KI-Partei in Linz: Wie Künstliche Intelligenz politische Bewegungen formt
In Linz entsteht aktuell ein brandaktuelles politisches Experiment: eine KI-basierte Partei. Den Auftakt dieses ungewöhnlichen Unterfangens bildet die Ausstellung "KI-DIPFIES" im Kunstraum Memphis, begleitet vom öffentlichen, partizipativen "Parteitag", dem "KI-DIPFEL GIPFELTREFFEN", bei dem Inhalte, Strukturen und Parteiprogramm gemeinsam entwickelt und erprobt werden.
Vom 12. Februar bis zum 10. März 2026 wird im Kunstraum Memphis die Ausstellung "KI-DIPFIES" des Künstler*innenkollektivs Computer Lars gezeigt. Die Ausstellung bildet den Auftakt zur Gründung einer neuen KI-basierten politischen Partei in Linz. Vom 2. bis 6. März 2026 wird die Ausstellung durch das "KI-DIPFEL GIPFELTREFFEN" erweitert: ein fünftägiges, öffentliches und partizipatives Programm, in dem Inhalte, Strukturen und das Parteiprogramm dieser neuen politischen Formation gemeinsam entwickelt, erprobt und diskutiert werden. Im Zuge dessen findet am 2. März außerdem ein öffentlicher Vortrag im Open Innovation Center am Campus der Johannes Kepler Universität Linz statt.
Das Projekt verbindet künstlerische Forschung, wissenschaftliche Analyse und lokale Öffentlichkeit in einem gemeinsamen Arbeitszusammenhang. Partner*innen sind die Art × Science School for Transformation der JKU Linz sowie der Kunstraum Memphis.
KI - Politik - Transformation
Im Zentrum des Projekts steht eine für die oberösterreichischen Kommunalwahlen unmittelbar relevante Frage: Was passiert mit demokratischer Praxis, wenn KI nicht nur Kommunikationsmittel ist, sondern aktiv in die Produktion und Zirkulation politischer Aussagen, in die Organisation von Aufmerksamkeit und in die öffentliche Meinungsbildung eingreift? Demokratie lässt sich als Informationssystem verstehen, das individuelle Präferenzen in kollektive Entscheidungen übersetzt. KI greift in diese Übersetzungen ein und verändert damit die Bedingungen der politischen Öffentlichkeit.
Die Ausstellung und das Gipfeltreffen nehmen diese Verschiebung auch als politisches Experiment in den Blick. Im Rahmen des Projekts wird eine KI-Partei gegründet, die 2027 zur Wahl antreten soll. Dabei geht es nicht nur um Datenschutz oder einzelne Fehlentscheidungen, sondern um demokratische Infrastruktur. Wer bestimmt künftig, was sichtbar wird, was als glaubwürdig gilt und wer oder was politisch handlungsfähig ist?
Partizipativer Parteitag und KI-Trainingslager
Das "KI-DIPFEL GIPFELTREFFEN" von 2. bis 6. März ist als öffentlicher Parteitag angelegt. Über fünf Tage werden Methoden, Prototypen, Gespräche und Performances so organisiert, dass das Parteiprogramm als konkrete lokale Praxis erprobt und zugleich analysiert wird. Das Programm setzt bewusst auf Reibung statt auf Optimierung.
"KI-DIPFIES" vom 12. Februar bis 10. März rahmt das Gipfeltreffen im März als Ausstellungsformat, in dem KI und politische Organisation miteinander verschaltet werden. Das Anfangsprogramm basiert auf der technischen Infrastruktur der Synthetischen Partei aus Dänemark, der weltweit ersten KI-Partei. Für den Linzer Kontext wurde das Modell mit dem Archiv von Vitus Mostdipf, der Kolumnenfigur aus den Oberösterreichischen Nachrichten, trainiert. Die Ausstellung wird damit zum Infrastruktur- und KI-Trainingslager. Sie macht sichtbar, welche Interface-Entscheidungen, Narrative, Interaktionslogiken und institutionellen Kontexte mitbestimmen, was als "politisch" überhaupt sagbar, teilbar und handlungsfähig wird. Entscheidend ist nicht, ob KI beteiligt ist, sondern ob Menschen politische Prozesse verstehen, anfechten und Verantwortliche benennen können.
Mitwirkende
Organisiert wurde das Projekt von Leander Gußmann (Senior Scientist, Art × Science School for Transformation) und verbindet universitäre Forschung, Lehre und Ausstellungspraxis in Linz. Einer der zentralen Impulsgeber des Programms ist der künstlerisch-forschende Doktorand Asker Bryld Staunæs (Aarhus University), dessen Forschungsaufenthalt an der JKU Linz stattfindet. Während der Woche arbeitet Staunæs mit BA- und PhD-Studierenden der Art × Science School for Transformation und tritt in Austausch mit Forschenden und Lehrenden der JKU über Methoden, mit denen sich KI-vermittelte politische Formen in situ untersuchen lassen. Die Soziologin Taina Meriluoto (University of Helsinki) begleitet das Gipfeltreffen mit Feldforschung im Rahmen des Projekts Synthetic activism: Politics of Presence in the Age of AI (POP-AI).
Bei Rückfragen: Leander Gußmann, Senior Scientist (Postdoc) Art × Science School for Transformation, JKU Linz E-Mail: leander.gussmann@jku.at Telefonnr.: +43 732 2468 5036 und +43 650 9626073
Über die Art × Science School for Transformation (AxS)
Die Art × Science School for Transformation ist eine interuniversitäre Einrichtung der Johannes Kepler Universität Linz und der Universität für angewandte Kunst Wien. An der JKU steht sie unter der Leitung von Dr. Andrea Schaffar. Ziel ist es, gesellschaftliche Transformationsprozesse an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Öffentlichkeit zu untersuchen und aktiv mitzugestalten.
Link: www.jku.at/art-x-science-school-for-transformation/
Michael Schwarz, MA PR Manager Universitätskommunikation JOHANNES KEPLER UNIVERSITÄT LINZ Science Park 5, Raum 327 Altenberger Straße 68 4040 Linz, Österreich T +43 732 2468 3019 M +43 664 602468 352 michael.schwarz_1@jku.at jku.at