Gastkommentar

Wolfgang Knoll © AIT/Peter Rigaud
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Dossier

"Talente finden, fördern, halten"

Gastkommentar

01.08.2019
  • Wien (Gastkommentar) - Wissenschaftliche Karrieren passieren nicht, sie sind das Ergebnis harter und konsequenter Arbeit. Das AIT Austrian Institute of Technology bietet für seine über 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Karrierewege mit unterschiedlichen Zugängen an: Wir entwickeln die Fähigkeiten von Menschen weiter und schaffen zwischen Hochleistungswissenschaft und Innovations-Verwertung abwechslungsreiche Möglichkeiten für Menschen, die nach vorne schauen.

  • Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung, wusste schon Heraklit. Und nichts ist so beständig wie der permanente Wandel. Auf keine Phase in der Menschheitsgeschichte treffen diese Beschreibungen besser zu als auf unsere heutige. Wahrscheinlich waren die Ansprüche, die an Forschung und Entwicklung gestellt werden, niemals höher als heute. Denn es gilt Aufgaben zu meistern, die alle Menschen betreffen: Klimawandel, Dekarbonisierung, Digitalisierung, Urbanisierung, Mobilität, Kommunikation, um nur einige zu nennen. Wir werden die Antworten auf diese drängenden Fragen nicht alleine finden. Hier sind Communities in allen Lebensbereichen gefordert. Auch die Scientific Community möchte sich ihrer Zukunfts-Verantwortung nicht entziehen. Lösungen für morgen werden heute von Menschen entwickelt, die weiter denken, ohne Scheuklappen an Fragen herangehen, interdisziplinär und doch der eigenen Expertise streng verantwortlich neue Wege beschreiten.

  • Für Forschungseinrichtungen geht es immer mehr darum, Talente zu finden, zu fördern und - zumindest vorübergehend - zu halten. Wir wissen, dass AIT-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter hochattraktiv für die Industrie sind. Daher arbeiten wir täglich daran, sie laufend zu entwickeln und noch besser zu qualifizieren. Denn die besten Köpfe entscheiden mit, ob ein Thema mit dem entsprechenden Exzellenzanspruch in Angriff genommen werden kann. Dieser Ansatz bedingt ein neues Angebot im persönlichen Karrieremodell. Wir haben uns am AIT vom Dogma der Unternehmenszentriertheit verabschiedet. Wir sehen Karrieremodelle nicht streng fokussiert auf die Bedürfnislage der Organisation, sondern wir versuchen, neue Modelle für die individuelle Karrierelaufbahn hochtalentierter Menschen zu schaffen. Wenn sich unsere Forscherinnen und Forscher persönlich weiterentwickeln, tragen sie auch zur Entwicklung des AIT bei. Wir drehen dazu an mehreren Stellschrauben.

  • Wir versuchen beispielsweise verstärkt Menschen anzusprechen, die eine hohe Affinität und großes Interesse an der Verwertung bzw. Vermarktung von Forschungsergebnissen haben. Um auf Augenhöhe mit internationalen Großunternehmen verhandeln zu können, bedarf es einer anderen Persönlichkeitsstruktur als für Forschung im Labor. Im Spannungsfeld zwischen Hochleistungswissenschaft und dem Auftrag des AIT, seine Leistungen verstärkt auf den Märkten anzubieten, haben wir das Konzept der Business Manager implementiert, das wir sehr erfolgreich verfolgen.

  • Das AIT hat als größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung des Landes auch das Ziel, zur verstärkten Vernetzung des FTI-Systems beizutragen. Wir schließen uns dazu mit Universitäten, anderen Forschungsorganisationen oder auch einzelnen Forschungsgruppen zusammen, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln. So stärken wir auch das Modell der außeruniversitären Forschung und ermöglichen Wechselkarrieren zwischen Universitäten, Unternehmen und auch anderen Forschungseinrichtungen.

  • Dieser Logik folgend, sehen wir es nicht als Verlust an, wenn jemand sich dazu entscheidet, das AIT zu verlassen. Wir wissen aus der Vergangenheit, dass die guten Beziehungen, die das AIT international unterhält, auch auf die Vernetzung mit unseren ehemaligen Kolleginnen und Kollegen zurückgehen. Das AIT bietet sich als Wegbegleiter in bestimmten Lebens- und Karrierephasen an. Wenn wir Menschen in ihren Fähigkeiten stärken, sie "klüger" machen und sie in ganz neue Entwicklungswelten - gleich ob in der Industrie oder in anderen Forschungseinrichtungen - begleiten können, kommt das letzten Endes auch der Reputation und der Forschungstätigkeit unseres Hauses zugute. Wichtig ist, dass unsere AIT-Expertinnen und -Experten im System bleiben - und es freut uns umso mehr, wenn sie sich dazu entschließen, auch wieder in das AIT zurückzukehren. So verhindern wir den viel zitierten "Brain Drain" und schaffen "Brain Gain".

  • Offenheit gegenüber den persönlichen Karrierevorstellungen sowie Respekt gegenüber den Ansprüchen und den Lebensphasen von Forscherinnen und Forschern zeichnen das AIT aus. Positionen in Unternehmen sind in der Regel heute nicht mehr linear. 40 Jahre für eine Institution arbeiten, wird immer mehr zur Ausnahme, auch wenn es natürlich möglich ist.

  • Die große Stärke eines interdisziplinär aufgestellten Unternehmens, wie es das AIT ist, liegt im Chancenangebot. Ja, man kann sich bei uns über viele Jahre einem vielversprechenden Forschungsansatz widmen. Aber es ist eben auch möglich, ganz unterschiedliche Aufgaben wahrzunehmen. Science, Research Engineering & Expert Advice, Management, Support und Technical Services sind Berufsbilder, die wir anbieten. In Rollen wie Project Management, Business Management oder Business Development können unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Neigungen in ganz unterschiedlichen Aufgabenstellungen ihrer persönlichen Evaluierung unterziehen.

  • Somit bietet das AIT die wohl einzigartige Chance, in der gesamten Wertschöpfungskette des Innovationssystems Verantwortung zu übernehmen - von Grundlagenforschung bis hin zur Vermarktung. Das kann eine lineare Entwicklung sein. Das kann aber auch eine Laufbahn sein, in der wir es nicht als Rückschritt betrachten, wenn sich jemand entscheidet, im Unternehmen etwas anderes machen zu wollen. Wir sehen es als Bestätigung für unseren Ansatz, Menschen nach ihren Fähigkeiten optimal einzusetzen und ihnen die für sie passende Karriere zu ermöglichen. Dies alles mit dem Background einer Research and Technology Organisation (RTO), die jährlich viel Geld in die Ausstattung ihrer Forschungsinfrastrukturen investiert, stets bemüht ist, moderne Arbeitsplätze anzubieten und im internationalen FIT-System eine sehr wahrnehmbare Größe geworden ist.

  • Wer sich entschließt, ein Stück seines Weges gemeinsam mit dem AIT zu gehen, wird feststellen: Forschung ist die Basis für jene Agilität, Flexibilität und Mobilität, die heute von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingefordert wird - aber im Falle des AIT Austrian Institute of Technology auch vom Unternehmen gelebt wird, in Forschungsbereichen von A wie Architektur bis Z wie Zellforschung.

Zur Person

Wolfgang Knoll, Austrian Institute of Technology (AIT)

Prof. Wolfgang Knoll (*1949 in Schwäbisch Hall/D) ist seit 2008 Managing Director des AIT Austrian Institute of Technology. Er studierte Physik und später Biophysik an der Universität Konstanz, wo er seine Dissertation im Fachbereich Biologie schrieb. 1986 wurde Knoll Leiter einer Nachwuchsgruppe am Max Planck Institut für Polymerforschung in Mainz. 1991 folgte ein Ruf ans Riken Institut in Tokio sowie von 1993 bis 2008 ein Ruf an der Max Planck Gesellschaft als Direktor; daneben Tätigkeiten als Temasek Professor an der National University of Singapore und am Institute of Materials Research and Engineering. Als wissenschaftlicher Geschäftsführer des AIT hat Knoll dazu beitragen, die internationale Sichtbarkeit des AIT entscheidend zu erhöhen. Er gilt als bestens vernetzt in der weltweiten Scientific Community - ein Umstand, von dem auch das AIT profitiert. Wolfgang Knoll ist Träger der renommierten Wilhelm-Exner-Medaille. Er ist Mitglied der Academia Europaea, Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Ehrendoktor der Universität Twente, Niederlande.

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