XISTA als Sprungbrett für synthetische Biologie aus Österreich
Ein Spin-off aus Klosterneuburg beliefert internationale Märkte mit synthetischer DNA, die unter anderem für Anwendungen in der Biopharma-Forschung, Gentherapie und Impfstoffentwicklung eingesetzt wird. "Wir haben einen Vorhersage-Algorithmus entwickelt, mit dem wir jedes beliebige Erbgut-Molekül zusammenstellen können", sagte Jodi Barrientos von der österreichischen Biotech-Firma Ribbon Bio im Gespräch mit APA-Science.
"Er ist die treibende Kraft hinter unserer Technologie und gibt uns die Herstellungsanweisung für synthetische DNA, die wir vor allem für den pharmazeutischen Markt anfertigen", so die Firmenchefin. Gegründet wurde Ribbon Bio als Spin-off eines der ersten Post-Docs des Institute of Science and Technology Austria (ISTA) gemeinsam mit einem Kollegen aus New York. Harold P. de Vladar ist ein mathematikaffiner Biologe, der im Labor von ISTA-Professor Nick Barton forschte. Wladimir Labeikovsky ist Biochemiker, Biophysiker und Bioinformatiker und heute Head of Data Operations bei Ribbon Bio.
Problem als mathematische Herausforderung gesehen
"Zuvor war die Technologie ein wenig zum Stillstand gekommen", erklärte Barrientos. "Die damaligen Hersteller konnten synthetische DNA nicht in ausreichender Länge, Komplexität und Genauigkeit generieren." Die beiden Forscher hätten das Problem als mathematische Herausforderung gesehen: Bestimmte Serien von Erbgut-Buchstaben weisen definierte biochemische Eigenschaften auf. Ein Algorithmus kann diese vorhersagen und passende Herstellungsmethoden liefern. Er lernt dabei von einem Durchgang zum nächsten und wird so stetig besser.
"Ribbon Bio verwendet einen proprietären und selbst entwickelten Algorithmus, um lange und hochkomplexe DNA zu analysieren und in Segmente - sogenannte Oligonukleotide - zu zerlegen", erläuterte Gerald Wirnsberger, Senior Director of R&D. "Diese Oligonukleotide können mithilfe von von Ribbon Bio entwickelten proprietären biochemischen Prozessen und Enzymen präzise wieder zusammengesetzt werden, um fehlerfreie DNA-Moleküle zu produzieren."
Automatisierung mittels Laborrobotik
Die Herstellung erfolgt automatisiert mit Laborrobotik, um menschliche Ungenauigkeiten und Fehler auszuschließen. Zudem beschleunigt dies die Prozesse. Jeder Schritt wird durch Qualitätskontrollen begleitet. Im Frühjahr 2025 brachte Ribbon Bio mit MiroSynthTM DNA erstmals ein kommerzielles Produkt auf den Markt. Die synthetische DNA wird unter anderem für Anwendungen in der Biopharma-Forschung, Gentherapie und Impfstoffentwicklung eingesetzt und stößt den Angaben zufolge international auf hohe Nachfrage. Im Oktober 2025 gab Ribbon Bio außerdem eine Zusammenarbeit mit Scala Biodesign bekannt. Ziel der Partnerschaft ist es, durch die Kombination von enzymbasierter DNA-Synthese und computergestütztem Enzymdesign leistungsfähigere molekulare Werkzeuge schneller für Kundinnen und Kunden bereitzustellen.
Bei Ribbon Bio arbeiten derzeit 54 Personen weltweit - in den USA, Frankreich, Großbritannien und vor allem in Wien, wo sich Hauptquartier und zentrales Labor befinden. "Wir sind ein interessanter Mix aus mehr als 20 Nationen, darunter junge Talente direkt aus der akademischen Grundlagenforschung ebenso wie erfahrene Fachkräfte aus der Biotech-Branche", sagte Barrientos. 2025 wurde diese Unternehmenskultur auch extern anerkannt: GenomeWeb zeichnete Ribbon Bio als "Best Place to Work 2025" in der Kategorie mittelgroßer Unternehmen aus.
Frühe Unterstützung durch Innovationsökosystem
Gestartet ist die Firma in einem kleinen Labor, das ihr XISTA zur Verfügung gestellt hatte. XISTA ist ein Innovationsökosystem, das Forschende vom ISTA, aber auch aus anderen akademischen Organisationen in Österreich und international dabei unterstützt, den Weg von einer wissenschaftlichen Erfindung bis zur Gründung eines erfolgreichen Unternehmens zu gehen, erklärte Geschäftsführer Markus Wanko. Die Unterstützung setze dabei bereits früh an, etwa mit Awareness-Programmen, die mit dem Vorurteil aufräumen sollen, dass zwischen wissenschaftlicher Innovation und kommerzieller Anwendung zwangsläufig viel Zeit liegen müsse. Wie Ribbon Bio zeige, könne dieser Übergang auch rasch erfolgen.
XISTA unterstützte Ribbon Bio nicht nur mit Laborräumen im Science Park, sondern auch bei der Finanzierung. "Unser Fund XISTA Science Ventures war der erste Investor in Ribbon und konnte weitere internationale Investoren für das Unternehmen gewinnen", sagte Wanko. Inzwischen verwaltet XISTA Science Ventures über zwei Fonds hinweg knapp 100 Millionen Euro. Rund 30 Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren in Spin-off-Unternehmen aus 14 verschiedenen Universitäten und Forschungseinrichtungen investiert. Insgesamt führten diese Investments zu rund 300 Millionen Euro an eingeworbenem Kapital. Der zweite Fonds, der ebenfalls vom Europäischen Investitionsfonds als Ankerinvestor unterstützt wird, investiert bereits aktiv und wird bis Ende 2026 weiter ausgebaut.
Mehr Aufmerksamkeit für Ausgründungen
Vor dem Hintergrund aktueller industriepolitischer Initiativen in Österreich und auf EU-Ebene werde der Rolle wissenschaftsbasierter Ausgründungen zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt, so Wanko: "In Strategiepapieren und Förderprogrammen gelten Biotechnologie und synthetische Biologie als Felder mit hohem Innovations- und Wachstumspotenzial. Initiativen wie XISTA tragen dazu bei, Schnittstellen zwischen akademischer Forschung und wirtschaftlicher Verwertung zu strukturieren und jungen Unternehmen den Zugang zu Infrastruktur, Finanzierung und Netzwerken zu erleichtern."
"Obwohl wir heute sehr selbstständig agieren, ist die Partnerschaft auch in diesem späteren Stadium für uns wirklich phänomenal", strich Barrientos hervor. "Wir befinden uns klar in einem kommerziellen, marktorientierten Umfeld, verlassen uns aber weiterhin auf den Zugang zu diesem außergewöhnlich hochwertigen Feedback."
(Dies ist eine entgeltliche Veröffentlichung des ISTA im Rahmen einer Medienkooperation. Die redaktionelle Letztverantwortung liegt bei APA-Science.)
Service: Mehr über XISTA: www.xista.com und ISTA: www.ist.ac.at