Gastkommentar

Detlev Henze © TÜV TRUST IT
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Dossier

"Vorsicht vor Aktionismus beim Thema Cyber-Kriminalität"

Gastkommentar

31.05.2016
  • Wien (Gastkommentar) - Die aktuelle Diskussion zu Cyber-Bedrohungen birgt die Gefahr aktionistischer Maßnahmen und damit falscher Schwerpunkte in den Sicherheitsstrategien. Stattdessen sollten sich die Unternehmen dem Cyber-Problem im Rahmen ganzheitlicher Lösungen widmen.

  • Plötzlich ist im Zusammenhang mit der Informationssicherheit fast nur noch von Cyber-Angriffen die Rede. Dies resultiert nicht nur aus der Erkenntnis immer neuer Studien, denen zufolge sich die meisten Unternehmen zu wenig gegenüber diesen Bedrohungen gerüstet sehen. Einen wesentlichen Anteil haben auch diverse Experten, die sich im übertriebenen Maße zu IT-Security Gefahren in der Öffentlichkeit äußern und Panik verbreiten. Dieses öffentliche Diskussionsklima führt jedoch häufig zu falschen Schwerpunkten in den Sicherheitsstrategien.

  • Auch wenn die Internetkriminalität und die Angriffe aus dem Cyber-Raum deutlich zunehmen, dürfen sie nicht verharmlost werden. Es müssen Antworten darauf gefunden werden, ohne dass ein wilder Aktionismus entsteht. Die Unternehmen beschließen häufig hektisch Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen, die entweder falsch, unzureichend oder übertrieben sind und keine bedarfsgerechte Zielrichtung haben. So entstehen ungewünschte Effekte, weil sich die Sicherheitsverantwortlichen von dem Diskussionstrend verunsichern lassen.

  • Stahltüren in Pappwänden

  • Dabei sind Sicherheitsvorkehrungen häufig insgesamt noch recht lückenhaft. Außerdem fehlen vielfach ausreichende Prozesse zur Informationssicherheit ebenso wie notwendige Präventionsmaßnahmen. Wer seinen Fokus zu sehr auf die Cyber-Kriminalität ohne Berücksichtigung der sonstigen Sicherheitsverhältnisse richtet, baut möglicherweise Stahltüren in Pappwände ein.

  • Unternehmen sollten sich von den diversen Cyber-Gefahren nicht verrückt machen lassen und dadurch falsche Entscheidungen treffen. Statt unreflektiert einem Trend zu folgen, sollten Unternehmen einen genauen Blick dafür entwickeln, welche Maßnahmen im Bereich der Informationssicherheit Sinn machen und ein Höchstmaß an Wirksamkeit erzeugen. Dabei hilft eine strukturierte Analyse der in den Unternehmen vorhandenen Informationswerte. Mit dem Wissen, welche Informationen für den Geschäftserfolg am wichtigsten sind, können effektive Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet werden.

Zur Person

Detlev Henze, Geschäftsführer TÜV TRUST IT

Detlev Henze verfügt über 30 Jahre Erfahrung in der IT-Branche. Dort war er in führenden Positionen bei namhaften Unternehmen wie Amdahl Corporation, der Software AG und der TÜV Rheinland Group tätig. Henze ist Geschäftsführer der TÜV TRUST IT GmbH Unternehmensgruppe TÜV AUSTRIA, einem internationalen TÜV IT Dienstleister mit Schwerpunkten in den Bereichen Management der Informationssicherheit, Mobile Security, Cloud Security, Sicherheit von Systemen, Applikationen und Rechenzentren, IT-Risikomanagement und IT-Compliance. Die TÜV TRUST IT versteht sich als IT TÜV und begleitet Unternehmen dabei, ihre Informationen und die notwendige IT Systemtechnik angemessen zu schützen und damit die Risiken zu erkennen, zu minimieren und beherrschbar zu machen. Darüber hinaus ist Herr Henze Gesamtverantwortlicher für den Vertrieb des TÜV AUSTRIA und verantwortlich für die IT Strategie des Konzerns.

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