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Erdbeobachtung ermöglicht spannende Einblicke © APA/ESA/Airbus Defense and Space
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Weltraumforschung: Der Blick von außen

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31.03.2015
  • Wien/Graz (APA-Science) - Auch wenn der Landeroboter "Philae" vom fernen Kometen "Tschuri" derzeit keine Lebenszeichen schickt: Die Weltraumforschung ist einer jener Teilbereiche der Geowissenschaften, der in letzter Zeit für einiges Aufsehen gesorgt hat. Wie gut Österreich hier aufgestellt ist und was damit über Veränderungen auf der Erdoberfläche herausgefunden werden kann, ist auch Thema beim Kongress der European Geosciences Union (EGU), der vom 12. bis 17. April in Wien stattfindet.

  • "Bei den Weltraumwissenschaften spielen wir in der Weltliga unter den ersten zehn Vereinen mit, weil wir uns auf bestimmte Bereiche beschränkt haben", erklärte Wolfgang Baumjohann, Leiter des Grazer Instituts für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), gegenüber APA-Science. Neben der Rosetta-Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA steht derzeit das unter Federführung des IWF gebaute Instrument MIDAS (Micro-Imaging Dust Analysis System), mit dem die Form der vom Kometen freigesetzten Staubteilchen erforscht werden soll, im Fokus.

  • Aber auch bei nicht ganz so öffentlichkeitswirksamen Projekten ist Österreich mit an Bord. Erst Mitte März startete die NASA-Mission Magnetospheric Multiscale (MMS) von Cape Canaveral (USA) aus. Das IWF ist größter nicht-amerikanischer Partner des Projekts, bei dem die Dynamik der Magnetosphäre der Erde mit gleich vier Satelliten untersucht wird. So können räumliche und zeitliche Änderungen verdeutlicht werden, erklärte Baumjohann.

  • Neues Magnetometer für Jupiter-Mission

  • Ein vom IWF entwickeltes Instrument, das "Coupled dark space magnetometer" (CDSM), kommt wiederum im Rahmen der China Seismo-Electromagnetic Satellite-Mission (CSES) zum Einsatz. "Im Jahr 2016 machen wir erstmals mit einem chinesischen Satelliten einen Testflug. Anfang des nächsten Jahrzehnts geht es dann mit der JUICE-Mission der ESA zum Jupiter", erklärte Baumjohann. Das CDSM ermöglicht eine präzise Bestimmung des Magnetfelds und hat auch ein hohes Potenzial für erdgebundene, kommerzielle Anwendungen in der Geowissenschaft.

  • In der Vermessung des Magnetfelds und Messungen der Erdanziehung durch Satelliten sieht Baumjohann auch den größten Beitrag der Weltraumforschung für die Geowissenschaften. In der Meteorologie ersetze die Beobachtung aus dem Weltall viele Wetterstationen und ermögliche so vernünftige Vorhersagen. Ähnliches gelte für die Geophysik, wenn es etwa um die Eisbedeckung der Antarktis oder Meeresströmungen geht. "Insgesamt sind Erdbeobachtungsmissionen wichtige Punkte, wo man in den meisten Fällen mit Radargeräten oder Fotos viel über Veränderungen auf der Erdoberfläche rausfinden kann", sagte Baumjohann.

  • Drohnen brauchen Terrain-Kenntnisse

  • Dazu zählt beispielsweise die Vermessung von Almflächen oder die Grenzsicherung. "Die ESA hat ja mit der EU zusammen das Sentinel-Programm entwickelt, wo viele Erdbeobachtungssatelliten gebaut werden, die dann bestimmte Aufgaben haben. Die können teilweise sogar militärisch sein", erklärte der Experte. So brauche man gar keine Drohnen schicken, wenn man das Terrain nicht genau kenne.

  • Fortschritte in der Weltraumforschung habe es in letzter Zeit vor allem durch die Entwicklungen bei Hochleistungsrechnern gegeben: "So sind wir in der Lage, die Simulationen, die wir machen, auf immer kleinere Orts- und Zeitskalen runterzubekommen. Dadurch können wir uns der Wirklichkeit viel stärker annähern", so Baumjohann. Der Trend zu Big Data-Analysen spiele hingegen keine große Rolle, weil man es aufgrund der komplexeren Übermittlung aus dem Weltall mit einer endlichen Menge an Daten zu tun habe.

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