Bildung

APA

Geringere Flexibilität von Autisten hängt mit Lernproblemen zusammen

28.10.2020

Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) haben Probleme, flexibles Verhalten zu erlernen. Wie sich die Flexibilität bei Autisten im Laufe der Entwicklung verändert, war bisher aber unbekannt. Ein internationales Forscherteam um den Neurowissenschafter Lei Zhang von der Uni Wien berichtet nun im Fachblatt "Plos Biology", dass die eingeschränkte Flexibilität von Autisten - unabhängig vom Entwicklungsstadium - vor allem mit geringerem optimalen Lernen zusammenhängt.

Im Alltag wird ständig flexibles Verhalten gebraucht. Grundsätzlich muss man, um Entscheidungen zu treffen, durch Erfahrung lernen. Sollten sich aber die Rahmenbedingungen ändern, muss man seine Reaktionen entsprechend anpassen. Genau damit haben aber Personen mit ASS Probleme: Sie beharren oft auf bisherigen Verhaltensweisen, Veränderungen werden als schwierig empfunden und können Stress verursachen.

Zhang und seine Kollegin Daisy Crawley vom King's College London untersuchten flexibles Verhalten von 572 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zwischen 6 und 30 Jahren mit und ohne ASS bei einer speziellen Lernaufgabe. Die Teilnehmer mussten dabei mit Hilfe von Feedback lernen und ihre Antworten anpassen, wenn sich die Regeln ändern. "Wir haben uns angesehen, welche Rolle die Entwicklung beim Erlernen flexiblen Verhaltens spielt und wie diese mit Unterschieden oder Schwierigkeiten zusammenhängt", erklärte Zhang in einer Aussendung der Uni.

Die Computermodellierung der Ergebnisse zeigte, dass die dominanten Lernmechanismen, die flexiblem Verhalten zugrunde liegen, sich von Entwicklungsstadium zu Entwicklungsstadium unterschieden, nicht aber zwischen Personen mit und ohne ASS. Das reduzierte flexible Verhalten von Autisten wurde durch im Schnitt geringeres optimales Lernen innerhalb jeder Altersgruppe angetrieben. Für die Forscher deuten die Ergebnisse darauf hin, dass "dominante Lernmechanismen eher mit Entwicklungsstadien als mit diagnostischen Unterschieden zusammenhängen". Sie vermuten, dass Autisten größere Schwierigkeiten beim Erlernen flexiblen Verhaltens haben, "weil sowohl das Erlernen markanter Veränderungen als auch das Lernen, Feedback zu ignorieren, erforderlich ist", so Zhang.

Service: https://doi.org/10.1371/journal.pbio.3000908

Weitere Meldungen aus Bildung
APA
Partnermeldung