Gastkommentar

Angelika Zartl-Klik © OMV/Andreas Jakwert
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Dossier

"Längerfristig steckt im Wasserstoff Potenzial!"

Gastkommentar

23.10.2020
  • Wien (Gastkommentar) - Aus unserer Sicht hat das Thema Wasserstoff längerfristig Potenzial. Wir beschäftigen uns intensiv mit wirtschaftlich tragfähigen Wasserstofflösungen für Industrie und Mobilität. Sowohl Wasserstoff als auch Gas sind für uns Wegbereiter für den Energiewandel hin zu einem CO2-armen Energiesystem.

  • Die OMV hat sich dem Pariser Klimaabkommen und den EU-Klimazielen verpflichtet und wir haben uns erst im Sommer dieses Jahres neue und ehrgeizigere Klimaziele gesetzt. Die OMV beabsichtigt, die Netto-Null-Treibhausgasemissionen ihrer Betriebe (Scope 1 und 2) bis 2050 oder früher zu erreichen. Der klimaneutrale Betrieb wird durch Energieeffizienzmaßnahmen, neue Technologien wie CO2-Abscheidung, CO2-Speicherung und -Verwendung, durch erneuerbare Energien (wie die Photovoltaikanlage in Österreich), Maßnahmen zur Portfoliooptimierung und Einsatz von Wasserstoff erreicht werden. Um den CO2-Fußabdruck des Produktportfolios langfristig deutlich zu reduzieren, wird die OMV unter anderem den Anteil alternativer Einsatzstoffe (wie Kunststoffabfälle, Biokraftstoff/Abfall, E-Fuel/CO2, Biogas, synthetisches Gas) für ihre Produkte erhöhen und sich auf Wasserstofftechnologien konzentrieren, um kommerzielle Anwendungen im Großen für die Zukunft zu identifizieren.

  • Um diese Klimaziele zu erreichen, arbeiten wir an vielfältigen innovativen Technologien. Für die OMV ist Technologieoffenheit wichtig - nur so können wir die effizientesten Lösungen für den jeweiligen Einsatzbereich finden.

  • Wir arbeiten an der Verbesserung und Optimierung der gesamten Energie-Wertschöpfungskette mit nachhaltigem Wasserstoff. Bei der konventionellen Erzeugung von Wasserstoff auf der Basis von Kohlenwasserstoffen gilt es zu verhindern, dass das bei der Dampfreformierung entstehende CO2 als Emission ausgestoßen wird. Stattdessen wollen wir es abtrennen und einer chemischen Weiterverarbeitung unterziehen, wie etwa zur Herstellung von synthetischen Kohlenwasserstoffen, die dann zu Kunst- oder Treibstoffen umgestaltet werden können. Eine weitere vielversprechende Alternative stellt die Spaltung von Erdgas in Wasserstoff und reinen Kohlenstoff mittels Pyrolyse dar, die im Vergleich zur Elektrolyse mit Wasser weniger Energie verbraucht. Geplant ist auch die Herstellung von grünem Wasserstoff. Dabei erfolgt die Elektrolyse mithilfe nachhaltiger Energiequellen wie der Windkraft oder Photovoltaik. Neben grünem Wasserstoff kann der CO2-neutrale oder CO2-ärmere Wasserstoff aus den beiden erwähnten Methoden ein wichtiger Baustein zur Erreichung unserer CO2-Reduktionsziele sein.

  • Im Mobilitätsbereich bietet die OMV mit fünf Wasserstofftankstellen in Österreich als erstes Unternehmen, eine flächendeckende Versorgung an. In Deutschland betreiben wir mittlerweile neun (Stand Ende 2019) Wasserstofftankstellen. Wir sind an der H2 MOBILITY Deutschland GmbH & Co. KG beteiligt, die bis 2023 den Aufbau eines Tankstellennetzes plant, um wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen die Fahrt durch ganz Deutschland zu ermöglichen. Bereits in diesem Jahr werden über die H2 MOBILITY an die 100 Tankstellen in Betrieb sein. Die OMV wird weiterhin Pilotprojekte mit Partnerunternehmen aus der Branche durchführen, um ein Geschäftsmodell für den sektorübergreifenden Einsatz von Wasserstoff zu entwickeln. Das Ziel ist, Wasserstoff als einen Weg zur CO2-neutralen Mobilität, insbesondere im Güter- und öffentlichen Verkehr, zu etablieren.

  • Die OMV unterstützt auch den H2-Einsatz zur Stabilisierung des Stromnetzes, das durch intermittierende erneuerbare Energiequellen vor neuen Herausforderungen steht. Derzeit führt die OMV Studien durch, um die Möglichkeit und Effizienz der Speicherung von Wasserstoff, welcher durch Überschussstrom hergestellt werden kann, in unterirdischen Reservoiren zu bewerten.

  • Zusätzlich kooperieren wir mit unserem Partner Gazprom im wissenschaftlich-technischen Bereich. Gemeinsam arbeiten wir an verschiedenen Forschungsinitiativen, einschließlich energiesparender Technologien, sowie an Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Transport und der Speicherung von mit Wasserstoff angereichertem Erdgas.

  • Die OMV ist Partner von "VERBUND X Accelerator". In diesem Programm sind Start-ups aufgerufen, Lösungen für die Themenbereiche Energie und kritische Infrastruktur einzureichen und nach Auswahl umzusetzen. Im Bereich Wasserstoff ist die OMV als Use case-Partner engagiert. Ganz konkret geht es hier um Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff beziehungsweise eines Wasserstoff-Trägers, damit dieser - je nach lokalem Bedarf als Energieträger - eingesetzt werden kann.

  • Längerfristig steckt im Wasserstoff Potenzial! Um einen erfolgreichen Wasserstoffmarkt in Europa zu entwickeln, braucht es Rahmenbedingungen und einen starken Schulterschluss zwischen Industrie, Hersteller, Verbraucher und auch Politik.

Zur Person

Angelika Zartl-Klik, OMV

DI. Dr. Angelika Zartl-Klik ist Senior Vice President des OMV Corporate Bereiches HSSE (Health, Safety, Security und Environment) & New Energy Solutions. Ihre Hauptaufgaben liegen in der sinnvollen Gestaltung des Übergangs hin zu emissionsarmen Technologien, in der Bündelung und Übernahme des Portfolios für neue Energielösungen und nachhaltiger Projekte sowie der Förderung einer „Startup-Kultur” innerhalb des Unternehmens. Darüber hinaus leitet Angelika Zartl-Klik das internationale Notfall Management Team der OMV zur Corona-Pandemie. Mit einem abgeschlossenen Studium an der Universität für Bodenkultur in Wien startete sie im Jahr 2002 ihre Karriere in der OMV bei der damaligen Umwelttochter OMV Proterra. Angelika Zartl-Klik sammelte unter anderem Erfahrung im Projektmanagement, im Bereich HSSE und als Prozess-Sicherheitsingenieur in Exploration & Produktion. 2018 wurde sie Vice President für HSSE, 2019 übernahm sie ihre derzeitige Position. Sie sieht die Energietransformation als eine der größten und wichtigsten Herausforderung für unsere Generation.

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