Optimierte Energiesysteme auf Rädern
Vorarlberg will bis 2050 energieautonom sein - ein ambitioniertes Ziel, das innovative Lösungen verlangt. Gleichzeitig sollen laut EU-Vorgabe (Clean Vehicles Directive) bis 2030 mindestens 65 Prozent aller neuen Busse im öffentlichen Verkehr sauber unterwegs sein. Auch in Vorarlberg steigt die Zahl der E-Busse: von aktuell 30 auf rund 130 bis Ende 2025. Doch mit dem Ausbau der E-Mobilität steigen auch die Anforderungen an das Stromnetz.
Forschung an der FHV spart Stromkosten
E-Busse benötigen viel Energie - schnell und regelmäßig. Wird ohne Plan geladen, entstehen teure Lastspitzen, die das Stromnetz belasten. Genau hier setzen zwei Forschungsprojekte der FHV - Vorarlberg University of Applied Sciences an. Klaus Rheinberger von der FHV führt aus: "Die Projekte FreeE-Bus, gefördert von Interreg ABH, und EbusCharge, gefördert vom Klima- und Energiefonds, verfolgen das Ziel eines intelligenten Lademanagements. Das soll helfen den Netzausbau zu reduzieren, Stromkosten zu senken und neue Geschäftsmodelle ermöglichen."
Flexibel statt teuer laden
Durch optimierte Ladepläne lassen sich Ladeleistungen besser verteilen, kleinere Infrastrukturen planen und dynamische Stromtarife nutzen. In Zukunft könnten E-Busse sogar als mobile Speicher Strom zurück ins Netz einspeisen - ein Mehrwert für Energieversorger und Betreiber zugleich.
Die bisherigen Analysen zeigen großes Potenzial, wie Rheinberger bestätigt: "Unsere Optimierungen und Simulationen an der FHV belegen, wie stark sich eine koordinierte Ladebewirtschaftung auf das Gesamtsystem auswirkt. Dabei werden auch künftige Ausbauszenarien mitgedacht."
Transfer auf E-Autos
"Die entwickelten Methoden sind nicht nur für E-Busse relevant, sondern mit Anpassungen auch auf E-Nutzfahrzeuge, E-PKW-Flotten und private E-Autos übertragbar", betont Rheinberger. Bei einer ganzheitlichen Optimierung des Energiesystems können auch PV-Anlagen, Wärmepumpen, thermische und elektrische Energie-Speicher, Wärmenetze und Energiegemeinschaften mit einbezogen werden. Zu den größten Herausforderungen zählen die Datenverfügbarkeit, IT-Integration und die Prognose unsicherer Faktoren. Auch die Frage nach der besten Steuerung - zentral oder dezentral - ist Teil der laufenden Forschung.
Forschung mit Wirkung
Rheinberger hebt abschließend die Bedeutung der Projekte FreeE-Bus und EbusCharge hervor: "Um substanziell auf klimafreundliche Energieversorgung umzustellen, müssen wir die erneuerbare Energie effizient nutzen. Die entwickelten Werkzeuge sind vielseitig einsetzbar und somit eine Chance für die Region, für Unternehmen und für die nächsten Generationen."
Kontakt: FHV - Vorarlberg University of Applied Sciences Klaus Rheinberger klaus.rheinberger@fhv.at Mehr Infos: www.fhv.at/fbe