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Gut bei "Weniger Ungleichheiten", schlecht bei Klimaschutz © APA (AFP)
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SDGs: Österreich mit guter Platzierung unter den EU-28

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28.03.2019
  • Wien (APA-Science) - Die Sustainable Development Goals (SDG) haben 2015 die Millennium Development Goals (MDG) abgelöst und gelten jetzt für alle Länder. Was Josef Obergantschnig, Chief Investment Officer der Security KAG und Präsident von "Ethico", Verein für Wirtschaft und Ethik, bei den SDGs dabei gefehlt hat, ist die konkrete, transparente Messbarkeit und Vergleichbarkeit der Fortschritte.

  • In einem Papier merkt er an, dass für die 17 zugrunde liegenden SDG-Ziele und die 169 Subziele sowohl das Indikatoren-Set als auch konkrete Zielvorgaben nicht vollumfassend definiert wurden. Eurostat hat jüngst ein Indikatorenset zur Messung der 17 SDGs von 143 Einzelindikatoren für die EU-28 erstellt, um sie besser und transparenter vergleichbar zu machen. In Summe attestiert die europäische Statistikbehörde Europa ein gutes Ergebnis. In 70 Prozent der SDGs konnte ein deutlicher (41 Prozent) bzw. moderater (29 Prozent) Fortschritt erzielt werden. Lediglich bei sechs Prozent wird ein unzureichender Fortschritt attestiert. Für die verbleibenden 24 Prozent ist laut Eurostat kein Fortschrittsbericht möglich. Auffallend ist zudem, dass lediglich für 20 Prozent der UN-Einzelindikatoren konkrete Zielvorgaben vorhanden sind.

  • Auf diesen Ergebnissen und dem Indikatorenset hat Obergantschnig seine Arbeit aufgesetzt, um die 28 EU-Mitglieder miteinander vergleichen zu können. Um dahin gehend eine aussagekräftige und vergleichbare Kennzahl ermitteln zu können, wurde ein SDG-Indikator berechnet. Dieser schwankt zwischen 0 (schlechtestmögliches Ergebnis) und 100 (bestmögliches Ergebnis).

  • Nordische Länder voran, Österreich auf Platz 5

  • Zusammengefasst zeigt sich schließlich, dass die nordischen Länder Dänemark (68 Punkte), Schweden (67 Punkte) und Finnland (63 Punkte) das Ranking anführen. Österreich belegt mit 60 Punkten den 5. Platz. Damit liegt man knapp vor Deutschland (59 Punkte) Das Schlusslicht der EU-28 bilden die Länder Bulgarien, Rumänien und Kroatien.

  • Bei 8 der 17 Einzel-SDG-Indikatoren konnte sich Österreich laut der Ethico-Analyse unter den besten 20 Prozent (5 von 5 Sternen) der EU-28 positionieren. Bei den restlichen Indikatoren liegt Österreich im guten Mittelfeld. Lediglich bei drei Indikatoren wurde ein unterdurchschnittliches Ergebnis erzielt.

  • Punktemäßig das beste Ergebnis konnte mit 77 Punkten beim SDG 10 "Weniger Ungleichheiten" erreicht werden. Beim SDG 13 "Maßnahmen zum Klimaschutz" erhielt Österreich die niedrigste Punktezahl (46). Hinsichtlich Platzierung wurde beim SDG 9 "Industrie, Innovation und Infrastruktur" mit dem 2. Rang das beste Ergebnis erzielt. Beim SDG 2 "Kein Hunger" verzeichnete Österreich dagegen die schlechteste Platzierung (16. Rang).

  • Hunger vs. Übergewicht

  • Auf den ersten Blick überrascht, dass Österreich bezüglich "Kein Hunger" unterdurchschnittlich abschneidet (3 Sterne), wo doch Hunger keine wirkliches Thema hierzulande ist. "Das liegt an den Indikatoren, die Eurostat für EU-Staaten definiert", erklärt Obergantschnig. In der UNO-Definition des Goals heißt es: "Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern." Eurostat-Indikatoren wie "Übergewichtsrate", "staatliche Unterstützung für die Agrarforschung" aber auch zum Beispiel "Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft" würden auf das Ergebnis drücken. "Da schneidet Österreich im Vergleich mit anderen Ländern eben nicht so gut ab", so Obergantschnig.

  • Außerdem gab es eine Trendanalyse (1-Jahres- und 5-Jahres-Vergleich). In der 1-Jahres-Analyse konnte sich die Alpenrepublik im Vergleich zu anderen EU-28 Ländern tendenziell verbessern. Es wird aber angemerkt, "dass sich bei längerfristiger Betrachtung Österreich im Vergleich zu anderen EU-28 Ländern deutlich verschlechterte. Während bei 48 Prozent der 143 Einzelindikatoren eine Verschlechterung hingenommen werden musste, konnte Österreich sich bei einem Drittel der Indikatoren im Vergleich zu anderen EU-28 Ländern verbessern", heißt es in der Zusammenfassung der Studie.

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