Stärkung der digitalen Kompetenz im Pflegebereich: für mehr Entlastung, Selbstbestimmung und zukunftsfähige Versorgung
Das Forschungsprojekt DiKomP der FHV - Vorarlberg University of Applied Sciences entwickelt praxisnahe Konzepte für eine moderne, digitale Pflegebildung.
Die Pflegelandschaft steht vor großen strukturellen Veränderungen: Mit dem demografischen Wandel steigt der Pflegebedarf weiter an, während gleichzeitig zu wenige neue Fachkräfte nachkommen. Expert:innen - wie zum Beispiel die Gesundheit Österreich GmbH - betonen daher, dass digitale Technologien ein wichtiger Baustein für Entlastung und Versorgungsqualität sind. Mit der Voraussetzung, dass diese von Pflegekräfte kompetent und reflektiert eingesetzt werden können.
Genau hier setzt das von Interreg ABH geförderte Projekt DiKomP - Digitale Kompetenz für Pflegekräfte und Menschen mit Pflegebedarf an, das vom Forschungszentrum Human-Centred Technologies an der FHV gemeinsam mit der Hochschule Kempten und den Praxispartnern Caritas Altenhilfe Konstanz sowie den Sozialdiensten Götzis durchgeführt wird. Projektleiterin Helena Hosp betont: "Unser Projektziel ist es, digitale Kompetenzen systematisch in Aus-, Fort- und Weiterbildung zu verankern und sowohl Pflegepersonen als auch Menschen mit Pflegebedarf zu befähigen, Technologien sicher und selbstbestimmt zu nutzen."
Digitale Kompetenz und Pflegeberatung zu digitalen Technologien als Schlüssel zur Entlastung
Viele Pflegekräfte fühlen sich für digitale Anwendungen unzureichend vorbereitet. Studien zeigen, dass ein Großteil der Beschäftigten im Gesundheitswesen bislang keine fundierte digitale Schulung erhalten hat. DiKomP setzt daher auf praxisnahe Lernformate, die sich in den Arbeitsalltag integrieren lassen: kurze Videoimpulse, kompakte Online-Module sowie Trainings mit assistiven Technologien. Ergänzt wird dies durch Grundlagen zu KI, Datenschutz und digitaler Reflexionskompetenz.
Die Herausforderungen in der Pflegeberatung werden im Rahmen eines sogenannten Quartiersansatzes erprobt. Dabei werden Angebote gezielt am lokalen Lebensumfeld ausgerichtet: Bedarfe werden gemeinsam mit Akteur:innen vor Ort identifiziert und durch passgenaue Informations-, Beratungs- und Bildungsangebote aufgegriffen.
"Die größte Hürde ist nicht die Technik, sondern die Haltung und das Wissen", erklärt Helena Hosp. "Unser Ziel ist es, digitale Kompetenz so zu vermitteln, dass Technologien im Pflegealltag als echte Unterstützung erlebt werden."
Die Inhalte orientieren sich am europäischen DigComp-Rahmen und schaffen damit eine langfristige Grundlage für die sichere Nutzung digitaler Anwendungen, auch für zukünftige KI-gestützte Systeme.
Regionale Wirkung für Vorarlberg und den Bodenseeraum
Durch die enge Zusammenarbeit mit regionalen Partnern wurden Lernmaterialien entwickelt, die die realen Herausforderungen in Pflegeeinrichtungen abbilden. Einrichtungen profitieren davon, dass Pflegekräfte schneller in digitale Systeme eingearbeitet werden, Entlastungspotenziale besser erkennen und aktiv in Digitalisierungsprozesse eingebunden sind. Das steigert sowohl Effizienz als auch Arbeitszufriedenheit.
Simone Fleisch, MSc bei den Sozialdiensten Götzis erläutert aus der Praxis: "Als besonders positiv habe ich empfunden, dass wir durch die Bedarfsanalyse den aktuellen Stand und das vorhandene Entwicklungspotenzial im Bereich der Digitalisierung der Mitarbeitenden erfassen konnten. Die Ergebnisse fielen teilweise überraschend aus und ermöglichten es uns, gezielte Maßnahmen für das Projekt abzuleiten. Zudem gestaltete sich die Zusammenarbeit mit den Projektpartner:innen sehr zielführend."
Nachhaltige Verankerung in der Bildungslandschaft
Die im Projekt entwickelten Konzepte sollen dauerhaft in Pflegeausbildungen, Fort- und Weiterbildungen sowie in kommunalen Beratungsstrukturen verankert werden. Ab 1. April 2026 stehen alle Lerninhalte zudem als frei zugängliche MOOCs auf iMooX.at (unter https://imoox.at/course/DiKomP) zur Verfügung.
"Digitalisierung mit der Pflege - nicht für die Pflege"
Den Kern des Projekts fasst Hosp prägnant zusammen: "Wir wollen nicht Digitalisierung für die Pflege machen, sondern Digitalisierung mit der Pflege. Nur so wird sie nachhaltig, akzeptiert und wirksam."
Mit DiKomP übernimmt die FHV gemeinsam mit der Hochschule Kempten sowie den Praxispartnern Caritas Altenhilfe Konstanz und den Sozialdiensten Götzis eine wichtige Rolle dabei, digitale Pflegebildung in Vorarlberg und der Bodenseeregion wissenschaftlich wie praktisch weiterzuentwickeln.
Kontakt: Helena Hosp Forschungszentrum Human-Centred Technologies FHV - Vorarlberg University of Applied Sciences helena.hosp@fhv.at +43 5572 792 3742 Mag. Birgit Krampl F&E-Kommunikationsmanagerin Forschungsservice T +43 5572 792 3703 | birgit.krampl@fhv.at www.fhv.at