Nashorn-Schau ohne Nashorn: NHM-Ausstellung "Verfrachtet"
Nur noch rund 28.000 lebende Nashörner gibt es weltweit - die Anzahl der erlegten und ausgestopften Tiere dürfte diese dürftige Zahl jedoch deutlich übersteigen. Dem stattlichen Tier als "Role Model" im negativen Sinne ist nun eine kompakte Sonderschau im Naturhistorischen Museum (NHM) Wien gewidmet, die ohne Nashorn-Artefakt auskommt. Unter dem Titel "Freighted - Verfrachtet. 500 Jahre Sammeln und Ausstellen von Nashörnern" präsentiert sie sich in einer engen Transportkiste.
An den Wänden der offenen Frachttruhe, in der man ein ausgewachsenes Tier befördern könnte, finden sich allerlei Darstellungen von Nashörnern. Zusammengetragen hat diese die südafrikanische Künstlerin Fritha Langerman von der Universität Kapstadt. Der Besuch der im Saal 21 des NHM befindlichen Aufstellung soll gleichsam "inspirieren und nachdenklich stimmen". So lasse sich über die seit mehr als 500 Jahren bestehende Praxis des Verbringens und Herzeigens der ikonischen Tiere sinnieren.
"Nashorn in Fragmenten" und zwei vollständige Exponate
Als Ausgangspunkt fungiert nämlich Albrecht Dürers bekannter Holzschnitt "Rhinoceros", den er auf Basis von Schilderungen einer Nashorn-Lieferung Anfang des 16. Jahrhunderts nach Portugal anfertigte. Die Ausstellung zeige ganz bewusst "das Nashorn in Fragmenten", heißt es in den Unterlagen zu der Schau. Sie folgt "symbolisch den historischen Routen der Megafauna und wurde ausgehend von Kapstadt an mehreren bedeutenden Stationen in Europa gezeigt, darunter Museen, Universitäten und Zoos in Städten wie Lissabon, Madrid, Leipzig, Brüssel, Antwerpen, Kronberg und Prag". In Wien ist sie bis zum 5. Jänner 2026 zu sehen.
Neben der laut NHM-Generaldirektorin Katrin Vohland "die faszinierende Kulturgeschichte von Nashörnern" umfassenden, zeitlich begrenzten Sonderausstellung wartet das Haus an der Wiener Ringstraße aber auch mit zwei Nashorn-Exponaten in Lebensgröße in der Dauerausstellung auf: In der Nashornvitrine in Saal 35 sind dies ein 1908 erlegtes Breitmaulnashorn, das zur heute "praktisch ausgestorbenen nördlichen Unterart 'Ceratotherium simum cottoni'" zählt. Das Prädikat "historisch besonders wertvoll" verdiene das junge männliche Java-Nashorn aus dem Jahr 1801. Dieses Tier war ursprünglich für den Schönbrunner Tiergarten bestimmt. Nach seinem Tod auf der langen Schiffsreise landeten die Überreste im Museum.
Service: https://nhm-wien.ac.at
Das könnte Sie auch interessieren
Partnermeldung
JKU Forschung: Linzer Perowskit-Solarzellen bestehen Härtetest im Weltraum
News
US-Richterin verfügt Wiederherstellung von Ausstellung über Sklaverei
Partnermeldung