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Was macht Essen "gesund"?

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30.06.2016
  • Wien (ACR) - "Du bist, was Du isst" ist ein bekanntes Sprichwort und spiegelt das Wissen um die positive Wirkung einer ausgewogenen Ernährung wider. In Europa nimmt trotz der Verfügbarkeit von hochqualitativen Lebensmitteln die Anzahl an Erkrankungen mit dem Metabolischen Syndrom zu, wobei Blutfettgehalt, Blutdruck und Blutzucker kritische Werte sind, die mit Herzinfarkt, Arteriosklerose und Typ-2-Diabetes in Zusammenhang stehen. Ein internationales Forschungsprojekt, an dem das ACR-Institut LVA beteiligt ist, will dieser Frage auf den Grund gehen.

  • Das Projekt PATHWAY-27 hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Wirkung von gesundheitsfördernden Bestandteilen in Lebensmitteln herauszufinden, und zwar nicht als "Reinstoffe", sondern im Zusammenspiel untereinander und auch in der Wechselwirkung mit dem Produkt, in dem diese Bestandteile enthalten sind. Der Zugang ist praxisnah und beinhaltet Produktentwicklungen für drei Pilotversuche und eine Interventionsstudie. Damit will das Forscherteam von PATHWAY-27 über die bisher verfügbaren Laborergebnisse hinaus gehen und vor allem alltägliche Ernährungsgewohnheiten in die Studien mit einbeziehen.

  • Im Zentrum der Forschungstätigkeiten von PATHWAY-27 werden drei bioaktive Stoffe stehen, die in drei häufig konsumierten Lebensmittelmatrices verarbeitet werden. Die bioaktiven Stoffe sind dabei diejenigen, denen eine Gesundheitswirkung zugeschrieben wird: DHA ist eine essentielle Omega-3-Fettsäure und unterstützt die Gesundheit der Gefäße, ß-Glucan ist ein Ballaststoff und hilft den Cholesterinspiegel zu senken und Anthocyanine sind natürlich vorkommende Farbstoffe, die durch ihre antioxidative Wirkung Zellstress abbauen.

  • Bioaktive Stoffe können jedoch nicht isoliert betrachtet werden, sondern immer im Zusammenhang mit der sie umgebenden Matrix. Jedes Lebensmittel zeichnet sich durch bestimmte Eigenschaften des Aufbaus und der Zusammensetzung aus. Die Matrix eines Milchproduktes (im Projekt: Milchshake) unterscheidet sich von der eines Getreideproduktes (im Projekt: Keks) und ebenso von der eines Eiproduktes (im Projekt: Omelett) und kann sich dementsprechend verschieden auf zugesetzte bioaktive Stoffe auswirken. Das Forschungsprojekt will nun die bioaktiven Stoffe hinsichtlich ihrer Effekte in diesen Lebensmitteln sowie bezüglich möglicher Synergie-Effekte untereinander untersuchen. Technologische Eingriffe während der Produktion und deren Einfluss auf die bioaktiven Substanzen werden ebenso evaluiert.

  • Dabei stellen sich bezüglich der Aufnahme von mit bioaktiven Stoffen angereicherten Lebensmitteln (im Projekt: Milchshake, Keks und Omelett, die mit DHA, ß-Glukan und/oder Antocyaninen versetzt sind) Fragen wie z.B.: Wirken die bioaktiven Stoffe anders/besser in einer bestimmten Matrix? Beeinflussen sich die bioaktiven Stoffe untereinander? Wodurch wird die Bioverfügbarkeit, also die Aufnahme eines Stoffes durch das Verdauungssystem in den Körper beeinflusst? Wie beeinflusst die Aufnahme der bioaktiven Stoffe die Symptome des Metabolischen Syndroms, das als eine der Ursachen für Gefäßkrankheiten bzw. Herzkranzgefäßerkrankungen gilt? Dazu gehören etwa bauchbetonte Fettsucht (abdominelle Adipositas), Insulinresistenz (Typ-2-Diabetes), Fettstoffwechselstörungen (erhöhter Triglyzeridspiegel) und Bluthochdruck (Hypertonie).

  • Um diesen komplexen Themenkatalog zu bearbeiten, wurde für PATHWAY-27 ein paneuropäisches Konsortium aus 27 Partnern zusammen gestellt, das sich aus sozial- und ernährungswissenschaftlichen Forschungseinrichtungen zusammen setzt, außerdem beteiligen sich Institute für Lebensmitteltechnologie sowie Produzenten und Zulieferer für die Entwicklung von Testprodukten.

  • Das PATHWAY-27 Konsortium bereitet aktuell die Interventionsstudie vor und kann bereits auf Resultate der bisherigen Forschung verweisen. Dazu gehören Ablaufprotokolle, die Rezepturen der Pilotprodukte, sowie Empfehlungen und Richtlinien für Interventionsstudien. Im Entstehen sind derzeit auch Leitfäden für KMU für die Produktion gesundheitsfördernder, angereicherter Lebensmittel und Richtlinien für die Erstellung von Health-Claim-Dossiers, wie sie bei der Beantragung gesundheitsbezogener Angaben bei der EFSA vorzulegen sind.

  • Die Forschungsergebnisse aus dem Projekt PATHWAY-27 werden ein besseres Verständnis für den Stoffwechsel von bioaktiven Stoffen ermöglichen. Die Produktentwicklungen zeigen erste Möglichkeiten der Umsetzung dieser Erkenntnisse in verschiedenen Lebensmitteln. Mit der Ausarbeitung von Richtlinien und Leitfäden soll vor allem KMU der Zugang zu den Forschungsergebnissen erleichtert werden.

  • PATHWAY-27 widmet sich auch der Förderung von Nachwuchsforschern innerhalb des Projektes mit einem Austauschprogramm, das die beteiligten Institute betreiben. Die Weitergabe und Verbreitung des generierten Wissens ist integraler Bestandteil und spiegelt sich in Publikationen und Konferenzteilnahmen (FENS, Foodomics) wider.

  • The research leading to the project results has received funding from the European Communities SEVENTH FRAMEWORK PROGRAMME (FP7/2007-2013) under grant agreement no. 311876.

  • Kontakt:

    DI Christine Grabler und DI Julian Drausinger
    LVA Lebensmittelversuchsanstalt
    Blaasstraße 29
    1190 Wien
    Tel: +43 1 368 85 55 - 23 oder - 25
    Email: Christine.grabler@lva.at oder 
    julian.drausinger@lva.at
  • Projektinformation:

  • www.pathway27.eu

  • www.facebook.com/pathway27

  • Nachlese:

  • Francesco Capozzi and Alessandra Bordoni,

  • Foodomics: a new comprehensive approach to food and nutrition

  • Genes Nutr. 2013 Jan; 8(1): 1-4. Published online 2012 Aug 30. doi: 10.1007/s12263-012-0310-x PMCID: PMC3535000 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3535000/

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