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Coronavirus und Kinder: Experten für Containment statt Lockdown

15.09.2020

Die Verunsicherung bei vielen Eltern in Zeiten von Corona steigt: Was tun, wenn der Nachwuchs in der nächsten Zeit Schnupfen bekommt? Wann und wie lange soll man Schule oder Kindergarten fern bleiben? Kindermediziner mahnten bei einem Pressegespräch am Dienstag in Wien konsequente Maßnahmen nach dem Motto Containment (Eindämmung) statt Lockdown ein und empfahlen: "Kranke Kinder bleiben zu Hause."

Eine rinnende Nase ohne Fieber zum Beispiel bedeute aber nicht gleich, krank zu sein, wurde betont. Die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) empfiehlt zudem, Infektionsraten generell niedrig zu halten und nicht ausschließlich auf Corona-Symptome zu achten. Die sind bei Kindern auch tendenziell oft anders als bei Erwachsenen: Vor allem Magen-Darm- und Haut-Probleme kommen besonders bei den Jüngsten vor.

Kinder infizieren sich seltener

Kein einziges Kind sei aber in Österreich bisher am Coronavirus gestorben. Von den rund 35.000 bis dato positiv getesteten Personen waren etwa 500 unter fünf Jahre alt (1,4 Prozent), 1.600 oder 4,6 Prozent zwischen fünf und 14 Jahre. Früh habe sich gezeigt, dass Kinder eine Sonderstellung einnehmen: Immer mehr Studien deuten darauf hin, dass sie nicht nur seltener Symptome entwickeln, sondern sich auch weniger häufig infizieren, hieß es. Infektionsketten gehen meist von Erwachsenen aus und Kinder geben die Infektion seltener weiter. SARS-CoV-2-Fälle scheinen in Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen grundsätzlich nicht überproportional aufzutreten.

Volker Strenger, AG-Leiter "Infektiologie" der ÖGKJ, verwies darauf, dass es sich als falsche Annahme herausgestellt habe, dass Kinder in der Übertragung eine überdurchschnittlich große Rolle spielen. Cluster-Analysen, auch in Schulen, hätten vielmehr gezeigt, dass sie seltener Indexfälle sind und eher weniger weitere Personen infizieren als erwachsene Indexfälle. Zu Beginn der Schulferien waren 3,7 Prozent der bis dahin positiv getesteten Gesamtinfizierten Kinder unter 14 Jahren. Bis Schulbeginn ist dieser Anteil auf sechs Prozent gestiegen. Die Zahl der nachgewiesenen kindlichen Infektionen wuchs also überproportional um 165 Prozent.

Wenn das Prinzip Containment statt Lockdown konsequent durchgezogen wird, könne man erreichen, dass der Nachwuchs heuer nicht wie üblich fünf bis zehn Infekte pro Saison durchmacht, sondern nur ein oder zwei. "Die wirkungsvollste Methode zur Verhinderung einer Virusverbreitung ist das Containment", betonte Reinhold Kerbl, Vorstand der Abteilung für Kinder und Jugendliche am LKH Hochsteiermark/Leoben. Infizierte Personen sollten also grundsätzlich möglichst separiert bzw. isoliert werden, um eine Weiterverbreitung zu verhindern. Die ÖGKJ appellierte daher an Eltern und Familien, ihren Teil zur Eingrenzung aller Viren beizutragen.

Service: Die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) finden Sie unter https://www.paediatrie.at/

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