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Derzeitige Arbeitsweise soll künftig als Ergänzung beibehalten werden © APA (dpa)
Derzeitige Arbeitsweise soll künftig als Ergänzung beibehalten werden © APA (dpa)

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Coronavirus - Auch die Nachhilfe wandert ins Netz

03.04.2020

Lernen am Computer - das gilt in Corona-Zeiten nicht nur für den Regelunterricht, sondern auch für die Nachhilfe. Ein rasches Umstellen auf online hat bei Friedrich Wurm, Betreiber von fünf "Schülerhilfe"-Niederlassungen, Schüler und Lehrer bei der Stange gehalten. Und offenbar bewähren sich die Nachhilfe-Videokonferenzen: Man werde sie zum Teil auch künftig beibehalten, meinte er im APA-Gespräch.

Friedrich Wurm betreibt fünf Standorte der auf Franchise basierenden Schülerhilfe in Linz, Wels und Steyr, in denen insgesamt etwa 85 Lehrer knapp 1.000 Schüler betreuen. Vor einigen Wochen sah der Normalzustand dort noch so aus: Ein- bis zweimal pro Woche wurde der aktuelle Schulstoff in Kleingruppen in der jeweiligen Niederlassung mit den Kindern und Jugendlichen noch einmal wiederholt und geübt. Nun sind die Räume der Schülerhilfe ebenso geschlossen wie die Schulen, die Schüler lernen daheim. Man musste handeln.

"Wir haben mit vereinten Kräften die 'Schülerhilfe digital' aus dem Boden gestampft", schildert Wurm, das sei binnen einer Woche gelungen. Die Struktur wanderte ins Netz. Weiterhin lernen drei bis vier Schüler mit einem Lehrer, allerdings auf einer Videoplattform und nicht in einem Klassenzimmer. Der größere Teil der Schüler sei "begeistert" von der neuen Lernform, so Wurm. Natürlich gebe es auch einen Teil, der das Online-Angebot nicht in Anspruch nehmen wollte und pausiert, bis es wieder Face-to-face-Betreuung gibt. Das seien aber nur zwischen fünf und acht Prozent. Es gebe sogar - wenn auch noch etwas zögerlich - Neuanfragen seitdem man online sei.

Gründe für Ausstieg

Die Gründe der Aussteiger sind verschieden. Manchen fehlt es am technischen Equipment. So haben einige keinen Computer sondern nur ein Handy zur Verfügung. Schwierig sei es - vor allem bei Kleineren -, wenn es im Elternhaus Sprachprobleme gibt. Und manche Schüler seien derzeit einfach eingedeckt, weil ihnen ihre Klassenlehrer viel Stoff mitgeben. Einzelne wollen nur auf analogem Weg lernen. Wurm rechnet aber damit, dass ein Teil der Aussteiger nach den Feiertagen wieder einsteigt bzw. neue Nachhilfe-Schüler dazukommen - nämlich "wenn nach Ostern von den Schulen wieder Stoff durchgenommen wird". Derzeit steht ja laut Ministerium nur Vertiefung am Programm. "Wir bewerben jetzt, dass man auch nur online einsteigen kann", so Wurm.

"Jede Krise bringt auch Chancen", findet der Nachhilfe-Unternehmer. Und da sie sich bewährt habe, wolle man die derzeitige Arbeitsweise künftig als Ergänzung beibehalten. Etwa für Schüler mit weitem Weg zur Nachhilfe oder in einer Schule mit sehr vielen Wochenstunden könnte es eine Verbesserung sein, wenn man sich z.B. am Wochenende mit seinem Nachhilfelehrer im Netz "treffen" kann, so der Ansatz.

Die Umstellung habe auch ihm als Unternehmer in der Krise geholfen: Im administrativen Bereich gebe es zwar Kurzarbeit, die Lehrer - freie Dienstnehmer - seien aber alle weiter beschäftigt, "keiner hat seinen Job verloren". Noch offen ist, wie es mit den Maturanten, für die wohl geblockte Meetings angeboten werden, weitergeht und mit den Sommerkursen. Hier muss man sich nach dem noch in Schwebe befindlichen Schulkalender richten. Aber: "Wir sind da flexibel", glaubt Wurm, sich nach einer Entscheidung des Bildungsministeriums darüber, wie es weitergeht, rasch auf die jeweilige Situation einstellen zu können.

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