Arbeit an neuer Strategie für mehr Finanzbildung gestartet
Seit September 2021 läuft in Österreich die Umsetzung der Nationalen Finanzbildungsstrategie, die mit EU-Kommission, OECD und nationalen Institutionen erarbeitet wurde. Ziel ist, die Finanzkompetenzen im Land zu verbessern. 185 Maßnahmen wurden seither gesetzt, 90 davon an den Schulen. Nun wurde die Arbeit an der Folgestrategie begonnen, Schwerpunkte sollen Zukunftsvorsorge, Finanz- und Kapitalmarkt und Betrugsprävention sein, hieß es am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.
Konkret geplant ist etwa eine Weiterentwicklung des im Herbst 2024 gestarteten Finanznavi, bei dem man auf einen Klick Finanzinfos zu allen Lebenslagen bekomme, erklärte Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) nach einer Sitzung des von ihr geleiteten Finanzbildungsrats. Außerdem soll es künftig für alle Anbieter aus dem Bereich Finanzbildung eine Qualitätssicherung geben.
Finanzbildung als sozialpolitisches Thema
Zur Umsetzung der Ziele soll die Kooperation mit anderen Ministerien und Institutionen sowie das Angebot in den Bundesländern ausgebaut werden. Gemeinsam mit dem Bildungs- und Sozialministerium wolle sie "Finanzbildung zu einer gemeinsamen Priorität machen". "Denn wer wirtschaftliche Zusammenhänge versteht, trifft bessere finanzielle Entscheidungen." Das betreffe das eigene Haushaltsbudget ebenso wie anstehende Investitionen oder Altersvorsorge.
Es sei nicht nur ein ökonomisches, sondern vor allem ein sozialpolitisches Thema, ob sich Menschen in ihrem Alltag finanziell zurechtfinden, hob Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ), Staatssekretärin im Sozialministerium, hervor. Junge Menschen müssten in Zeiten leicht verfügbarer Konsumkredite oder undurchsichtiger Leasingverträge besser vor Überschuldung geschützt werden. Im Finanzbildungsrat diskutierte Möglichkeiten wären etwa Pop-ups im Online-Banking mit einer Warnung, bevor das Konto ins Minus rutscht, oder ein Verbot von Kreditmarketing bei Jugendkonten. Bei Frauen, die strukturell bedingt öfters in die Armut rutschen, wäre etwa mehr Information über die möglichen Folgen einer Bürgschaft ein möglicher Hebel.
Schwerpunkt an Schulen
Konkrete Maßnahmen sind bereits an den Schulen geplant. Grundsätzlich sei man zwar schon ganz gut aufgestellt, verwies Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) auf gute Ergebnisse bei internationalen Vergleichsstudien zur Finanzbildung. Jugendliche würden sich aber weiterhin mehr Angebot wünschen. Schon mit kommendem Schuljahr wird an 50 Wirtschaftskundlichen Realgymnasien ein eigenes Schulfach "Wirtschaft, Innovation und Nachhaltigkeit" eingeführt. Ebenfalls ab Herbst soll es außerdem ein eigenes Zertifikat für Schulen der Sekundarstufe 1 (v.a. Mittelschule, AHS-Unterstufe) geben, die pädagogische Schwerpunkte im Bereich der Wirtschafts-, Finanz- und Verbraucherbildung setzen werden. Auch in den neuen Lehrplänen für die AHS-Oberstufe, die ab 2027/28 stufenweise in Kraft treten sollen, werde ein spezieller Fokus am Thema liegen.
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