Technik sozial denken und "Barrieren im Kopf" abbauen
Was nach "Blade Runner" klingt, ist an der Universität Innsbruck Forschungsthema: Die Doktorandin und Universitätsassistentin Katharina Schmermbeck beschäftigt sich mit Exoskeletten und damit, wie diese am Körper getragenen mechatronischen Systeme geregelt werden können, um Menschen bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten optimal zu unterstützen. Zudem hat sie mit "INNklusion" eine Initiative mitbegründet, die mit dem Österreichischen Inklusionspreis ausgezeichnet wurde.
Dabei werden Menschen mit Behinderungen oder körperlichen Einschränkungen mit Studierenden vernetzt, mit dem Ziel, kleine technische Assistenzlösungen zu fertigen. "Es ist einfach großartig zu sehen, wie viel man verändern kann, wenn man sich engagiert", so Schmermbeck im Gespräch mit APA-Science.
Die Universität Innsbruck habe sie dabei sehr unterstützt - das Projekt stehe dort als interdisziplinäre Lehrveranstaltung Bachelor- und Masterstudierenden zur Verfügung. Diese lernen dort einerseits, größere komplexe Themen zu bearbeiten. Andererseits bringe man eine gesellschaftliche Perspektive in einen technischen Studiengang. "Mir ist es wichtig, in einer Gesellschaft zu leben, die viele Lebensperspektiven mitdenkt und wo man sich umeinander kümmert. Dass wir als PhD-Studierende diese gesellschafts- und sozialpolitischen Themen einbringen konnten, ist wirklich toll", sagt die 31-jährige Forscherin.
Auch bei Menschen mit Behinderung oder körperlicher Einschränkung stieß das Projekt auf großes Interesse, denn oft seien keine leistbaren Hilfsmittel auf dem Markt verfügbar. Dabei solle Technik eigentlich so entwickelt werden, dass jeder oder jede sie nutzen kann. "Mit diesem Blickwinkel lernt man als Technikerin oder Techniker sehr viel. Aber ich glaube, das Projekt ist auch dann erfolgreich, wenn Studierende danach anders durch die Welt gehen und die Barrieren im Kopf ein bisschen abgebaut sind", so die Doktorandin weiter.
Ab in die Berge
Solche Möglichkeiten sich selbst einzubringen sowie die Forschungsarbeit in einem interdisziplinären Team waren für Schmermbeck gute Gründe, nach ein paar Jahren in der Privatwirtschaft eine PhD-Stelle anzunehmen. Zudem mag sie es, lange an einem Thema zu bleiben und zu reflektieren, wie sich so der eigene Zugang dazu verändert. "Den Forschungsbereich an der Universität Innsbruck habe ich eher zufällig gefunden - bei der Entscheidung ging es ein Stück weit auch darum, wieder in den Bergen leben zu können", schmunzelt sie. Natürlich gebe es Verbesserungsbedarf: So seien Universitäten oft noch von alten, starren Hierarchiestrukturen geprägt. Diese würden wirklich innovativer Forschung oft im Wege stehen. Will man sich demgegenüber durchsetzen, brauche es jede Menge Resilienz.
In unserer Welt und unserem Umfeld erleben wir Technik die ganze Zeit - beim Thema Exoskelette können sie noch viel Unterstützung bieten. "Ob das jetzt bedeutet, dass sich jemand wieder selbstständig Essen zubereiten kann oder nach 25 Jahren körperlich herausfordernder Arbeit keine Rückenbeschwerden hat", sagte Schmermbeck. "Dabei fasziniert mich, dass es in diesem Bereich, wenn man etwas direkt am Körper hat, noch viel mehr Perfektion braucht, um in die Nutzung zu kommen." Von der bekannten Idee der Mensch-Technik-Erweiterung in Form von Cyborgs, wie etwa in den "Blade Runner"-Filmen, seien wir dementsprechend noch weit entfernt.
(Diese Meldung ist Teil einer Serie von Interviews mit Nachwuchsforscherinnen anlässlich des Internationalen Tages der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft. Alle Artikel im Überblick: https://science.apa.at/feature/nachgefragt-nachwuchsforscherinnen-im-gespraech/ )