lebensjahren. "Richtig Essen von Anfang an", eine Kooperation der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, dem Bundesministerium für Gesundheit und dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger setzt seit mehreren Jahren Maßnahmen zur Erhöhung der Ernährungskompetenz bei Schwangeren bzw. den Eltern an. Hierzu werden österreichweit kostenlose Workshops angeboten.

  • Die Schwerpunkte von "Richtig essen von Anfang an" für die nächsten Jahre sind die Schaffung gesundheitsförderlicher Umwelten wie

  • • der niederschwellige Zugang zu Informationen und gesundheitsförderlichen Verpflegungsangeboten,

  • • die Verbesserung der Gemeinschaftsverpflegung bei Vier- bis Zehnjährigen,

  • • die Erarbeitung handlungsrelevanter Grundlagen für Handel und Lebensmittelproduzenten,

  • • leichte und verständliche Unterlagen für die Bevölkerung,

  • • sowie die Stärkung der Fachkompetenz bei Multiplikatoren und bei relevanten Akteuren.

  • Im Bereich der Gesundheitsförderung unterstützen wir auch Schulen über Servicestellen Schule dabei, Ernährungskompetenz zu stärken und die Rahmenbedingungen für die gesundheitsförderliche Ernährung an der Schule zu verbessern. Die Betriebliche Gesundheitsförderung setzt sich dafür ein, die Betriebskantinen gesünder zu gestalten.

  • Im Kontext der allgemeinen Vorsorgeuntersuchung bietet sich die Möglichkeit zwischen Patient und Arzt, über Lebensstilmaßnahmen - somit auch die Ernährung - zu sprechen.

  • Im Rahmen von diversen Initiativen der Sozialversicherungsträger wird Ernährungskompetenz auch bei Personen ab 50 Jahren gefördert. Ab einem gewissen Lebensalter können sich das Geschmacksempfinden, Hunger und Durst verändern. Ausreichende Nährstoff- und Flüssigkeitszufuhr sind bis ins hohe Alter von großer Bedeutung für die Gesundheit.

  • Um gesunde Ernährungsgewohnheiten zu fördern braucht es die Zusammenarbeit vieler Bereiche: Hersteller von Nahrungsmitteln, Tätige in der Gemeinschaftsgastronomie, Konsument oder Vertreter von Gesundheitsberufen. Gestalten wir gemeinsam eine Umwelt, in der gesunde Ernährung gelingen kann!

  • Die Sozialversicherung leistet in vielen Bereichen ihren Beitrag für eine gesunde Ernährung, es bedarf aber noch großer gemeinsamer Anstrengungen aller relevanten Akteure, um die Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung zu stärken und ein größeres Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen.

Zur Person

Ulrike Rabmer-Koller, Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger

Mag. Ulrike Rabmer-Koller (49) ist Geschäftsführerin und Eigentümerin des Familienunternehmens Rabmer mit Sitz in Altenberg bei Linz, das in den Bereichen Bau, Kommunale Dienste und Umwelttechnologie tätig ist. Ab 2003 war sie 12 Jahre lang Vizepräsidentin der WKOÖ, seit 2015 ist sie Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich und seit 2016 Präsidentin des europäischen KMU-Verbandes (UEAPME), der rund zwölf Millionen Unternehmen vertritt. Seit 15. Dezember 2015 ist sie auch Vorstandsvorsitzende im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger. Der Hauptverband ist das organisatorische Dach über der solidarischen Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung Österreichs. Die Sozialversicherung garantiert unabhängig von Alter, Einkommen sozialer Herkunft und Bildung hochwertige Gesundheitsversorgung und eine sichere Pensionsvorsorge. Aktuell sind rund 8,5 Millionen Menschen anspruchsberechtigt (Versicherte und mitversicherte Angehörige). Mag. Rabmer-Koller ist verheiratet und Mutter zweier Kinder.

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Gastkommentare

Gesunde Ernährung kann gelernt und gelebt werden
von Ulrike Rabmer-Koller
Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger
"Lebensmittel: So sicher wie noch nie"
von Wolfgang Kneifel
Leiter des Departments für Lebensmittelwissenschaften und -technologie an der BOKU Wien
"Gesundheitsförderliche Ernährung als Herausforderung"
von Judith Benedics
Fachreferentin für Ernährung im Bundesministerium für Gesundheit

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