Haus der Geschichte Österreich kommt ins Museumsquartier
Das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) wird wie geplant von der Neuen Burg am Wiener Heldenplatz ins Museumsquartier übersiedeln. Das gab Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) am Freitag als Ergebnis der internen Evaluierung bekannt. "Der faktische Baubeginn steht allerdings noch unter Budgetvorbehalt. Eine zeitliche Streckung des Projektes ist daher möglich", hieß es am Freitag in einer Aussendung. Geplant war die Eröffnung am neuen Standort im Herbst 2028.
Diese Meldung wurde aktualisiert. Neu: Stellungnahme hdgö und ÖNB in den letzten vier Absätzen
"Die Planungen sind weit gediehen, die Entwurfsplanung ist abgeschlossen. Die derzeit in Vorbereitung befindliche Baugenehmigung hat eine Gültigkeit von vier Jahren und bietet damit reichlich Zeit für inhaltliche Überlegungen - etwa im Kontext aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen wie beispielsweise des besorgniserregenden Anstiegs von Antisemitismus und der Verbreitung autoritären Gedankenguts", hieß es weiter. Für Babler bietet der neue Standort mit rund 3.000 Quadratmetern Ausstellungs- und Vermittlungsfläche "auch die Möglichkeit, sich intensiv dem düstersten Kapitel der österreichischen Zeitgeschichte zu widmen, der Shoah". Der Holocaust sei "Teil der Geschichte Österreichs und damit auch im Kontext eines mittelfristig eigenständigen Bundesmuseums Haus der Geschichte Österreich zu denken". Zuletzt war auch die Schaffung eines eigenen Holocaust-Museums diskutiert worden.
Altan soll "Ort für die demokratiepolitische Bildung werden"
Trotz des geplanten Umzugs des hdgö soll der Altan der Neuen Burg, im Volksmund "Führer-Balkon" genannt, künftig ein "Ort für die demokratiepolitische Bildung werden", so Babler. "Ich kann mir vorstellen, dass die neu geschaffene Koordinierungsstelle für Gedenkkultur unter Einbindung der wesentlichen Stakeholder dafür federführend tätig wird."
Im Ministerratsvortrag vom November 2023 seien die Gesamtkosten des Projekts auf 39,29 Mio. Euro geschätzt worden, hieß es. "Die Kosten bis zur Baugenehmigung belaufen sich auf rund 2,5 Mio. Euro seitens des Museumsquartiers, dazu kommen Personal- und Infrastrukturkosten und externe Dienstleistungen in Höhe von rund 0,9 Mio. Euro auf Seiten der ÖNB." Das derzeit in den Verband der Österreichischen Nationalbibliothek eingegliederte hdgö soll laut Regierungsprogramm ein eigenständiges Bundesmuseum werden.
Im September 2024 wurde das Berliner Architekturbüro O&O Baukunst als Gewinner der Ausschreibung präsentiert. Vorgesehen ist ein Holzbau im kleinen Klosterhof, der als Eingangsportal fungieren soll. "Das aktuelle Projekt wird dem wissenschaftlichen Beirat des hdgö am 21. Jänner präsentiert und auch noch dessen Expertise eingeholt", hieß es am Freitag seitens des Kulturministeriums.
Freude bei Stakeholdern
Die Entscheidung stößt bei den Stakeholdern auf freudige Zustimmung. "Die Klarstellung unterstreicht die Bedeutung eines zukunftsfähigen Ortes für die zeitgeschichtliche Auseinandersetzung im Zentrum Wiens", heißt es in einer gemeinsamen Aussendung von Nationalbibliothek (ÖNB) und hdgö.
Die nach einer internen Evaluierung getroffene Entscheidung stelle "sicher, dass die umfangreichen Vorarbeiten nicht ins Leere gehen, sondern als belastbare Grundlage für die weitere Umsetzung dienen", betonen Michaela Mayr (interimistische wissenschaftliche ÖNB-Leiterin) und der kaufmännische Geschäftsführer Richard Starkel. Die nun bestätigte Perspektive erlaube es, die Konzepte zu verwerten und das Projekt strukturiert weiterzuentwickeln. Sobald die endgültige Finanzierung gesichert sei, könne das Vorhaben in die nächste Phase eintreten.
Sommer verweist auf "laufende Arbeit an neuer Hauptausstellung"
hdgö-Direktorin Monika Sommer, die dem Projekt dem Vernehmen nach bisher eher kritisch gegenüberstand, zeigte sich erfreut, "die laufende Arbeit an einer neuen Hauptausstellung fortsetzen können" und verwies auf das "spannende Programm in der Neuen Burg am Wiener Heldenplatz" bis zur endgültigen Übersiedlung ins Museumsquartier, die ursprünglich für Herbst 2028 avisiert war, aber laut Babler aus Budgetgründen nach hinten verschoben werden könnte.
Die Geschäftsführerin des Museumsquartiers, Bettina Leidl, bezeichnete das hdgö via Aussendung als "ein zentrales Museumsprojekt für die demokratische Erinnerungskultur unseres Landes", die nunmehrige Entscheidung schaffe die notwendige Planungssicherheit für das Museumsquartier.
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