ERC Consolidator Grant für Dr. Fredy Mora Gámez
Was: EU-Förderung zur Erforschung von Gegenständen, die Migrant*innen auf ihrer Reise selbst anfertigen
Warum: Besseres Verständnis für die Lebenswirklichkeit von Menschen auf der Flucht
Wer: Dr. Fredy Mora Gámez (an der JKU ab September 2026)
Migration ist ein brennendes Thema unserer Zeit. Ein neuer ERC Consolidator Grant soll nun einen bisher kaum beachteten Aspekt des Phänomens Migration beleuchten: Die Geschichte jener Gegenstände, die Menschen auf ihrer Flucht anfertigen. Das Projekt "HANDigiCRAFT" wird von Dr. Fredy Mora Gámez geleitet, der im September 2026 an die Johannes Kepler Universität Linz wechseln wird.
Ein ERC Consolidator Grant ist ein hochdotiertes Forschungs-Förderprogramm des European Research Council (ERC) der Europäischen Union. Er richtet sich an exzellente Wissenschaftler*innen, die bereits wichtige Forschungserfolge erzielt haben. Für eine Laufzeit von fünf Jahren wird das Projekt mit bis zu zwei Millionen Euro gefördert. Nur die exzellentesten Vorschläge werden in einem hochkompetitiven Verfahren von internationalen Gutachter*innen genehmigt.
"Ich freue mich sehr, Dr. Mora Gámez bald an unserer Universität an der Abteilung Gesellschaftstheorie und Sozialanalysen begrüßen zu dürfen. Die Genehmigung des ERC Consolidator Grants ist ein Beleg für die hohe wissenschaftliche Expertise, die dieser anerkannte Forscher mitbringt. Ich gratuliere ihm herzlich zu diesem Erfolg und wünsche seinem wichtigen Projekt viel Erfolg!", so JKU Rektor Univ.-Prof. Stefan Koch.
"Ich gratuliere Fredy sehr herzlich zu diesem großartigen Erfolg und freue mich sehr über dieses wichtige Projekt an unserer Abteilung. Es stützt sich auf feministische dekoloniale Ansätze, um eine Methode zu entwerfen, die das von Migrant*innen durch ihre Handarbeit entwickelte Wissen sichtbar macht. Insbesondere zielt HANDigiCRAFT darauf ab, vielfältige Kooperationen zwischen Sozialwissenschaftler*innen, künstlerisch Forschenden und Aktivist*innen zu fördern, um so neue Ansätze zum Verständnis von Menschen ,in Bewegung' sowie zum sozialen Leben der von ihnen angefertigten Handarbeiten zu entwickeln", meint Univ.-Prof.in Dr.in Brigitte Bargetz, Leiterin der Abteilung Gesellschaftstheorie und Sozialanalysen der JKU.
Wichtiger Teil der Fluchterfahrung
"Wenn wir von Migration und Asyl hören, denken wir normalerweise an überfüllte Grenzübergänge, umfangreiche bürokratische Verfahren und die prekäre Situation von Migrant*innen. Selten denken wir an die von Menschen auf der Flucht handgefertigten Gegenstände, das Wissen, das diese Gegenstände in sich tragen, was diese Gegenstände ermöglichen und die Geschichten, die diese Gegenstände über die Reisen von Menschen auf der Flucht erzählen",beschreibt Dr. Fredy Mora Gámez (derzeit noch Universität Wien) die Idee für sein Projekt.
HANDigiCRAFT geht einen innovativen Schritt weiter, indem es handgefertigten Gegenständen von Menschen auf der Flucht und den Beziehungen, die sich um sie herum entwickeln, Aufmerksamkeit schenkt - beides Aspekte, die mit herkömmlichen Konzepten und Methoden nicht sichtbar werden.
Dabei geht es darum, zu zeigen, warum Handwerk für die Menschen, die es anfertigen, und für die Menschen, die es benutzen, eine besondere Bedeutung hat. Und das nicht nur in Textform, sondern auch mit Bildern, Videos oder interaktiven Darstellungen.
Außerdem will das Projekt Gespräche darüber anregen, wie sich Menschen bewegen oder migrieren - und wie auch Dinge, Werkzeuge oder Materialien "unterwegs" sind.
Dafür werden verschiedene Forschungsrichtungen miteinander verbunden. Das Projekt nutzt Ideen aus der Technikforschung, der Migrationsforschung und feministischen/dekolonialen Ansätzen, um Migration auf neue Weise zu verstehen - nämlich über handwerkliche Arbeit und moderne digitale Methoden.
"So werden beispielsweise upgecycelte Uhren in Griechenland, handgefertigter Schmuck in Spanien und Papierskulpturen in Kolumbien digital lesbar gemacht, um ihre Entstehungsgeschichte nachzuzeichnen und aus ihren Reisen zu lernen. Eine interaktive multimodale Plattform wird die bislang unbekannten Geschichten rund um Handwerkskunst zugänglich machen, die von Menschen aus aller Welt beigesteuert werden, die sich damit beschäftigen", erklärt der Forscher.
Sein Wunsch: HANDigiCRAFT soll Handarbeit neu als eine Wissenspraxis etablieren, die soziale Beziehungen über Grenzen hinweg vermittelt - und so zum Wissen und Verständnis über die Menschen beitragen, die als Migrant*innen unter schwierigen Bedingungen eine neue Heimat suchen.
Kontakt: Fredy Mora Gámez E-Mail: famorag@gmail.com Tel.: 0681 20 77 36 63
Mag. Christian Savoy PR-Mitarbeiter Universitätskommunikation JOHANNES KEPLER UNIVERSITÄT LINZ Altenberger Straße 69 4040 Linz, Österreich T +43 732 2468 3012 christian.savoy@jku.at www.jku.at