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Fehlende Lehrer für Deutsch als Zweitsprache kritisiert © APA (Neubauer)
Fehlende Lehrer für Deutsch als Zweitsprache kritisiert © APA (Neubauer)

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Forscher stellen Bildungspolitik kritisches Zeugnis aus

26.06.2019

Der Bildungspolitik der letzten Regierung und von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) haben Wissenschafter der Universitäten Wien, Linz und Innsbruck zum Schulschluss ein kritisches Zeugnis ausgestellt. Problematisch sei vor allem die Abschaffung des Integrationstopfs, durch den etwa Schulsozialarbeiter an Brennpunktschulen finanziert wurden, und die Einführung von separaten Deutschförderklassen.

Der Integrationstopf sei abgeschafft worden, obwohl die Mittel weiter zur Integration von Flüchtlingen gebraucht würden, beklagt Soziologe Johann Bacher von der Uni Linz in der Aussendung. Außerdem habe sich "sehr bewährt", dass die Mittel an Standorte mit vielen Kindern gegangen sind, die nicht Deutsch als Muttersprache haben und deren Eltern maximal die Pflichtschule abgeschlossen haben. Die Mittel an Schulen sollten künftig generell nach einem solchen Sozialindex verteilt werden, um Schulen mit besonders schwierigen Rahmenbedingungen besser unterstützen zu können, so die Forderung der Wissenschafter.

"Symbolpolitik" Deutschförderklassen

Als "Symbolpolitik" bezeichnet Bildungsforscherin Barbara Herzog-Punzenberger die mit Herbst 2018 eingeführten Deutschförderklassen, eine Verbesserung zu früheren Sprachfördermodellen sei bisher nicht belegt. Gleichzeitig gebe es noch immer zu wenige Lehrer für den Unterricht in Deutsch als Zweitsprache. Auch Veronika Wöhrer, Soziologin der Uni Wien, betont die Bedeutung von Mitschülern mit besseren Deutschkenntnissen, um die Unterrichtssprache zu erlernen. Ganz einig sind sich die Wissenschafter in dieser Frage jedoch nicht, Bacher hält angesichts der wenigen Befunde bisher eine generelle Ablehnung für nicht sinnvoll.

Die Forscher fordern außerdem flexiblere Möglichkeiten für Brennpunktschulen, um ihre Schüler zu fordern. Mariella Knapp und Corinna Geppert, Bildungswissenschafterinnen der Uni Wien, beklagen in diesem Zusammenhang die zunehmende Orientierung an Testleistungen. Ziffernnoten an den Volksschulen und Bildungsstandardergebnisse seien nur scheinobjektive Momentaufnahmen, die Schulen unter Druck setzten, ohne die Situation von Standorten mit schwierigen Rahmenbedingungen zu verbessern.

Zu den dringendsten Maßnahmen für die aktuelle und kommende Regierung gehört für die Wissenschafter außerdem, dass Kinder nicht mehr nach der Volksschule auf AHS und NMS aufgeteilt werden.

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