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Ressourcenverbrauch: Wie schaffen wir die Wende zur Nachhaltigkeit?

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28.03.2019
  • Wien (BOKU) - Die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens und der Nachhaltigkeitsziele der UNO verlangt nach neuen Ideen, wie Erderhitzung und Biodiversitätsverlust und gleichzeitig Hunger und Armut reduziert werden können. Ein u.a. von WissenschafterInnen des BOKU-Instituts für Soziale Ökologie verfasster Artikel im Fachjournal Nature Sustainability zeigt jetzt, welchen Beitrag die Erforschung des gesellschaftlichen Stoffwechsels zur Nachhaltigkeit im Anthropozän leisten kann.

  • Immer mehr Rohstoffe, Energie und Land werden weltweit genutzt und beeinflussen damit Klima und Ökosysteme. Inzwischen spricht man davon, dass die Menschheit zu einer planetaren Kraft geworden ist, wodurch ein neues Erdzeitalter - das Anthropozän - begonnen hat. Systemische Zugänge sind nötig, um globale ökologische Krisen durch die galoppierende Erderhitzung oder den rapiden Biodiversitätsverlust zu vermeiden und gleichzeitig soziale und wirtschaftliche Ziele wie die Bekämpfung von Hunger, Armut, Ungleichheit oder schlechter Hygiene zu verfolgen. Dazu braucht es die Zusammenarbeit von Natur- und Sozialwissenschaften bei der Erforschung der Gesellschaft-Natur-Interaktionen. Zentral für die Nachhaltigkeitstransformation im 21. Jahrhundert sind vor allem die Zusammenhänge zwischen Ressourcenverbrauch und gesellschaftlich-wirtschaftlicher Entwicklung. In einem aktuellen Artikel in Nature Sustainabilityzeigt ein internationales Team, was sozial-metabolische Forschung dazu beitragen kann.

  • Ökoeffizienz ist business-as-usual

  • Die Entkopplung von Wirtschaftswachstum, Ressourcenverbrauch und den damit verbundenen Umweltauswirkungen ist ein wichtiges Anliegen von Strategien der nachhaltigen Entwicklung. "Steigerungen der Ressourceneffizienz sind in westlichen Industrieländern business-as-usual, da sie auch ökonomische Vorteile bringen", so Studienautor Helmut Haberl vom Institut für Soziale Ökologie der Universität für Bodenkultur Wien. Ergebnis: Der Ressourcenverbrauch wächst zwar langsamer als die Wirtschaftsleistung, aber er kann nicht stabilisiert oder gar reduziert werden. Haberl: "Um Ziele wie Klima- und Biodiversitätsschutz zu erreichen, wäre eine absolute Entkopplung nötig, also eine Verringerung des Ressourcenverbrauchs. Dies konnten wir aber praktisch nirgends beobachten, jedenfalls nicht über längere Zeiträume."

  • Besonders aktuell ist in diesem Zusammenhang die Frage, wie gesellschaftliche Materialbestände wie Gebäude, Straßen, Infrastrukturen oder Maschinen den Ressourcenverbrauch beeinflussen. Diese benötigen nicht nur große Mengen an Ressourcen um errichtet zu werden; sie ziehen auch bestimmte Muster in der Ressourcennutzung und im Alltagsleben der Menschen nach sich. Die Materialbestände benötigen auch laufend Material und Energie zur Erhaltung, Reparatur oder Sicherung. Autos brauchen Treibstoff, Häuser Energie für Heizung und Beleuchtung, um darin wohnen zu können. Militärisch und sicherheitstechnisch heikle Ziele wie z.B. Atomkraftwerke brauchen Schutz, um größere Risiken für Mensch und Umwelt zu vermeiden. Gleichzeitig ist adäquater Wohnraum, Mobilität, Kommunikation usw. für ein gutes Leben notwendig - die Kernfrage ist daher, wie die Materialbestände der Zukunft gestaltet werden können, um wichtige Services mit möglichst niedrigem Ressourceneinsatz bereitstellen zu können.

  • Gutes Leben für alle mit weniger Ressourcen?

  • Ein internationaler Vergleich in der neuen Studie zeigt, dass ein sehr guter sozialer Entwicklungsstand bei weitem nicht den extrem hohen Ressourcenaufwand erfordert der in einigen Ländern beobachtet werden kann. Ab bestimmten Schwellwerten in Ressourcenverbrauch und Materialbeständen wächst zwar die Wirtschaft weiter, der Entwicklungsstand - gemessen am Social Progress Index - kann aber nicht weiter gesteigert werden. Entscheidend für echte Fortschritte in Richtung Nachhaltigkeit wird daher die politische und gesellschaftliche Gestaltbarkeit von Wegen zu einem guten sozialen Entwicklungsstand sein, die mit deutlich weniger natürlichen Ressourcen auskommen als wir heute in den Industrieländern verbrauchen.

  • Helmut Haberl, Dominik Wiedenhofer, Stefan Pauliuk, Fridolin Krausmann, Daniel B. Müller, Marina Fischer-Kowalski: Contributions of socio-metabolic research to sustainability science - NatureSustainability, 2019

  • Der Artikel online: https://doi.org/10.1038/s41893-019-0225-2

    Rückfragehinweis:
    Ao. Univ.Prof. Mag. Dr. Helmut Haberl
    Universität für Bodenkultur Wien
    Institut für Soziale Ökologie
    +43 1 47654-73714
    helmut.haberl@boku.ac.at
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