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Weltweit haben 260 Millionen Kinder keinen Zugang zur Bildung © APA (AFP)
Weltweit haben 260 Millionen Kinder keinen Zugang zur Bildung © APA (AFP)

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Entwicklungspolitische Tagung zu Bildungssituation - "Weit weg von Zielen der Agenda 2030"

29.11.2019

"Die globalen Ziele der Agenda 2030 sind eine große Herausforderung und der Zeithorizont ist knapp." Das sagte Peter Hanke (SPÖ), Stadtrat für Finanzen, Wirtschaft, Digitalisierung und Internationales bei der Entwicklungspolitischen Tagung im Wiener Rathaus.

Zahlreiche Sprecher wiesen auf die gravierende globale Situation der Bildung hin und plädierten für mehr Inklusion und Bildungsgerechtigkeit.

"Auch Wien verspürt eine Verantwortung, Entwicklungsbereiche zu unterstützen - die Bildung ist für uns ein Kernbereich", sagte Hanke. "Wir werden in den nächsten zehn Jahren über 70 Millionen Euro in die Infrastruktur stecken, um die Breitenbildung bestmöglich abzudecken."

Natalie Plhak vom Südwind Magazin betonte, dass weltweit 260 Millionen Kinder keinen Zugang zur Bildung haben würden. Vor allem zwei größere Gruppen je 30 Millionen Kinder - jene in den Konfliktländern und jene mit Behinderungen - würden stark darunter leiden.

Zugang und Qualität

Im Bildungsbereich gebe es auf der globalen Ebene immer mehr Akteure und verschiedenste Finanzierungsmodelle. "Wir sind trotzdem noch sehr weit von den Zielen der Agenda 2030 entfernt", sagte Bilal Barakat von Global Education Monitoring Report bei der UNESCO. Wichtig sei nicht nur, dass der Zugang zur Grundschulbildung steigt, sondern dass die Qualität der Bildungsinhalte gut ist. "Weltweit gibt es mehr Kinder, die in der Schule die Grundlagen nicht erlernen als Kinder, die gar nicht in die Schule gehen". Bei großen Teilen der Bevölkerung in armen Ländern wie Nigeria liege die Schulabschlussrate bei unter 20 Prozent. Barakat nannte eine noch gravierendere Zahl: Nur 0,5 Prozent der globalen Ausgaben für Bildung würden in die Länder mit niedrigem Einkommen fließen.

Bildungskrise sei zum Teil auch eine Folge des kolonialistischen Erbes und des Neoliberalismus. Die Kolonialmächte beuteten ihre Kolonien aus und verursachten dadurch die Ressourcenknappheit, den Klimawandel und die Armut. "Die Einheimischen lebten jahrhundertelang im Einklang mit der Natur. Diese Harmonie und das Wissen der Bevölkerung gingen durch den Kolonialismus verloren", so Leon Tikly, Professor und Forscher an der Universität Bristol. Er plädierte für eine inklusive Bildung, die nicht von anderen Zielen der Agenda 2030 getrennt wäre und für einen stärkeren Fokus auf die Umwelt.

Solarausbildung in der Sub-Sahara

Ein Beispiel für ein funktionierendes Bildungsprojekt brachte Irita Opara, Programmkoordinatorin der österreichischen Hilfsorganisation "Jugend eine Welt". Die NGO errichtete in den vergangenen Jahren mehrere Berufsschulen für Solarausbildung und Photovoltaik in Äthiopien und Uganda. Die Sub-Sahara sei eine besonders stark betroffene Region, der demografische Druck sei enorm, die Armut nehme trotz des Wirtschaftswachstum zu. Viele Projekte und Investitionen würden von chinesischen Unternehmen kommen, die oft ihre eigenen Fach- und Arbeitskräfte engagieren würden. Darum sei auch eine fachliche Ausbildung vor Ort wesentlich.

Ein weiteres Bildungsprojekt stellte Flutra Gorana dar. Das Can't Wait to Learn Programm der NGO War Child, das auf einem Tablet-Spiel basiert, feiere vor allem in den Flüchtlingslagern im Libanon große Erfolge. Bereits 9.000 Kindern im Libanon habe dieses Programm zu Grundkenntnissen von Mathematik und Schreiberwerb verholfen.

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