Melioidose - Forscher entdeckten bisher größte Fallserie in Afrika
In Europa ist Melioidose eine weitgehend unbekannte Infektionskrankheit - obwohl rund die Hälfte der Erkrankten daran stirbt. Die vor allem in tropischen und subtropischen Regionen Asiens und Australiens auftretende Krankheit könnte auch in Westafrika weiter verbreitet sein als angenommen. Experten der Med Uni Graz haben eine Fallserie für Mali und zugleich die bisher größte Kohorte von Melioidose-Fällen in Afrika gemeldet. Sie halten die Krankheit als zu wenig beachtet.
Ärzte ohne Grenzen unterhält in einem Kinderkrankenhaus mit mikrobiologischem Labor in Koutiala (Mali) ein medizinisches Programm für Kinder unter fünf Jahren. In Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Graz wurden dort innerhalb von drei Jahren im Umkreis von 150 Kilometern bei Kindern unter fünf Jahren 31 Fälle von Melioidose identifiziert. Die Sterblichkeitsrate lag bei etwa 60 Prozent. Das ist vergleichbar mit jener in Südostasien, wo die Krankheit endemisch ist. Modellbasierte Schätzungen gehen von bis zu 89.000 Todesfällen weltweit pro Jahr aus - eine Zahl, die mit der von Masern vergleichbar ist.
"Unseres Wissens nach ist dies die erste Fallserie, die in Mali gemeldet wurde, und die größte Kohorte von Melioidose-Fällen, die jemals in Afrika gemeldet wurde", so Ivo Steinmetz, Leiter des Diagnostik- und Forschungsinstituts für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin der Med Uni Graz im Gespräch mit der APA. Die Erkenntnisse der jüngsten Studie wurden in "The Lancet Global Health" veröffentlicht.
Bisher eingeschränkte Diagnosemöglichkeit
Während man über die Verbreitung der Krankheit in tropischen Regionen Asiens und des Pazifiks schon lange Bescheid weiß, galt sie in Afrika lange als selten, was laut Steinmetz auf bisher eingeschränkte Diagnosemöglichkeiten zurückzuführen ist. "Wenn man den Erreger deshalb nicht entdeckt, heißt es nicht, dass er nicht da ist", gab Steinmetz zu bedenken.
Das Bakterium Burkholderia pseudomallei ist der Erreger der gefährlichen Infektionskrankheit. Der natürliche Lebensraum des Bakteriums sind Erdböden und Oberflächengewässer in tropischen und subtropischen Regionen, die sich mit dem Klimawandel ausbreiten dürften. "Man infiziert sich durch Inhalation oder über kontaminiertes Wasser", schilderte der Tropenmediziner.
Die in Graz durchgeführten genetischen Analysen der Erreger zeigten, dass in Mali unterschiedliche B. pseudomallei-Stämme vorkommen. "Dies deutet darauf hin, dass der Erreger seit langer Zeit endemisch in der Region ist und nicht erst kürzlich eingeführt wurde", erklärte Sabine Lichtenegger, die am Grazer Institut die Analyse der Stämme durchgeführt hat.
Resistenz als Behandlungsproblem
Das klinische Bild reicht von Fieber und Husten, mitunter auch einer schweren Lungenentzündung, die sich im weiteren Verlauf entwickelt. Wenn sich die Bakterien über das Blut im gesamten Körper verbreiten, droht eine lebensgefährliche Sepsis. Eine frühzeitige Diagnose der Melioidose ist entscheidend für den Krankheitsverlauf, da der Erreger gegen viele Medikamente resistent ist, die üblicherweise zur Behandlung eingesetzt werden. Die Grazer Experten haben schon vor geraumer Zeit Tests zum Antikörpernachweis zur Diagnostik entwickelt. Doch in afrikanischen Ländern gibt es nur sehr wenige Labore, die den Erreger identifizieren können. Die Autoren der Studie hoben daher den Bedarf an besserer Diagnostikinfrastruktur und klinischer Schulung hervor.
Trotz der hohen Sterblichkeit und der überproportionalen Gefährdung der armen und ländlichen Bevölkerung sei Melioidose bisher nicht auf der Liste der vernachlässigten Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgeführt, kritisierte Steinmetz. "Sie ist so vernachlässigt, dass sie noch nicht einmal auf diese Liste gekommen ist", so der Grazer Experte. Durch eine Anerkennung würden mehr Ressourcen für Diagnostik und Forschung zum Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen in Afrika und auch den anderen Teilen der Welt verfügbar werden.
Service: S. Lichtenegger, I. Klugherz, G. Wagner, I. Steinmetz et al.: "Melioidosis in Mali: a retrospective observational study", The Lancet Global Health, Nov 2025, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2214109X25003171?via%3Dihub