Umweltschutz und Veterinärmedizin
Die nächste internationale Klimakonferenz steht vor der Tür: Am 10. November startet die COP30, diesmal im brasilianischen Belém. Ob sie einen nennenswerten Beitrag zum Umweltschutz leisten wird? Ich weiß es nicht. Zuversichtlich bin ich nicht. Aber hoffen muss man. Ich glaube in jedem Fall aber, dass jede und jeder Einzelne von uns sowie die verschiedenen Fachgebiete ihren Beitrag leisten können und müssen.
Und deshalb möchte ich mich hier auf die Aspekte konzentrieren, wo wir in Österreich im Bereich der Veterinärmedizin einen Beitrag zum Umwelt- bzw. Klimaschutz leisten können. Da ist zuallererst unser Beitrag zur Gesunderhaltung und Leistungsfähigkeit der Tierbestände zu nennen. Insgesamt zielt unsere Forschung darauf ab, zu den UNO-Nachhaltigkeitszielen, den Sustainable Development Goals beizutragen. Allein zum SDG15 "Leben an Land" laufen an der Vetmeduni aktuell über 180 größere und kleinere Projekte. Die Themen reichen von der mikrobiologischen Qualität veganer Produkte über silierte Insektenlarven als nachhaltige Proteinquelle für Nicht-Wiederkäuer bis zum Konfliktpotenzial von Almwirtschaft und Tourismus.
Zudem gibt es an der Vetmeduni Untersuchungen zum Hitzestress bei Rindern und Kälbern, zum großen Thema Antibiotikaresistenzen, zum Einfluss der Waldbewirtschaftung auf kleine Wildtiere wie den Siebenschläfer und zur Frage, ob sich Menschen und Wölfe an ein gemeinsames Leben anpassen können. All diese Projekte zielen darauf ab, hier in Österreich - quasi vor unserer Haustür - intakte Ökosysteme und ihre Leistungen zu erhalten, wiederherzustellen und nachhaltig zu nutzen; sie setzen ganz konkret Maßnahmen gegen den akuten Biodiversitätsverlust, die Verschlechterung natürlicher Lebensräume und vieles mehr.
Mensch ist von gesunden Tieren und intakter Umwelt abhängig
Wichtig ist uns dabei besonders der One Health-Ansatz. Das One Health-Konzept basiert auf der Erkenntnis, dass die Gesundheit von Menschen, Tieren und Ökosystemen untrennbar miteinander verbunden ist. Krankheiten wie COVID-19, die Vogelgrippe oder zuletzt in unserer unmittelbaren Nachbarschaft die Maul- und Klauenseuche haben gezeigt, wie schnell kleinste Erreger einen riesigen, auch ökonomischen Schaden anrichten können, wie sehr wir Menschen von gesunden Tieren und einer intakten Umwelt abhängen. Veterinärmedizinerinnen und -mediziner stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, zoonotische Krankheiten zu überwachen, zu kontrollieren und zu verhindern, denn sie arbeiten in der Tierhaltung, der Lebensmittelproduktion und im Naturschutz und tragen so zur globalen Gesundheit bei.
Eine wichtige One-Health-Initiative ist dabei das gemeinsam mit der Medizinischen Universität Innsbruck organisierte Symposium "One Health Tirol. Gemeinsam für gesunde Menschen und Tiere." Es zeigt seit mittlerweile drei Jahren, dass interuniversitäre Kooperationen und interdisziplinäre Forschung hervorragend funktionieren und auch weiter ausgebaut werden können. Das ist unser erklärtes Ziel! Damit Klimaschutz zumindest auf regionaler bzw. nationaler Ebene funktioniert, wenn schon die internationalen Klimakonferenzen nur überschaubar viel zum Klimaschutz beitragen können.
Zur Person:
Prof. DDr. Matthias Gauly studierte Agrarwissenschaft und Veterinärmedizin an den Universitäten Bonn und Gießen. Nach verschiedenen Stationen in Deutschland war er ab 2017 Prodekan für Forschung an der Fakultät für Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bozen. Seit April 2025 ist er Rektor der Veterinärmedizinischen Universität Wien, einer seiner Arbeitsschwerpunkte ist die intensivere Vernetzung von Veterinärmedizin und Landwirtschaft unter besonderer Berücksichtigung des One-Health-Ansatzes und regionaler Besonderheiten des alpinen Raumes.
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